Mark (Gewicht)


Mark (Gewicht)

Die Mark (mhd. marc, march, marke) ist ursprünglich eine schon germanische Masseeinheit, die ab dem 11. Jahrhundert das Pfund als Edelmetall- und Münzgewicht verdrängte. Das Verhältnis der Münz-Mark zum Handelspfund beträgt traditionell 1:2. Jedoch liegt zum Beispiel die Ratio der Kölner Mark zum karolingischen Pfund bei 576:1000.

Wortherkunft

Das etymologische Wörterbuch von Kluge führt das Wort auf germanisch marka- „Gewichts- und Werteinheit“, ursprünglich „Teilung, Geteiltes“ zurück; dasjenige von Pfeifer nennt althochdeutsch marc „Abgrenzung, Zeichen“ als Ausgangswort und vermutet, dass somit marc zuerst die Prägung meinte und erst sekundär den Barren bzw. zuletzt die hieraus gefertigten Münzen bezeichnete.[1] Nach einem Handelslexikon von 1848 soll der Begriff Gewichtsmark daher kommen, „weil das Metallstück, dessen man sich zum Wägen bediente, mit einem Zeichen oder einer Marke versehen war“.

Kölner Mark

Bis ins Mittelalter bestanden noch viele, regional verschiedene Varianten der Mark. Insbesondere die Kölner Mark (umgerechnet etwa 234 Gramm) erlangte für das Münzwesen große Bedeutung. Die Kurfürsten von Trier, Köln, Mainz und der Pfalz gründeten 1386 den ersten rheinischen Münzverein, nach dessen Festlegungen der rheinische Goldgulden geprägt wurde. Nach dem vom rheinischen Münzverein festgelegten Münzfuß wurden aus einer Kölner Mark 66 Goldmünzen geprägt. Vorbild war der seit 1252 geprägte Florin.

Die Kölner Mark gab es schon im 11. Jahrhundert, damals noch im Schatten des karolingischen Silberpfundes. Der Ablösungszeitpunkt des karolingischen Münzpfundes durch die Mark als neues Münzgewicht lässt sich nicht eindeutig datieren. Vermutlich erfolgte die Ablösung im Rheinland nach einer längeren Übergangsperiode. Siehe auch: Schilling

Als Anfang des 16. Jahrhunderts neue Silbervorkommen erschlossen wurden, bildete die Kölner Mark die Grundlage für den Taler. Dazu wurde die Wertgleichheit des Silbertalers mit dem in ganz Europa verbreiteten Golddukat festgelegt. Auf dem Esslinger Reichstag von 1524 wurde die Mark offiziell im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation als verbindliches Münzgewicht eingeführt.

Sämtliche Taler, Gulden, Dukaten und Kleinmünzen wurde dann fortan im gesetzlichen Sprachgebrauch – aus Gründen der damaligen Rechengewohnheiten, die das Dezimalsystem noch nicht kannte – mit der Mark als Zählmaß verglichen. Beispielsweise nach dem Muster:

Acht Taler sind eine rauhe, das heißt eine mit Kupfer beilegierte Mark oder
neun Taler sind eine feine, also eine reine (16-lötige) Edelmetall-Mark.

Die 1524 festgelegte Mark hatte zeitlich und regional geringe bis größere Gewichtsunterschiede, sodass beispielsweise die Kölner, die Nürnberger Mark oder gar die Pariser Mark nicht gleichgewichtig waren. Diese Unterschiede wurden erst im 19. Jahrhundert in Deutschland vertraglich behoben. Der Verschlechterung der Geldqualität seit der Kipper- und Wipperzeit trat Friedrich II. von Preußen entgegen. Unter seiner Herrschaft wurden verpflichtend aus einer Kölner Mark 14 preußische Taler geprägt (Graumannscher Münzfuß, benannt nach dem preußischen Münzdirektor J. P. Graumann), übernommen von vielen norddeutschen Staaten. Maria Theresia zog nach und stellte einen ebenfalls auf der Kölner Mark basierenden Münzfuß auf, Grundlage des Konventionstalers, den viele süddeutsche Staaten übernahmen. Im Dresdner Münzvertrag von 1838 wurden dann in allen Ländern des Zollvereins Münzen auf Grundlage der „preußischen Kölner Mark“, der sogenannten Vereinsmark verbindlich.

