Inkretinmimetika


Inkretinmimetika

Inkretinmimetika sind Arzneistoffe zur Behandlung des Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), welche die Wirkung der körpereigenen Hormone Glukoseabhängiges insulinotropes Peptid (GIP) und Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1) nachahmen, deren blutzuckersenkenden Eigenschaften zusammenfassend als Inkretin-Effekt bezeichnet werden.

Zur klinischen Wirksamkeit der Inkretinmimetika wurden 2011 zwei Metaanalysen aus insgesamt 21 randomisierten Vergleichsstudien mit einer Laufzeit von mindestens 20 Wochen zur Frage der Glucose- und Gewichtsreduktion veröffentlicht (Vilsbøll et al., 71. Jahrestagung der American Dietetic Association, 2011). Im Vergleich zu anderen Antidiabetika reduzierten die untersuchten GLP-1-Rezeptor-Agonisten Exenatid und Liraglutid den HbA1c-Wert im Mittel um 0,66 Prozent, die Gewichtsreduktion lag im Mittel bei 2,9 Kilogramm. Eine höhere Dosis Liraglutid führte zu einer stärkeren Gewichtsreduktion als die niedrige Dosis. Kein Unterschied zeigte sich zwischen der täglichen und der einmal wöchentlichen Gabe von Exenatid. Als Nebeneffekte zeigten sich eine leichte Blutdrucksenkung und eine Senkung des Gesamtcholesterins. Die wesentlichen Nebenwirkungen waren Übelkeit, Durchfall und Erbrechen.[1] Es liegen noch keine Daten dazu vor, ob Inkretinmimetika Folgeerkrankungen des Diabetes wie Amputationen, Erblindung und Nierenversagen verhindern können.

Eine weitere Klasse von Arzneistoffen, deren Wirkung ebenfalls auf dem Inkretin-Effekt beruht, sind die Inhibitoren der Dipeptidylpeptidase 4, die ein Enzym hemmen, durch das GLP-1 nach seiner Freisetzung abgebaut wird.

Arzneistoffe

  • Exenatid: Das synthetisch hergestellte Polypeptid Exenatid, das der natürlicherweise im Speichel der Gila-Krustenechse vorkommenden Substanz Exendin-4 entspricht und in Struktur und Wirkung dem GLP-1 ähnelt, ist das erste auf dem Arzneimittelmarkt erhältliche Inkretinmimetikum. Es stellt damit die Leitsubstanz dieser neuen Wirkstoffklasse dar. Exenatid erhielt im April 2005 die Zulassung der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) für die Anwendung in Kombination mit Metformin oder Glitazonen.
  • Liraglutid: Im Juli 2009 wurde von der Europäischen Arzneimittelagentur das von Novo Nordisk entwickelte Liraglutid (Handelsname Victoza®) zugelassen, bei dem es sich um ein Analogon des menschlichen GLP-1 handelt, dessen Wirkdauer auf 24 Stunden verlängert wurde.
  • Taspoglutid: Das von Roche entwickelte GLP1-Analogon befand sich Ende 2009 in den Phase-III-Studien, die Markteinführung wurde für 2011 oder 2012 erwartet. Im September 2010 gab Roche bekannt, dass alle Studien mit Taspoglutid abgebrochen wurden. Grund hierfür waren teils schwere allergische Reaktion sowie häufige Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt, hauptsächlich Übelkeit und Erbrechen.[2]
  • Pseudin-2: Als ein weiterer möglicher Wirkstoff wurde das aus dem Hautsekret des Frosches Pseudis paradoxa isolierte Pseudin-2 identifiziert.

Einzelnachweise

  1. Metaanalysen zu GLP-1-Mimetika, B. Wilms, Congress-Report Dezember 2011, S. 21f.
  2. medpageTODAY, Medical News, Roche Halts Trials of Taspoglutide, 13.September 2010, abgerufen am 10.Oktober 2010

Literatur


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