Ethanol - Genußmittel - Suchtmittel

Organische und psychische Wirkungen. Alkoholismus - sozialmedizinisches Problem Nr.1


97. Ethanol - Genußmittel - Suchtmittel

Gefahren des Alkohols

 
Übermäßiges Trinken von Alkohol führt zu krankhaften Veränderungen der Leber und zu Schädigungen des Nervensystems

Versetze dich in Gedanken zurück in das Manhattan des Jahres 1626: Die dort ansässigen Indianer tauschen den zukünftigen Stadtteil New Yorks gegen drei Fässer »Feuerwasser«! In ihrer Sprache bedeutet "Manhattan" nichts anderes als "der Ort, an dem wir uns betranken". Wie uns die Geschichte lehrt, war der Alkohol zum Teil ein Gund für den Niedergang der einst stolzen Indianervölker Nordamerikas. Der Ausdruck "im Glas ertrinken mehr als im Meer" ist nur im ersten Moment amüsant, wie man im weiteren Verlauf sehen wird

Organische Schäden

Charakteristisch für das Ethanol (früher als Äthylalkohol bezeichnet) ist, dass es bei übermäßigem Genuß den Organismus auf breiter Basis schädigt. So leiden Alkoholkranke unter Schäden der Speiseröhre, des Magens und der Darmschleimhaut. Auf Dauer führt Alkoholgenuß zu schwersten Schädigungen der Leber und der Bauchspeicheldrüse. Leidet eine Mutter unter Alkoholismus, so ist es möglich, dass ihr Baby mit schweren Schädigungen zur Welt kommt. Viele gesundheitliche Probleme wie etwa Herzerkrankungen, erhöhte Anfälligkeit für Tuberkulose oder Stoffwechselerkrankungen können dem unkontrollierten Alkoholgenuß zugeschrieben werden.


Alkotester von Dräger, wie er heute bei der Polizei gebräuchlich ist
Bild 3. Alkotester von Dräger, wie er heute bei der Polizei gebräuchlich ist.
Bild 1. Alkohol im Übermaß hat verheerende Auswirkungen auf die Funktionstüchtigkeit des Gehirns.
 

 
Alkoholkranke Menschen sind körperlich und psychisch vom Alkoholkonsum abhängig: Alkohol ist ein starkes Suchtmittel
 
Alcotest ist ein Nachweis von Ethanol in der Atemluft

Alkoholismus - die chemische Verbindung Ethanol ist die Rauschdroge Nr.1

Bereits maßvoller Alkoholkonsum (0,2 Promille Blutalkohol, entsprechen ungefähr 0,3 l Bier, 200 ml Wein oder einem hochprozentigen Schnaps, je nach Körpergewicht und Konstitution) wirkt sich auf das Nervensystem und speziell auf das Gehirn aus: das Blickfeld wird verengt (beginnender Tunnelblick), und die Reaktionszeiten verlangsamen sich. Forscher der Universität Stockholm haben herausgefunden, dass etwa ein Liter Bier (50 g Ethanol) täglich bleibende Schäden hinterlassen kann.

Auswirkungen von Ethanol-Genuss. Hinweis: Diese Angaben sind Durchschnittswerte und können sehr stark variieren.
Menge alkoholhaltiger Getränke Blutalkohol Wirkungen
1 Glas Bier (0,33 l) oder 0,2 l Wein < 0,2 ‰ enthemmende Wirkung mit Steigerung der Redseligkeit
2–3 Glas Bier oder 0,5 l Wein 0,5 ‰ deutliches Nachlassen der Reaktionsfähigkeit, insbesondere auf rote Signale, deutliche Erhöhung der Risikobereitschaft
5–6 Glas Bier oder 1 l Wein 1,0 ‰ beginnender Verlust der Bewegungskoordination, des Gleichgewichts und der Reflexe, deutliche Angetrunkenheit
8–9 Glas Bier oder 1,5 l Wein 1,5 ‰ Plaudersucht, Selbstgespräch, Stottern und Schwanken, starke Betrunkenheit
11–12 Glas Bier oder 2 l Wein 2,0 ‰ Erbrechen, hilfloser Zustand, schwere Gleichgewichtsstörungen, schwerer Rausch
  ab 2,5 ‰ Störung von Atmung und Blutkreislauf, die motorischen Nerven versagen, das Bewusstsein setzt aus, Lebensgefahr
über 4 ‰ meist tödlich

Starker Alkoholkonsum führt zu einem als Trunkenheit bezeichneten Zustand. Dieser ist einerseits durch körperliche Veränderungen wie etwa psychisch durch erhöhte Emotionalität, andererseits durch eine veränderte Bewusstseinswahrnehmung und verringerte geistige Leistungsfähigkeit gekennzeichnet, dabei zeigen neue Studien, dass es dabei zu einer Verringerung der Aktivität der Gehirnregion kommt, die für das Erkennen von Gefahren benötigt wird.

Alkohol hat auch Auswirkungen auf Sexualität und Fruchtbarkeit. So führt Alkoholkonsum vielfach zu einer Enthemmung, speziell bei Männern auch zu einer Steigerung der Lust. Parallel dazu verringert sich allerdings die Erektionsfähigkeit. Alkohol wirkt sich schädigend auf Hoden und Spermien aus. Er führt ebenso zu einer Verminderung der Testosteronproduktion, was bei einem Mann negative Auswirkungen auf eine Vielzahl von Körperfunktionen hat.

