Otavit
Otavite-89481.jpg
Weiße bis fast farblose Otavitkristalle aus der Tsumeb Mine, Namibia
Andere Namen
  • Cadmiumspat
Chemische Formel

Cd[CO3][1]

Mineralklasse Carbonate (und Verwandte)
5.AB.05 (8. Auflage: V/B.02) nach Strunz
14.01.01.07 nach Dana
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin ditrigonal-skalenoedrisch; 3 2/m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) R3c (Raumgruppen-Nr. 167)
Farbe Farblos bis Weiß, Gelblichbraun bis Rötlichbraun
Strichfarbe Weiß
Mohshärte 3,5 bis 4
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,96 (synthetisch) ; berechnet: 5,03[3]
Glanz Glasglanz bis Diamantglanz; Perlglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch
Spaltbarkeit vollkommen nach {1011}
Habitus krustige Überzüge; rhomboedrische Kristalle
Häufige Kristallflächen {1011}
Kristalloptik
Brechungsindex nω = 1,830 nε = 1,605[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
 ; einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Besondere Kennzeichen Fluoreszenz

Otavit oder auch Cadmiumspat ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate (und Verwandte)“. Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Cd[CO3][1] ist also chemisch gesehen ein Cadmiumcarbonat, das überwiegend in Form von krustigen Überzügen gefunden wird, selten aber auch rhomboedrische Kristalle bis etwa zwei Millimeter Größe entwickelt.

Reine Otavitkristalle sind farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann Otavit aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine gelblichbraune bis rötlichbraune Farbtönung annehmen. Sichtbare Kristallflächen weisen einen starken Glas- bis Diamantglanz auf, mikrokristalline, krustige Formen dagegen eher einen Perlmuttglanz.

Besondere Eigenschaften

Otavit löst sich ähnlich wie Calcit sehr leicht in Salzsäure und schäumt dabei unter brausendem Geräusch auf. Schwefelwasserstoff erzeugt einen gelben Cadmiumniederschlag und auch vor dem Lötrohr zeigt sich auf Kohle ein charakteristischer Cadmiumbeschlag.

Unter UV-Licht zeigen manche Otavite eine rote Fluoreszenz, ähnlich der von neonfarbenen Textmarkern.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Otavit in der Tsumeb-Mine in Namibia und beschrieben 1906 durch Otto Schneider, der das Mineral nach seinem Fundgebiet, den Otavibergen, benannte.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Otavit zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Carbonate ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Calcit, Gaspéit, Magnesit, Rhodochrosit, Siderit, Smithsonit, Sphärocobaltit und Vaterit die „Calcitgruppe“ bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Otavit in die Klasse der „Carbonate und Nitrate“ (die Borate bilden hier eine eigene Klasse) und dort in die Abteilung der „Carbonate ohne weitere Anionen, ohne H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Erdalkali- (und andere M2+) Carbonate“ zu finden ist, wo es zusammen mit Calcit, Gaspéit, Magnesit, Rhodochrosit, Siderit, Smithsonit und Sphärocobaltit die „Calcitgruppe“ mit der System-Nr. 5.AB.05 bildet.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Otavit wie die veraltete 8. Auflage der Strunz'schen Systematik in die gemeinsame Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Carbonate“. Hier ist er zusammen mit Calcit, Magnesit, Siderit, Rhodochrosit, Sphärocobaltit, Smithsonit und Gaspéit in der „Calcitgruppe (trigonal: R-3c)“ mit der System-Nr. 14.01.01 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien Carbonate mit einfacher Formel A+CO3“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Otavit bildet sich als seltenes Sekundärmineral in der Oxidationszone von hydrothermalen Erz-Lagerstätten. Begleitminerale sind unter anderem Azurit, Calcit, Cerussit, Fluorit, Hemimorphit, Hydrozinkit, Malachit, Olivenit, Pyromorphit, Rosasit und Smithsonit.[3]

Insgesamt konnte Otavit bisher (Stand: 2011) an rund 20 Fundorten nachgewiesen werden, so unter anderem bei Broken Hill in Australien; Duyun in China; Rohdenhaus (Wülfrath) in Deutschland; Lavrio(n) in Griechenland; den Burren in Irland; Arbus und Ozieri in Italien; Hinokage in der japanischen Präfektur Miyazaki; Probistip in Mazedonien; Werchojansk in Russland; Horní Rokytnice (Oberrochlitz) zu Rokytnice nad Jizerou in Tschechien; Legyesbénye in Ungarn; Greenhow (England), Bishopton (Schottland) und Wethel (Wales) im Vereinigten Königreich (Großbritannien); am Huron River (Michigan), bei Sterling Hill (New Jersey) und Bingham (New Mexico) in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sowie Mo Ba in Vietnam.[4]

Kristallstruktur

Otavit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3c (Raumgruppen-Nr. 167) mit den Gitterparametern a = 4,93 Å und c = 16,27 Å sowie 6 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Otto Schneider: Vorläufige Notiz über einige sekundäre Mineralien von Otavi (Deutsoh Süd-West-Afrika), darunter ein neues Cadmium Mineral, in: M. Bauer, E. Koken, Th. Liebisch (Hrsg.): Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie in Verbindung mit dem Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologle und Paläontologie, Stuttgart 1906, S. 388 f. (PDF 343,9 kB)
  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 572.

Weblinks

 Commons: Otavite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
  • Mineralienatlas:Otavit (Wiki)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X.
  2. Webmineral - Otavite (englisch)
  3. 3,0 3,1 3,2 Otavite, in: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 62,7 kB)
  4. Mindat - Otavite (englisch)

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