Witherit

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Witherit
Witherite-48305.jpg
Witherit aus dem Distrikt Alston Moor (Cumberland), England
Chemische Formel

Ba[CO3]

Mineralklasse Carbonate, Nitrate, Borate - Wasserfreie Carbonate ohne fremde Anionen
5.AB.15 (8. Auflage: V/B.04) nach Strunz
14.01.03.02 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-dipyramidal 2/m 2/m 2/m[1]
Farbe farblos, weiß, grau, gelblich
Strichfarbe weiß
Mohshärte 3 bis 3,5
Dichte (g/cm3) 4,3
Glanz Glasglanz, Fettlanz
Transparenz durchscheinend
Bruch uneben
Spaltbarkeit deutlich nach {110}
Habitus dipyramidale, pseudohexagonale Kristalle ; faserige, traubige, massige Aggregate
Zwillingsbildung nach {110}, überwiegend Drillinge
Kristalloptik
Brechungsindex α=1,529 β=1,676 γ=1,677[2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ=0,148 [2] ; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = 16°[2]
Weitere Eigenschaften
Phasenumwandlungen > 811 °C hexagonal; > 982 °C kubisch
Chemisches Verhalten gut löslich in Salzsäure und Salpetersäure
Besondere Kennzeichen Gesundheitsschädlich, Fluoreszenz

Witherit ist ein selten vorkommendes Bariumcarbonat-Mineral aus der MineralklasseCarbonate und Nitrate“ (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate). Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ba[CO3][3], ist also chemisch gesehen ein Bariumcarbonat.

Witherit entwickelt aufgrund von Zwillingsbildung überwiegend dipyramidale, pseudohexagonale Kristalle, seltener auch faserige, traubige, massige Mineral-Aggregate, die entweder farblos oder durch Verunreinigungen weiß, grau oder gelblich gefärbt sein können.

Besondere Eigenschaften

Hellbläulich fluoreszierender Witherit aus der „Mahoning No. 1 Mine“, Hardin County, Illinois, USA

Je nach Fundort kann Witherit unter Einwirkung von UV-Licht, Röntgen- und Elektronenstrahlen gelegentlich fluoreszieren und/oder phosphoreszieren.[4]

Vor dem Lötrohr schmilzt Witherit leicht und färbt dabei die Flamme gelblichgrün.[5]

Witherit ist nur gering wasserlöslich und nicht hygroskopisch (wasseranziehend). Allerdings ist er gut löslich in Salzsäure und Salpetersäure. In verdünnter Schwefelsäure bildet er dagegen unlösliches Bariumsulfat (Baryt).[6]

Etymologie und Geschichte

Das Mineral wurde erstmals 1784 von William Withering, einem britischen Botaniker und Arzt, als „Terra Ponderosa“ beschrieben.[7] 1790 wurde es von Abraham Gottlob Werner nach Withering Witherit genannt.[8]

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Karl Hugo Strunz gehört der Witherit noch zur gemeinsamen Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Carbonate ohne fremde Anionen“. Das Mineral ist dort in der „Aragonitgruppe“ mit den weiteren Mitgliedern Alstonit, Barytocalcit, Cerussit, Olekminskit, Paralstonit, Strontianit und Aragonit.

Mit der Überarbeitung der Strunz'schen Mineralsystematik in der 9. Auflage wurden einerseits die Borate in eine eigene Klasse ausgelagert und andererseits die nun reduzierte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ präziser nach der Art der beteiligten Kationen weiter unterteilt. Der Witherit findet sich daher jetzt entsprechend in der Unterabteilung „B. Erdalkali- (und andere M2+) Carbonate“, wo er nach wie vor Mitglied der „Aragonitgruppe“ ist, die allerdings nur noch die weiteren Mitglieder Cerussit, Strontianit und Aragonit enthält. Die Minerale Alstonit, Barytocalcit, Olekminskit und Paralstonit wurden in eigene Gruppen innerhalb der Unterabteilung ausgelagert.

Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Aragonit ebenfalls in die Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“, dort allerdings in die Abteilung der „Wasserfreien Carbonate mit einfacher Formel A+CO3“, wo er ebenfalls zusammen mit Cerussit, Strontianit und Aragonit die „Aragonitgruppe (Orthorhombisch: Pmcn)“ bildet.

Bildung und Fundorte

Witherit bildet sich ähnlich wie Strontianit durch hydrothermale Vorgänge niedriger Temperatur in Ganglagerstätten. Begleitminerale sind unter anderem Baryt, Calcit und Fluorit.

Fundorte sind unter anderem South Australia in Australien; Minas Gerais in Brasilien; Chongqing, Hubei, Shaanxi und Sichuan in der Volksrepublik China; Hessen, Niedersachsen und Sachsen in Deutschland; Auvergne in Frankreich; Sardinien in Italien; Honshū in Japan; Nordwest-Territorien, Ontario und Yukon in Kanada; Katanga in der Demokratischen Republik Kongo; Baja California in Mexiko; nördliche Regionen des Kaukasus und Sibirien in Russland; Banská Bystrica, Košice und Žilina in der Slowakei; Limpopo in Südafrika; Mähren in Tschechien; sowie verschiedene Regionen von Großbritannien und den USA.[9]

Kristallstruktur

Witherit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe Pmcn mit den Gitterparametern a = 5,31 Å, b = 8,90 Å und c = 6,43 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3] Es ist isotyp zu Aragonit.

Vorsichtsmaßnahmen

Aufgrund der Freisetzung von Bariumionen in Säuren, und damit auch in Magensäure, besteht bei Witherit vor allem durch versehentliches Verschlucken die Gefahr von gesundheitlichen Schäden. In der Folge kann es zu Muskellähmungen sowie zu Schädigungen von Herz, Zentralnervensystem und Magen-Darm-Kanal kommen. Das Einatmen von Witheritstaub führt zu Reizungen der Atemwege. Eine Aufnahme in den Körper (Inkorporation bzw. Ingestion) sollte daher auf jeden Fall verhindert und die entsprechenden Sicherheitshinweise beim Umgang mit Witherit beachtet werden.[6]

Siehe auch

Literatur

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 120.
  • Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005 ISBN 3-540-23812-3, S. 66.

Weblinks

 Commons: Witherite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
  • Mineralienatlas:Witherit (Wiki)

Einzelnachweise

  1. Webmineral – Witherite (englisch)
  2. 2,0 2,1 2,2 MinDat – Witherite (englisch)
  3. 3,0 3,1  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 288.
  4. John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Witherite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 66,8 kB)
  5.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 575.
  6. 6,0 6,1 Datenblatt Bariumcarbonat bei Carl Roth, abgerufen am 29. November 2012.
  7. William Withering, Richard Kirwan: Experiments and Observations on the Terra Ponderosa. In: Phil. Trans. R. Soc. Lond. 1784, 74, S. 292–311, doi:10.1098/rstl.1784.0024.
  8. Abraham Gottlob Werner: Neuere Beschreibung des Prehnit nebst einiger Bemerkungen über die ihm beygelegten Bennung, so wie auch überhaupt über die Bildung einiger Benennungen natürlicher Körper nach Personen-Namen. In: Bergmännisches Journal. 1790, 3, 1, S. 99–112, (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  9. MinDat – Localities for Witherite

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