Sehr gefährlich ist übermäßiger Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft. Es kann zum so genannten fetalen Alkoholsyndrom kommen, das häufig durch eine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung des Kindes sowie körperliche Fehlbildungen (z.  B. Herzfehler) gekennzeichnet ist. Generell ist bei Schwangerschaften jeglicher Alkoholkonsum zu vermeiden. Schon eine sehr kleine Menge kann, wenn sie zu einem ungünstigen Zeitpunkt der Embryonalentwicklung eingenommen wird, fatale Folgen für das Kind haben.

In großen Mengen setzt eine akute Alkoholvergiftung ein, die bis zum Koma oder dem direkten Tod führen kann. Besonders gefährlich ist der schnelle Konsum von hochprozentigen Spirituosen, da die Übelkeitsschwelle langsamer eintritt als ein lebensbedrohlicher Anstieg des Blutalkoholspiegels. Beim schnellen Trinken einer ganzen Flasche Schnaps (150 ml-200 ml Ethanol, Komasaufen) kann durch Lähmung des Hirnstammzentrums ein tödlicher Kollaps eintreten.

Auch wenn die angenehmen Wirkungen leichten Konsums im Fall positiver Anlässe zeitlich beschränkt erwünscht sein mögen, so ruft Trunkenheit in unangebrachten Situationen jährlich ein unübersehbares Maß an menschlichem Leid hervor (u.  a. Verkehrsunfälle mit Todesfolge).


Der Abbau des Alkohols in der Leber

Ethanol ist 60 bis 90 Minuten nach dem letzten Trunk über den Verdauungstrakt voll in das Blut übergetreten und löst sich besonders leicht in den fettreichen Gehirn- und Nervenzellen. Der Abbau - stündlich etwa 0,1 g pro kg Körpergewicht - erfolgt vor allem in der Leber durch Oxidation zu Acetaldehyd. Geringe Mengen werden auch über die Haut, die Nieren und die Lunge ausgeschieden. Daher kann man mittels eines Alco-Tests über den Ethanolgehalt der Atemluft auf den Promillegehalt des Blutes zu schließen.


Bild 2. Prinzip der Alcotestreaktion nach 1
 

Das Pusteröhrchen

 
 
Man füllt in ein etwa 20 cm langes Glasrohr - Durchmesser ca. 1 cm - zwischen Glaswolle Silicagel oder nur Glaswolle ein. Die Glaswolle bzw. das Silicagel werden mit einem Gemisch aus 10 Volumenteilen konz. H2SO4 und 1 Volumenteil kaltgesättigter Kaliumdichromatlösung getränkt. Das Rohr wird an eine Waschflasche mit 10 %iger Ethanollösung angeschlossen. Durch die Waschflasche wird Luft gepumpt. Beschreibe die Veränderung.

Die ursprüngliche Funktionsweise des Alcotest, wie er 1953 entwickelt wurde, findet sich heute im Alco-Check-Teströhrchen wieder. Aber auch das traditionelle Design wird unter dem Namen Alcotest-Röhrchen noch heute vertrieben. Der ungefähre Gehalt an Alkohol in der Atemluft wird mittels einer Reaktion des Ethanols mit den im Röhrchen enthaltenen Chemikalien durch Farbumschlag angezeigt. Die Röhrchen enthalten Kieselgel und eine Mischung aus Kaliumdichromat und Schwefelsäure. Tritt Ethanol ein, so wird das gelbe Kaliumdichromat zu grünem Chrom(III) reduziert, während das Ethanol zu Ethanal (Acetaldehyd) oxidiert wird:


$ \mathrm { \underbrace{ {Cr}^{6+} + {3e}^-}_{orange} \ \longrightarrow \ \underbrace { \ \ \ {Cr}^{3+} \ \ \ }_{grün} } $


Reaktionsröhrchen für die Alkoholprobe der Atemluft
Bild 4. Reaktionsröhrchen für die Alkoholprobe der Atemluft zum Selbstest.

Die Schwefelsäure bindet das Wasser, damit der Acetaldehyd nicht zur Essigsäure weiter oxidiert wird. Der Gehalt an Ethanol wird durch die Länge der Verfärbung angezeigt. Eine Linie dient dazu, eine Überschreitung des Grenzwerts erkenntlich zu machen. Die Röhrchen sind nur einmal verwendbar. Die Reaktion läuft wie folgt ab:


$ \mathrm {3 \ CH_3CH_2OH + K_2Cr_2O_7 + 4 \ H_2SO_4 \longrightarrow 3 \ CH_3CHO + Cr_2(SO_4)_3 + 7 \ H_2O + K_2SO_4} $


Es handelt sich um Einmaltests mit einem vordefinierten Gasvolumen (Beutel).


Heutige Alcotest Handmessgeräte

Die Weiterentwicklung der „Pusteröhrchen“ führe zu so genannten Vortestgeräten. Diese Handmessgeräte werden heutzutage von der Polizei bei Verkehrskontrollen (im Verdachtsfall) eingesetzt. Hier findet die Messung nicht mehr durch die oben beschriebene Reaktion statt, sondern wird auf elektrochemischem Weg bestimmt. Hierbei ändert sich das Potential zwischen zwei Elektroden entsprechend dem Ethanol-Gehalt. Der Fehler der Messung ist relativ gering (+/- 5 %). Im Gegensatz zu den Pusteröhrchen sind diese Geräte mehrfach benutzbar, allerdings ist eine Kalibrierung nötig.