Calclacit

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Calclacit
Chemische Formel

Ca(CH3COO)Cl · 5 H2O[1]

Mineralklasse Salze organischer Verbindungen / Calclacit-Gruppe
10.AA.25 (8. Auflage: IX/A.02) nach Strunz
50.02.04.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch 2/m
Farbe weiß
Strichfarbe weiß
Mohshärte 1
Dichte (g/cm3) 1,5 (1,55 berechnet)
Glanz Seidenglanz
Transparenz durchscheinend
Bruch
Spaltbarkeit
Habitus
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,468 nβ = 1,484 nγ = 1,515
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,047 ; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 80° ; berechnet: 74°
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten leicht löslich in Wasser

Calclacit ist ein extrem seltenes Mineral aus der Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Ca(CH3COO)Cl · 5 H2O[1], ist also chemisch gesehen ein chloridhaltiges Calciumacetat.

Calclacit ist anthropogenen Ursprungs und bildet sich ausschließlich durch den Einfluss von Holz (z.B. in Vitrinen oder Schaukästen) auf säureempfindliche, calciumhaltige Minerale, Fossilien oder archäologische Artefakte. Auf diesen ist es Form weißer Krusten oder faseriger Aggregate zu finden.

Mit einer Mohshärte von 1 gehört Calclacit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Talk mit dem Fingernagel ritzen lassen.

Besondere Eigenschaften

Calclacit ist leicht wasserlöslich und daher nicht beständig. Die hygroskopischen Kristalle können an der Luft bei zu hoher Feuchtigkeit zerfließen.

Bei Calclacit handelt es sich chemisch gesehen um ein Calciumsalz der Essigsäure, mit der chemischen Formel Ca(CH3COO)Cl · 5 H2O. Es ist rein anthropogenen Ursprungs und würde somit heute nicht mehr die Anforderungen der IMA an ein Mineral erfüllen.

Etymologie und Geschichte

Der Name des Minerals ist ein Wortschöpfung aus Calcium und Acetat, den beiden Hauptbestandteilen.

Klassifikation

Calclacit wird seit der Gründung der IMA 1958 offiziell als Mineral anerkannt. Allerdings entspricht es nicht mehr den seit 1998 geltenden Regeln, wonach Material anthropogenen Ursprungs, also durch Menschen entstandene, verursachte, hergestellte oder beeinflusste Stoffe nicht als Mineral akzeptiert wird[2].

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Calclacit zur Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ und dort zur Abteilung der „Salze organischer Säuren“, wo er zusammen mit Abelsonit, Dashkovait, Earlandit, Formicait, Hoganit, Julienit, Kafehydrocyanit, Mellit, Paceit die eigenständige „Mellit-Julienit-Gruppe“ bildet.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Whewellit ebenfalls in die Klasse der „Organischen Verbindungen“ und dort in die Abteilung der „Salze von organischen Säuren“ ein. Hier ist er in der Unterabteilung „Acetate“ zu finden, unter die auch Salze anderer organischer Säuren wie Formiate eingeordnet werden. Hier ist Calclacit das einzige Mineral der Gruppe 10.AA.25.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Formicait in die Klasse der „Organische Minerale“ und dort in die Abteilung „Salze organischer Säuren (Mellitate, Citrate, Cyanate und Acetate)“ ein. Hier ist es der einzige Vertreter einer eigenständigen Reihe (50.02.04).

Bildung und Fundorte

Calclacit ist kein natürlich vorkommendes Mineral. Es bildet sich auf calciumhaltigen Mineralen, die z.B. in Museen in Holzkästen bzw. Holzvitrinen gelagert werden. Holz im Allgemeinen und altes Eichenholz im Besonderen hat die Eigenschaft langsam Essigsäure abzugeben[3]. Diese kann dann über einen langen Zeitraum mit säureempfindlichen, calciumhaltigen Mineralen reagieren und dabei Calclacit bilden. Ein Überblick zu den Reaktionen, die zur Bildung der Essigsäure führen, ist unter Thermisch modifiziertes Holz zu finden.

Neben der Bildung auf calciumhaltigen Mineralien konnte Calclacit auch auf Fossilien und archäologischen Fundstücken wie Keramikscherben nachgewiesen werden.

Kristallstruktur

Calclacit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/a (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 11,51 Å, b = 13,72 Å, c = 6,82 Å und β= 116,7° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle[1].

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 R. van Tassel: On the crystallography of calclacite, Ca(CH3COO)Cl.5H2O, in: Acta Crystallographica, Band 11, Kapitel 10 (Oktober 1958), doi:10.1107/S0365110X58002000
  2. Ernest H. Nickel, Joel D. Grice: THE IMA COMMISSION ON NEW MINERALS AND MINERAL NAMES: PROCEDURES AND GUIDELINES ON MINERAL NOMENCLATURE, 1998, in: The Canadian Mineralogist, Vol. 36, 1998 (englisch, PDF 328 kB; S. 2)
  3. B. Jung, E. Roffael: ''Über die Acidität einheimischer Holzarten, in: European Journal of Wood and Wood Products, Band 60 (2002), S. 154

Literatur

  • Calclacit in: Anthony et al.: Handbook of Mineralogy, 1990, 1, 101 (pdf).

Weblinks

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