Tizanidin

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Strukturformel
Struktur von Tizanidin
Allgemeines
Name Tizanidin
Andere Namen

4-Chlor-N-(4,5-dihydro-1H-imidazol-2-yl)- 8-thia-7,9-diazabicyclo[4.3.0] nona-2,4,6,9-tetraen-5-amin

Summenformel
  • C9H8ClN5S (Tizanidin)
  • C9H8ClN5S·HCl (Tizanidin·Hydrochlorid)
CAS-Nummer
  • 51322-75-9 (Tizanidin)
  • 64461-82-1 (Tizanidin·Hydrochlorid)
PubChem 5487
ATC-Code

M03BX02

DrugBank APRD00128
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Muskelrelaxantien

Wirkmechanismus

α2-Adrenozeptor-Agonist

Verschreibungspflichtig: ja
Eigenschaften
Molare Masse 253,71 g·mol−1
Schmelzpunkt

221–223 °C[1]

Löslichkeit

> 20 mg/ml in Wasser[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]

Hydrochlorid

07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302-315-319-335
P: 261-​305+351+338 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][2]

Xn
Gesundheits-
schädlich
R- und S-Sätze R: 22-36/37/38
S: 26-36
LD50

600 mg·kg−1 (Ratte p.o.)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Tizanidin (Handelsnamen Sirdalud®, Hersteller: Novartis) ist ein α2-Adrenozeptor-Agonist, welcher zur Gruppe der zentral wirksamen Muskelrelaxantien mit Hauptangriffspunkt im Rückenmark gehört.

Klinische Angaben

Anwendungsgebiete (Indikationen)

Der Arzneistoff wird verwendet zur Behandlung von:

  • schmerzhaften, peripher bedingten Muskelverspannungen. Dazu gehören funktionelle und statisch bedingte Beschwerden der Wirbelsäule wie Thorakal- Lumbal- und Zervikalsyndrome,
  • nach Operationen, beispielsweise wegen Bandscheibenvorfall (Diskushernie) oder degenerativer Erkrankung der Hüftgelenke (Hüftgelenksarthrose).
  • Muskelkrämpfen, die durch Multiple Sklerose, oder Rückenmarksverletzungen entstehen können.

Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)

Die Nebenwirkungen von Tizanidin sind vielfältig und umfassen unter anderem häufig Mundtrockenheit, Müdigkeit, Asthenie (Schwäche, Mattheit), Schwindel, Bradykardien (verlangsamter Puls) und geringfügigen Blutdruckabfall, selten Halluzinationen, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Übelkeit, Magen-Darm-Störungen, Muskelschwäche und vorübergehender Transaminasenanstieg .[4]

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

In vitro Studien von Cytochrom P450 Isoenzymen unter Benutzung von menschlichen Lebermicrosomen deuten darauf hin, dass wahrscheinlich weder Tizanidin noch der Hauptmetabolit den Metabolismus von anderen Wirkstoffen, die von Cytochrom P450 Isoenzymen metabolisiert werden, beeinflussen.

  • Paracetamol: Tizanidin verzögert Tmax von Paracetamol um 16 Minuten. Paracetamol beeinflusste die Pharmakokinetik von Tizanidin nicht.
  • Alkohol: Alkohol erhöhte die AUC von Tizanidin um ungefähr 20 % und ebenfalls seine Cmax um ca. 15 %. Dies wurde mit einer Zunahme an Nebenwirkungen von Tizanidin in Verbindung gebracht. Die ZNS unterdrückenden Effekte von Tizanidin und Alkohol sind additiv.
  • Fluvoxamin: Klinisch signifikante Hypotension (Abnahme des systolischen und des diastolischen Blutdrucks) wurde bei gleichzeitiger Verwendung von Fluvoxamin berichtet nach einmaligen Dosen von 4 mg.[5]
  • Orale Kontrazeptiva: nach den Ergebnissen einer klinischen Studie [6] können orale Kontrazeptiva möglicherweise durch Hemmung von CYP1A2-Isoenzymen die Metabolisierung von Tizanidin herabsetzen und somit zu deutlich erhöhten Plasmaspiegeln beitragen.

Es wird zur Vorsicht geraten bei der gleichzeitigen Verabreichung von Tizanidin mit anderen Inhibitoren von CYP1A2, wie z.B., Antiarrhythmica (Amiodaron, Mexiletin, Propafenon), Cimetidin, Fluorchinolonen (Ciprofloxacin, Norfloxacin), Rofecoxib, oralen Kontrazeptiva und Ticlopidin.[7]

Pharmakologische Eigenschaften

Aufnahme und Verteilung im Körper (Pharmakokinetik)

Nach peroraler Applikation wird Tizanidin rasch resorbiert. Nach ungefähr 1 Stunde wird die maximale Plasma-Konzentration erreicht. Bei durchschnittlich 34 % liegt die absolute Bioverfügbarkeit. Nach intravenöser Anwendung beträgt das mittlere Verteilungsvolumen im steady state 160 Liter. Die Plasmaproteinbindung ist gering und beträgt 30 %.

Der Arzneistoff wird rasch und extensiv durch die Leber verstoffwechselt. Tizanidin wird vorwiegend über das Cytochrom P450-Enzymsystem (CYP 1A2) abgebaut. Die Metaboliten sind inaktiv und werden hauptsächlich (70 %) renal ausgeschieden. Die unveränderte Substanz wird nur in geringen Mengen (ca. 2,7 %) über die Niere ausgeschieden. Die durchschnittliche Plasmahalbwertszeit der unveränderten Substanz liegt bei 2 bis 4 Stunden.[8]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1  Thieme Chemistry (Hrsg.): RÖMPP Online - Version 3.1. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2008.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Datenblatt Tizanidine hydrochloride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 24. April 2011.
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. Fachinformation Sirdalud®, Rote Liste 2008.
  5. Rote-Hand-Brief zu Sirdalud (via archive.org).
  6. Granfors MT, Backman JT, Laitila J, Neuvonen PJ. Oral contraceptives containing ethinyl estradiol and gestodene markedly increase plasma concentrations and effects of tizanidine by inhibiting cytochrome P450 1A2. Clin Pharmacol Ther. 2005 Oct;78(4):400-11, PMID 16198659.
  7. Tizanidine hydrochloride bei DailyMed.
  8. Fachinformation für Sirdalud® im Arzneimittelkompendium der Schweiz® - 22. Mai 2008.


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