Azurit

Azurit

Azurit
Azurite-18535.jpg
Tsumeb Mine, Region Otjikoto, Namibia
Chemische Formel

Cu3(CO3)2(OH)2

Mineralklasse Wasserfreie Carbonate mit fremden Anionen
5.BA.05 (8. Auflage: V/C.01) nach Strunz
16a.02.01.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch $ \ 2/m $ [1]
Farbe tiefblau (Azur)
Strichfarbe blau bis hellblau
Mohshärte 3,5 bis 4
Dichte (g/cm3) 3,8
Glanz Glas- bis Fettglanz
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Bruch muschelig
Spaltbarkeit gut bis vollkommen
Habitus prismatische, stenglige und tafelige Kristalle; nierige bis pulverige Aggregate, Krusten
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,730 ; nβ = 1,758 ; nγ = 1,838 [2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,108 [2] ; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 68° ; berechnet: 64°
Pleochroismus deutlich hellblau-dunkelblau
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten leicht löslich in verd. Salzsäure unter CO2-Abgabe
Ähnliche Minerale Dumortierit, Malachit, Lapislazuli

Azurit, auch Bergblau, Chessylit oder Kupferlasur genannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Carbonate. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu3(CO3)2(OH)2 und findet sich meist in Form kleiner, im Gestein eingebetteter Kristalle mit prismatischem, kurzsäuligem oder tafeligem Habitus, aber auch kugeliger, nieriger oder pulvriger Mineral-Aggregate von tiefblauer Farbe bei blauer bis hellblauer Strichfarbe.

Etymologie und Geschichte

Zur Etymologie des Mineralnamens siehe Hauptartikel Azurblau.

Azurit ist seit mehr als 4500 Jahren bekannt. Die Ägypter der 4. Dynastie verwendeten das pulverisierte Mineral als Augenschminke und für Wandmalereien. Auch in den Wandmalereien der Maya von Bonampak wurde Azurit nachgewiesen.[3]

Azurit erhielt 1824 vom französischen Mineralogen François Beudant den an die Farbe Azur angelehnten Namen.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber immer noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Azurit noch zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Carbonate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit dem ebenfalls namensgebenden Rosasit und den weiteren Mitgliedern Aurichalcit, Brianyoungit, Georgeit, Glaukosphärit, Kolwezit, Loseyit, McGuinnessit, Malachit, Nullaginit, Pokrovskit, Sclarit und Zinkrosasit die „Azurit-Rosasit-Reihe“ bildet.

Seit der vollständigen Überarbeitung der Strunz'schen Mineralsystematik in der 9. Auflage (2001) ist die Mineralklasse der Carbonate (und Verwandte) neu aufgeteilt und die Borate bilden eine eigene Klasse. Der Azurit ist daher jetzt in der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ und dort in der Abteilung der „Carbonate mit weiteren Anionen, ohne H2O“ zu finden. Diese ist allerdings inzwischen präziser unterteilt nach den beteiligten Kationen und das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Cu, Co, Ni, Zn, Mg, Mn“ einsortiert, wo er als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe mit der System-Nr. 5.BA.05 bildet.

In der im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana bilden die Carbonate, Nitrate und Borate wie in der veralteten Strunz'schen Systematik eine gemeinsame Mineralklasse. Der Azurit ist dort allerdings in der Abteilung der „Carbonate mit Hydroxyl oder Halogen und der allgemeinen Formel (AB)3+(XO3)2Zq“ zu finden, wo er als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 16a.2.1 bildet.

Bildung und Fundorte

Azurit mit deutlich sichtbarer Verwitterung nach Malachit (grün)

Azurit ist ein Sekundärmineral, das durch chemische Verwitterung aus Chalkopyrit, anderen Kupfer-sulfiden oder Kupfer-Erzen entstanden ist. Durch Wasseraufnahme wandelt es sich zudem in den grünen Malachit um und ist deshalb oft mit ihm verwachsen zu finden und auch Pseudomorphosen von Malachit nach Azurit sind bekannt. Azurit ist oft auch Bestandteil von Kupferpecherz und tritt je nach Fundorten in Paragenese mit verschiedenen Mineralen wie beispielsweise Antlerit, Brochantit, Calcit, Chrysokoll, Cerussit, Cuprit, Dolomit und Smithsonit auf.

