Ganciclovir


Ganciclovir

Strukturformel
Ganciclovir
Allgemeines
Freiname Ganciclovir
Andere Namen

2-[(2-Amino-6-hydroxy-purin-9-yl)-methoxy]- propan-1,3-diol

Summenformel C9H13N5O4
CAS-Nummer 82410-32-0
ATC-Code
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Virostatikum

Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 255,23 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 360
P: 201-​308+313 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2][1]

T
Giftig
R- und S-Sätze R: 46-60-61
S: 36/37/39-45-53
MAK

900 mg·kg−1 (Maus, intravenös)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Ganciclovir ist ein Analogon der Nukleinbase Guanin. Es wird als Virostatikum gegen Herpesviren eingesetzt.

Chemie

Ganciclovir ist strukturell verwandt mit Aciclovir und Penciclovir.

Anwendung

Ganciclovir wird vor allem bei Erkrankungen eingesetzt, die durch das Zytomegalievirus (CMV, synonym humanes Herpesvirus 5 / HHV 5) hervorgerufen werden. Von besonderer Bedeutung sind dabei CMV-Infektionen

  • bei Immunschwäche im Rahmen von Transplantationen oder einer AIDS-Erkrankung, sowie
  • während der Schwangerschaft.

(Details siehe Hauptartikel Zytomegalie).

Ganciclovir wirkt auch bei Keratitis herpetica ("Augenherpes") und kann hier topisch in Form eines Augengels verabreicht werden.

Experimentell wird es auch zur Gentherapie maligner Entartungen verwendet.

Wirkungsweise

Ganciclovir wirkt zwar gegen alle den Menschen befallende Herpesviren, vornehmlich aber gegen das Zytomegalievirus (ZMV) (wird ca. 10-fach stärker in CMV-infizierten Zellen phosphoryliert und somit aktiviert als in gesunden Zellen). In infizierten Zellen wird es durch virale Kinasen zunächst zum Monophosphat, danach durch zelluläre Kinasen zum 5'-Triphosphat phosphoryliert. Besonders in virenbefallenen Zellen wird es zunächst von der zelleigenen Guaninkinase in Ganciclovir-Triphosphat umgewandelt, um als synthetisches Nukleosid-Analogon in die virale DNA eingebaut zu werden, wobei dies zum Kettenabbruch führt, indem die virale Polymerase eine Base nach Einbau des Ganciclovir die Kettenverlängerung abbricht.

Verabreichung und Pharmakokinetik

Da seine orale Bioverfügbarkeit unter 5 % liegt, wird es für gewöhnlich in zwei Einzeldosen von je 5 mg pro kg Körpergewicht in zwölfstündigem Abstand als Infusion verabreicht. Mit einem pH von 11 ist die Lösung stark alkalisch, sodass die Infusion langsam über eine große Vene erfolgen muss. Aus demselben Grund sind auch Fehlinfusionen (in eine Arterie, die Subkutis oder die Muskulatur) zu vermeiden.

Bei Patienten wurden nach einer Infusionsdauer von 60 Minuten mittlere Plasmakonzentrationen von etwa 6 mg/l erzielt. Die Substanz wird hauptsächlich unverändert über die Nieren ausgeschieden, wobei die Eliminationshalbwertszeit bei normaler Nierenfunktion etwa 1,5 bis 3 Stunden beträgt. Eine Dosisanpassung bei eingeschränkter Kreatinin-Clearance muss erfolgen.

Als orale Verarbreichung wird dreimal 1 g täglich mit den Mahlzeiten eingenommen; topische Anwendungen in Gel-Form im Bereich der Augen sind seit 2006 auf dem deutschen Markt.

Unerwünschte Wirkungen

Nachdem Ganciclovir deutlich höhere toxische Eigenschaften als beispielsweise Aciclovir aufweist (es wird in nicht-infizierten Zellen deutlich stärker phosphoryliert=aktiviert als Aciclovir), ist mit hohen Nebenwirkungsraten zu rechnen:

  • bis zu 50 % der Behandelten entwickeln eine Neutropenie mit einer Zellzahl unter 1000 Neutrophilen/µl; [3]
  • etwa 20 % entwickeln eine Thrombozytopenie mit weniger als 50000 Thrombozyten/µl
  • bei 1 bis 10 % der Behandelten kann es zu folgenden Problemen kommen: Anämie, Eosinophilie, Erhöhung der Transaminasen oder der Harnstoff- und Kreatinin-Konzentrationen im Plasma; zentralnervöse Begleiterscheinungen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Halluzinationen, Krämpfe; Symptome im Bereich des Magen-Darm-Trakts (Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö); Hauterscheinungen.

Handelsnamen

Monopräparate

Cymeven (D), Cymevene (A, CH), Virgan (D)

Weblinks

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Datenblatt Ganciclovir bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 3. April 2011.
  2. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  3. Crashkurs Antivirale und Antiparasitäre Therapie; Christoph Wenisch, 2005.