Das Ende der Kölner Mark kam mit dem Wiener Münzvertrag, der das Zollpfund von 500 Gramm von Nord bis Süd etablierte.

Regionale Ausprägungen der Mark

Abweichungen einiger regionaler Werte der Mark vom heutigen, arbiträren, sieben-glatten Wert der Kölner Mark zu genau 234,1011456 Gramm.

Gewicht in
Karlspfund
Name Ref. Wert in g Wert einer CM Abweichung
0,6048 Holländische Mark  [2]   246,0839   234,3656 g + 0,1130 %
0,5760 Cölnische Mark in Bayern  [3]   233,950   233,950 g 0,0646 %
0,5760 Cölnische Mark in Wien  [3]   233,890   233,890 g 0,0902 %
0,6912 Wiener Mark  [4]   280,668   233,870 g[2] 0,0987 %
0,5760 Cölnische Mark in Preußen  [5]   233,8555   233,8555 g 0,1049 %
0,5760 Cölnische Mark in Hamburg  [3]   233,85489   233,85489 g 0,1052 %
0,5760 Cölnische Mark in Köln  [5]   233,8123   233,8123 g 0,1234 %

Unterteilungen der Mark

Für Gold

  Einheit     Goldmark Goldkarat Goldgran Korngran 7-glatter Wert
  Goldmark 1 24 288 4608   234,101 1456 g  
  Goldkarat 1 / 24 1 12 192   9,754 2144 g  
  Goldgran 1 / 288 1 / 12 1 16   0,812 8512 g  
  Korngran 1 / 4608 1 / 192 1 / 16 1   0,050 8032 g  

Die Goldmark wiegt 24 Goldkarat gleich 288 Goldgrän. Sie wiegt also auch 4608 Korngrän.
Ein Goldgran entspricht genau dem 500. Teil eines karolingischen Pfundes.
Das Goldkarat und das ordinäre Karat – gleich vier Korngrän – unterhalten die Ratio 1:48.

Für Silber und seine Kupferbeilegierungen

Für Silber und seine Kupferbeilegierungen, also auch für das gebräuchliche Geld, galten folgende Werte. Unzen wurden nicht geprägt. Das geprägte Loth hieß Batzen, so wie das geprägte Quentchen, auch Drachme genannt, der Kreuzer war. Richtpfennige wurden nie ausgeprägt.

  Einheit    Mark Unze Loth Quentchen Pfennig Heller Korngran Richtpfennig 7-glatter Wert  
  Silbermark 1 8 16 64 256 512 4608 65 536   234,101 1456 g  
  Unze 1 / 8 1 2 8 32 64 576 8192   29,262 6432 g  
  Loth 1 / 16 1 / 2 1 4 16 32 288 4096   14,631 3216 g  
  Quentchen 1 / 64 1 / 8 1 / 4 1 4 8 72 1024   3,657 8304 g  
  Silberpfennig  1 / 256 1 / 32 1 / 16 1 / 4 1 2 18 256   0,914 4576 g  
  Heller 1 / 512 1 / 64 1 / 32 1 / 8 1 / 2 1 9 128   0,457 2288 g  
  Korngran    1 / 4608 1 / 576 1 / 288 1 / 72 1 / 18 1 / 9 1 128 / 9   50,8032 mg  
  Richtpfennig    1 / 65 536 1 / 8192 1 / 4096 1 / 1024 1 / 256 1 / 128 9 / 128 1   3,5721 mg  

Eine Silbermark ist gleich 8 Unzen = 16 Loth = 64 Quentchen = 256 Pfennig = 512 Heller = 4608 Korngän und gleich 65 536 Richtpfennig.

Verschiedene Markgewichte

  Name des Gewichts   
empirisches
Gewicht
Ratio zur
    Kölner Mark    
  Direkte Herleitung des Gewichts
  Wiener Mark   280,668 g [4]  
12:10
   =  
6912
 Zehntausendstel Karlspfund
  Prager Mark   253,17 g [6] 
625:576
   =  
6250
 Zehntausendstel Karlspfund *
  Holländische Mark   246,0839 g [2] 
21:20
   =  
6048
 Zehntausendstel Karlspfund **  
  Pariser Mark   244,7529 g [7] 
392: 375
   =  
1:2
 französisches Pfund
  Würzburger Mark   238,62 g [8] 
50: 49
 