Im Altertum waren Armenien, Zypern und Spanien (Andalusien) Hauptlieferanten für Azurit. Bis zur Mitte des 17. Jh. war Ungarn die wichtigste Azurit-Quelle Europas. Spätere Lieferquellen, bis etwa zum Ende des 19. Jh., waren Chessy bei Lyon, Mechernich in der Eifel und die Gruben bei Alghero auf Sardinien. Mit der Erfindung von „Preußischblau“ am Anfang des 18. Jh. verlor das Mineral in Europa seine Bedeutung als Pigment.

Weltweit konnte Azurit bisher (Stand: 2010) an rund 3900 Fundorten nachgewiesen werden, so unter anderem in verschiedenen Regionen von Afghanistan, Ägypten, Antarktis, Argentinien, Armenien, Australien, Aserbaidschan, Belgien, Bolivien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Deutschland, Dominikanische Republik, Ecuador, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Iran, Irland, Israel, Italien, Jamaika, Japan, Kasachstan, Kirgisistan, Kolumbien, Kambodscha, Kanada, Demokratische Republik Kongo, Kuba, Laos, Luxemburg, Madagaskar, Malaysia, Marokko, Mazedonien, Mexiko, Mikronesien, Mongolei, Namibia, Neukaledonien, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Pakistan, Papua-Neuguinea, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Simbabwe, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Südkorea, Swasiland, Taiwan, Tadschikistan, Tschechien, Tunesien, Türkei, Ungarn, Ukraine, Usbekistan, Vereinigtes Königreich (Großbritannien), Vereinigte Staaten von Amerika (USA).[4]

Kristallstruktur

Azurit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c mit den Gitterparametern a = 5,00 Å; b = 5,85 Å; c = 10,35 Å und β = 92,3° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[5]

Verwendung

Azurit mit Malachit, angeschliffen und poliert
Hauptartikel: Azurblau

Azurit ist ein Kupfererz, das keine große wirtschaftliche Bedeutung hat. Allerdings lässt es sich als Schmuckstein und Farbpigment schon im alten Ägypten nachweisen. Wegen seiner edlen, tiefblauen Farbe und seines hohen Preises fand Azurit besonders in kunstvoll ausgemalten mittelalterlichen Handschriften Verwendung.

Manipulationen und Imitationen

Da Azurit als Schmuckstein zu weich und empfindlich (porös, gute Spaltbarkeit) ist, wird er mit Kunststoff stabilisiert, was nebenbei auch den Glanz erhöht. Auch Rekonstruktionen aus Azurit- und Malachitstaub (Verarbeitungsreste), vor allem um die Verwachsung Azurit-Malachit nachzuahmen, sind bekannt.

Esoterik

In esoterischen Kreisen gilt Azurit als Stein der Erkenntnis und des geistigen Wachstums. Er soll die Konzentrationsfähigkeit und die geistige Aufnahmebereitschaft fördern, einen positiven Einfluss auf das zentrale Nervensystem nehmen, indem er die Leistungsfähigkeit des Gehirns und die Nerventätigkeit erhöht und die Sinneswahrnehmungen anregt. Zudem wird dem Mineral nachgesagt, dass es eine entgiftende Wirkung auf den Organismus ausübe, die Schilddrüsenfunktionen anrege und die Regeneration des Körpers nach Operationen oder Krankheiten unterstütze. Für den Wirkungsbereich in der Esoterik gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Webmineral - Azurite (englisch)
  2. 2,0 2,1 Mindat - Azurite (englisch)
  3. Kremer Pigmente - Azurit (Bergblau, basisches Kupfercarbonat blau, Pigment Blue 30)
  4. Mindat - Localities for Azurite
  5. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 293.

Literatur

  • Petr Korbel, Milan Novak:Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag., Utting am Ammersee 2002, ISBN 3-89555-076-0.
  • Bernhard Bruder:Geschönte Steine. Neue Erde Verlag., Saarbrücken 1998, ISBN 3-89060-025-5.
  • Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. BLV Verlag. München 1989, ISBN 3-405-12488-3.

Weblinks

Commons: Azurit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference