Natrolith

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Natrolith
Natroliteinde1.jpg
radialstrahliger Natrolith aus Nasik, Maharashtra, Indien
Chemische Formel

Na2[Al2Si3O10] • 2H2O[1]

Mineralklasse Gerüstsilikate (Tektosilikate) - Zeolithgruppe - Faserzeolithe
9.GA.05 (8. Auflage: VIII/J.21) nach Strunz
77.01.05.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-pyramidal $ \ mm2 $
Farbe farblos, weiß, gelb, rot, orange
Strichfarbe weiß
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) 2,2 bis 2,6
Glanz Glasglanz, Seidenglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch muschelig
Spaltbarkeit vollkommen nach {110}, deutlich nach {010}
Habitus lange, prismatische, nadelige bis haarförmige Kristalle, radialstrahlig
Kristalloptik
Brechungsindex α=1,473-1,489 β=1,476-1,491 γ=1,485-1,502
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
Δ=0,012-0,013 ; zweiachsig positiv
Weitere Eigenschaften
Ähnliche Minerale Mesolith, Skolezit
Besondere Kennzeichen schmilzt vor dem Lötrohr

Natrolith ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“, genauer ein Gerüstsilikat aus der Zeolithgruppe. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Na2[Al2Si3O10] • 2H2O[1] und entwickelt vorwiegend lange, prismatische bis nadelige oder haarförmige, radialstrahlige Kristalle, die entweder farblos oder weiß sind. Durch Fremdbeimengungen kann das Mineral auch eine orange-gelbliche oder rötliche Farbe annehmen.

Natrolith ist das natriumreiche Endglied einer kontinuierlichen Mischkristallreihe, welche durch den Austausch von Calcium und Wasser anstelle von Natrium charakterisiert ist. Das calciumreiche Endglied der Reihe (bei gleicher Kristallstruktur) ist Skolezit, Ca(Al2Si3O10) • 3 H2O, während Mesolith intermediärer Zusammensetzung ist (Na2Ca2(Al6Si9O30) • 8 H2O).

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden und beschrieben wurde Natrolith vom Hohentwiel bei Singen im Jahre 1803 durch Martin Heinrich Klaproth [2]. Der Name ist eine Zusammensetzung der griechischen Wörter Natron, und λίθος lithos für „Stein“.

Ein 1887 von Traube beschriebenes und als Laubanit bezeichnetes Mineral stellte sich nach neueren Analysen durch Traube und Brendler sowie durch Strunz als Natrolith heraus, weshalb der Mineralname diskreditiert und als Synonym dem Natrolith zugerechnet wurde.[3]

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Natrolith zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Gonnardit, Mesolith, Paranatrolith, Skolezit, Thomsonit-(Ca) und Thomsonit-(Sr) eine eigenständige Untergruppe bildete, die zur Gruppe der Faserzeolithe innerhalb der Familie der Zeolithe gehörte.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Natrolith ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Zeolithe mit Vierer-Ring Ketten über ein fünftes Si verbunden“ zu finden ist, wo es als Namensgeber die „Natrolithgruppe“ mit der System-Nr. 9.GA.05 und den weiteren Mitgliedern Gonnardit, Mesolith, Paranatrolith und Skolezit bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Natrolith in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier ist er ebenfalls als Namensgeber der Gruppe „Natrolith und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.05 und den weiteren Mitgliedern Tetranatrolith, Paranatrolith, Mesolith, Skolezit, Edingtonit, Gonnardit, Cowlesit, Thomsonit-Ca, Thomsonit-Sr und Nabesit innerhalb der Unterabteilung der „Echten Zeolithe“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Natrolith in einer Quarz-Druse

Natrolith bildet sich hauptsächlich durch hydrothermale Alteration feldspathaltiger Gesteine. Dort kommt Natrolith als Haupt- oder Nebenbestandteil der Grundmasse vor oder bildet idiomorphe Kristalle in Drusen und Klüften.

Fundorte sind neben der Typlokalität am Hohentwiel und dem Kaiserstuhl unter anderem Narssarssuk in Grönland, Teigarhorn in Island, Québec in Kanada, die Halbinsel Kola in der Russischen Föderation, sowie Tálezly und Soutěsky in Tschechien.

Kristallstruktur

Natrolith kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Fdd2 (Raumgruppen-Nr. 43) mit den Gitterparametern a = 18,29 Å; b = 18,64 Å und c = 6,59 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 701.
  2. M. H. Klaproth (1803): Chemische Untersuchung des Natroliths Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin, Neue Schriften Bd. 4, Seiten 243-248
  3. New Mineral Names - Discredited Minerals (englisch, PDF 191,7 kB; S. 3)

Literatur

  • Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-540-23812-3
  • Edition Dörfler: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag, ISBN 3-89555-076-0
  • Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6

Weblinks

 Commons: Natrolite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

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