Paceit
Andere Namen

IMA 2001-030

Chemische Formel

CaCu(CH3COO)4·6H2O

Mineralklasse organische Verbindungen / Acetate
10.AA.30 (8. Auflage: IX/A.02) nach Strunz
50.02.07.02 nach Dana
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin tetragonal-dipyramidal; 4/m
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) I4/m (Raumgruppen-Nr. 87)
Farbe dunkelblau
Strichfarbe blass-weiß
Mohshärte 1,5
Dichte (g/cm3)
Glanz Glasglanz
Transparenz durchscheinend
Bruch
Spaltbarkeit vollkommen nach {100} und {110}
Habitus
Kristalloptik
Brechungsindex nω = 1,439 nε = 1,482
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,0430 ; zweiachsig positiv
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten löslich in Wasser
Ähnliche Minerale Hoganit

Paceit ist ein extrem seltenes, sekundäres Mineral aus der Mineralklasse der „organischen Verbindungen“. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der Zusammensetzung CaCu(CH3COO)4·6H2O, ist also chemisch gesehen ein Salz der Essigsäure. Paceit bildet sich durch den Einfluss von verrottendem, pflanzlichen Material auf Kupfererze. Bisher wurde nur eine Fundstelle in Australien bekannt.

Paceit entwickelt dunkelblaue Krusten und ist ein vergleichsweise weiches Mineral mit einer Mohshärte von 1,5 und einer blass-blauen Strichfarbe.

Besondere Eigenschaften

Da es sich bei Paceit um ein extrem seltenes Mineral handelt, sind viele seiner physikalischen Kenngrößen noch nicht bestimmt worden. Insbesondere ist zu beachten, dass sich viele Eigenschaften auf synthetisch hergestellte Kristalle beziehen, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung (Kupfergehalt und Kristallwasseranteil) vom natürlichen Mineral unterscheiden. [1]

Wie auch Hoganit gibt Paceit beim Erhitzen stufenweise sein Kristallwasser ab und zersetzt sich bei Temperaturen oberhalb von 400 °C. Allerdings ist auch hier zu berücksichtigen, dass sich die Daten auf synthetische Kristalle mit einer anderen chemischen Zusammensetzung beziehen.[1]

Etymologie und Geschichte

Das Mineral wurde nach dem australischen Mineraliensammler Frank L. Pace (* 1948) benannt, der es als erster in der Perilya Potosi Mine (Broken Hill, New South Wales, Australien) fand. Analysiert und beschrieben wurde es von D. E. Hibbs et al. im Jahre 2002. Noch im selben Jahr wurde es von der International Mineralogical Association (IMA) offiziell als Mineral anerkannt. [2] Typmaterial findet sich im Broken Hill Geocentre in Broken Hill, dem Australian Museum in Sydney und dem Museum of Victoria in Melbourne. [3]

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Paceit zur Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ und dort zur Abteilung der „Salze organischer Säuren“, wo er zusammen mit Abelsonit, Calclacit, Dashkovait, Earlandit, Formicait, Hoganit, Julienit, Kafehydrocyanit, Mellit die sog. Mellit-Julienit-Gruppe bildet.

Die seit 2001 gültige und von der IMA verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet Paceit ebenfalls in die Klasse der „Organischen Verbindungen“ und dort in die Abteilung der „Salze von organischen Säuren“ ein. Hier ist er in der Unterabteilung „Acetate“ zu finden. Hier ist Hoganit das einzige Mineral der Gruppe 10.AA.30.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Formicait in die Klasse der „organische Minerale“ und dort in die Abteilung „Salze organischer Säuren (Mellitate, Citrate, Cyanate und Acetate)“ ein. Hier bildet er mit Hoganit die sog. Hoganitgruppe (50.02.07).

Acetate als natürlich vorkommende Mineralien sind extrem selten, trotzdem Essigsäure in der Natur weit verbreitet ist. Bis zur Anerkennung von Hoganit und Pacecit als Mineral, war Calclacit der einzig bekannte Vertreter dieser Stoffklasse, wobei er anthropogenen Ursprungs ist. [2] Es wurde bis dahin vermutet, dass Calclacit der einziger Vertreter der Acetate bleiben wird und eine rein natürliche Bildung von anderen Acetaten wurde als sehr unwahrscheinlich erachtet. Mit der Anerkennung des Paceit als Mineral durch die IMA ist er das zweite bekannte Acetat-Mineral, dass ohne anthropogenen Einfluss entstanden ist.

Bildung und Fundorte

Für Paceit ist bisher nur die Typlokalität

  • Perilya Potosi Mine (Potosi Mine) in Broken Hill, New South Wales, Australien

bekannt geworden. Hier bildete sich Paceit neben Hoganit im sog. Eiserner Hut der Lagerstätte durch die Reaktion von verwitterten Erzen mit sich zersetzendem, pflanzlichen Material, insbesondere mit verrottendem Laub. Des Weiteren wird die Bildung über zerfallende Holzkonstruktionen in den entsprechenden Bergwerksanlagen diskutiert. Von den Erstbeschreibern wird darauf Wert gelegt, dass der Eintrag der pflanzlichen Zersetzungsprodukte nicht durch den Menschen verursacht wurde. Das Mineral bildete sich nachweislich am Fundort und nicht wie beim Calclacit nachträglich; es ist somit kein Museumsartefakt. [2]

Paceit kommt in assoziiert mit Hoganit, Linarit, Malachit, Azurit, kupferhaltigem Smithsonit, Cerussit, Goethit, Hämatit und Quarz vor.

Kristallstruktur

Hoganit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I4/m (Raumgruppen-Nr. 87) mit den Gitterparametern a = 11,155 Å, und c = 16,236 Å, sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle. Er bildet dunkelblaue Krusten aus. Natürlich vorkommende Einzelkristalle sind bisher nicht bekannt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1  Anthony W. Musumeci, Ray L. Frost, Eric R. Waclawik: A spectroscopic study of the mineral paceite (calcium acetate). In: Spectrochimica Acta Part A: Molecular and Biomolecular Spectroscopy. 67, Nr. 3–4, 2007, S. 649–661, doi:10.1016/j.saa.2006.07.045 (PDF, abgerufen am 14. Oktober 2011). Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Musumeci“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  2. 2,0 2,1 2,2  D. E. Hibbs, U. Kolitsch, P. Leverett, J. L. Sharpe, P. A. Williams: Hoganite and paceite, two new acetate minerals from the Potosi mine, Broken Hill, Australia. In: Mineral Mag. 66, Nr. 3, 2002, S. 459–464, doi:10.1180/0026461026630042 (PDF, abgerufen am 14. Oktober 2011).
  3. Paceite. In: Catalogue of Type Mineral Specimens (CTMS). Abgerufen am 5. September 2011 (PDF).

Literatur

  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 736.
  • John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Paceite. In: Handbook of Mineralogy. Mineralogical Society of America 2001 (PDF; 65,2 kB)

Weblinks

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