  Nürnberger Mark   237,52 g [8] 
64: 63
 
  Erfurter Mark   235,40 g  
225: 224
 
  Preußische Mark   233,8555 g [2] 
1:1
     (Variante der Kölner Mark)
  Kölner Mark   233,8123 g [2] 
1:1
   =  
5760
 Zehntausendstel Karlspfund    
  Towermark   233,2761 g [9] 
3 125: 3 136
   =  
2: 3
 Towerpfund
  Spanische Mark   230,348 g [8] 
63: 64
   =  
5670
 Zehntausendstel Karlspfund
  Portugiesische Mark   229,5 g [8] 
49: 50
 
  Krakauer Mark   197,98 g [8] 
160: 189
 

*  In der Praxis mit einem Gewichtskomma von 3125: 3136. Daher wiegt die theoretische Prager Mark genau 253,125 g. Der empirische Wert von 253,17 g liegt nur 0,018 % darüber.

**  Die Kölner Mark ist von einem recht leichten Karlspfund zu ca. 405,924 g abgeleitet, die holländische Mark hingegen von einem recht schweren Karlspfund zu etwa 406,885 g. Daher wurde die eigentliche Ratio der holländischen Mark gegenüber der Kölner Mark in der Neuzeit oft nicht mehr korrekt erkannt und dann nicht selten mit 20:19 angegeben. Ableitungen mit solch großen Primzahlen wie 13, 17 oder 19 kamen bei den – auf hochzusammengesetzte Zahlen hin orientierten – alten Maßen und Gewichten aber erwiesenermaßen gar nicht vor.

Literatur

  • Renate Kingma, Gerd Werner, Frank Kliemt (Illustrationen): Münzen und Geld. Tessloff, Hamburg 1985, ISBN 3-7886-0418-2 (Was ist was 78).
  • Franziska Jungmann-Stadler, Udo Kruse-Schulz (Illustrator): Geld. Von der Kauri-Schnecke zur Kreditkarte. Neuauflage. Tessloff, Hamburg 2002, ISBN 3-7886-0418-2 (Was ist was. 78).
  • Verein Gelehrter und praktischer Kaufleute: Allgemeines Handels-Lexicon oder Encyclopädie der gesammten Handelswissenschaften für Kaufleute und Fabrikanten. 5 Bände. Ernst Schäfer, Leipzig 1847–1848.
  • Mark und As. In: Meyers Konversations-Lexikon 1905 auf zeno.org
  • Marck, Marc, Lat. Marca. In: Zedlers Universal-Lexicon. Band 19, Leipzig 1739, Spalte 1254.

Einzelnachweise

  1. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage bearbeitet von Elmar Seebold, Berlin 2011; Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer. 1. Auflage Berlin 1989, seither mehrmals erneut aufgelegt.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Meyers Konversationslexikon, 1892  Stichwort: As Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „As.Meyers.1892“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  3. 3,0 3,1 3,2 Mark. In: Meyers Konversations-Lexikon 1892. 11. Band, Seite 605
  4. 4,0 4,1 Gesetz vom 2. August 1892, womit die Kronenwährung festgestellt wird, Artikel XXII. (RGBl. 126/1892). (Nach Meyers Konversationslexikon aus demselben Jahr hatte die Wiener Mark nur 280,644 Gramm.)
  5. 5,0 5,1 As. In: Meyers Konversations-Lexikon 1905 auf zeno.org
  6. dejiny.nln.cz  Prager Mark (Pražská hřivna) = 253,17 g.
  7. Französisches Industrieministerium:  2.4 Die definitiven Standards    Sinngemäß:  „Ein Kilogramm wiegt 18 827,15 Grän des Markgewichts.“  (Das alte Pfund hatte 9216 Grän.)
    Daher ein französisches Pfund zu (9216 ÷ 18,82715 =) etwa 489,5058466 Gramm, sowie eine Pariser Mark zu (489,5058 ÷ 2 =) ca. 244,7529 Gramm.
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 muenzen-lexikon.de
  9. Das Towerpfund hat 5400 Grain. Das englische Grain hat laut NIST (National Institute of Standards and Technology), U.S.A. die Masse von 0,06479891 Gramm.
    Somit wiegt die Towermark (3600 × 0,06479891 =) genau 233,276076 Gramm.