Silber(II)-fluorid

Silber(II)-fluorid

Strukturformel
Struktur von Silber(II)-fluorid
Allgemeines
Name Silber(II)-fluorid
Andere Namen

Silberdifluorid

Summenformel AgF2
CAS-Nummer 7783-95-1
PubChem 11542804
Kurzbeschreibung

brauner Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 145,87 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

4,57 g·cm−3 (25 °C)[2]

Schmelzpunkt

690 °C[1]

Siedepunkt

Zersetzung bei 700 °C[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
03 – Brandfördernd 05 – Ätzend 06 – Giftig oder sehr giftig

Gefahr

H- und P-Sätze H: 272-301+311+331-314
P: 220-​261-​280-​301+310-​305+351+338-​310Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][2]
Brandfördernd Giftig
Brand-
fördernd
Giftig
(O) (T)
R- und S-Sätze R: 8-14-23/24/25-34
S: 17-26-36/37/39-45
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Silber(II)-fluorid (Summenformel AgF2) ist das einzige bei Zimmertemperatur beständige Silber(II)-Salz. Die stabile Oxidationsstufe des Silbers ist +1, die Bildung von Silber(II)-fluorid ist daher ungewöhnlich.

Gewinnung und Darstellung

AgF2 wird durch die Reaktion von Silber mit elementarem Fluor hergestellt. Bei 200 °C reagiert Silber(I)-fluorid oder Silber(I)-chlorid ebenfalls zu Silber(II)-fluorid. Silber(II)-fluorid ist ein starkes Fluorierungsmittel und lichtempfindlich. Daher muss es in Teflon, passiviertem Metall oder in einem Behältnis aus Quarzglas aufbewahrt werden.

Eigenschaften und Struktur

Reines Silber(II)-fluorid ist ein weißes, kristallines Pulver. In kommerziellen Produkten von dunkler, brauner bis schwarzer Färbung findet man meist ein Fluor-Silber-Verhältnis unterhalb von 2, typischerweise 1,75.[4]

Über den tatsächlichen Oxidationszustand des Silbers im Silber(II)-fluorid gab es lange keine Sicherheit, ob es tatsächlich als AgIIF2 oder in Analogie zum Silber(I,III)-oxid eher als ein Tetrafluoroargentat(III) des Silber(I) AgI[AgIIIF4] zu formulieren sei. Durch Neutronenstreuuntersuchungen wurde erstere Annahme bestätigt, wenngleich bei höheren Temperaturen auch die Tetrafluoroargentat(III)-Struktur auftrat.[5]

Die Verbindung ist bei Raumtemperatur paramagnetisch, unterhalb ihrer Curie-Temperatur von −110 °C jedoch ferromagnetisch.

Silber(II)-fluorid bildet mit Fluoriden die intensiv gefärbten Fluorokomplex-Anionen [AgF3], [AgF4]2- und [AgF6]4-.

Verwendung

Silber(II)-fluorid ist ein sehr starkes Fluorierungs- und Oxidationsmittel:

Silber(II)-fluorid ist kommerziell verfügbar, der Bedarf liegt aber unter 100 kg pro Jahr. Verwendung findet es vor allem in Laboratorien; für die Großindustrie ist es mit rund 1200 US$/kg (1993) zu teuer.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Datenblatt Silber(II)-fluorid bei AlfaAesar, abgerufen am 15. Dezember 2010 (JavaScript erforderlich).
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Datenblatt Silver(II) fluoride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. April 2011.
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. J. T. Wolan, G. B. Hoflund: Surface Characterization Study of AgF and AgF2 Powders Using XPS and ISS, in: Applied Surface Science 1998, 125.
  5. H.-C. Miller, A. Schultz, M. Hargittai: Structure and Bonding in Silver Halides: A Quantum...X=F, Cl, Br, I. In: Journal of the American Chemical Society (2005), 127.
  6. D. Rausch, R. Davis, D. W. Osborne: The Addition of Fluorine to Halogenated Olefins by Means of Metal Fluorides. In: Journal of Organic Chemistry (1962) 28, S. 494–497
  7. A. Zweig, R. G. Fischer, J. Lancaster: New Methods for Selective Monofluorination of Aromatics Using Silver Difluoride. In: Journal of Organic Chemistry (1980), 45.
  8. J. Levec, J. Slivnik, B. Zemva: On the Reaction Between Xenon and Fluorine. In: Journal of Inorganic and Nuclear Chemistry, (1974) Volume 36.