Valnoctamid

Strukturformel
Valnoctamide-4 Stereoisomers.png
(2R,3R)-Isomer (oben, links), (2S,3S)-Isomer (oben, rechts), (2S,3R)-Isomer (unten, links) und (2R,3S)-Isomer (unten, rechts)
Allgemeines
Freiname Valnoctamid
Andere Namen
  • 2-Ethyl-3-methylpentanamid
  • 2-Ethyl-3-methylvaleramid
Summenformel C8H17NO
CAS-Nummer
  • 4171-13-5 (Stereoisomerengemisch)
  • 189189-74-0 [(2R,3R)-Isomer]
  • 189189-75-1 [(2S,3S)-Isomer]
  • 189189-73-9 [(2S,3R)-Isomer]
  • 189189-76-2 [(2R,3S)-Isomer]
PubChem 20140
ATC-Code

N05CM13

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Hypnotikum, Sedativum

Eigenschaften
Molare Masse 143,23 g·mol−1
Schmelzpunkt

113,5–114 °C (Stereoisomerengemisch)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][2]

Xn
Gesundheits-
schädlich
R- und S-Sätze R: 22
S: keine S-Sätze
LD50
  • 760 mg·kg−1 (Ratte p.o.) [4]
  • 540 mg·kg−1 (Maus i.p.) [4]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Valnoctamid ist ein Arzneistoff, der in Frankreich seit 1964 als Schlafmittel und Sedativum in Gebrauch ist.[5] Es handelt sich dabei um ein Strukturisomer von Valpromid, einer Prodrug-Vorstufe der Valproinsäure. Im Gegensatz zu Valpromid wird Valnoctamid jedoch im Körper nicht in die entsprechende Carbonsäure umgewandelt.[6]

Einsatzgebiete

Neben seiner Wirkung als Sedativum wurde Valnoctamid seit 1969 als Mittel gegen Epilepsie untersucht.[7] Untersuchungen in dieser Richtung wurden auch 2000 und 2003 noch fortgesetzt.[8]

Als Mittel gegen neuropathische Schmerzen wurde es 2005 von Winkler et al. mit ermutigenden Resultaten untersucht: Es zeigte nur minimale Wirkungen auf die Koordination und die Aufmerksamkeit bei effektiven Dosen und schien ebenso wirksam wie Gabapentin zu sein.[9]

R. H. Belmaker, Yuly Bersudsky und Alex Mishory begannen eine klinische Studie über Valnoctamid als Ersatzmedikation für die sehr viel stärker teratogen wirkende Valproinsäure und ihre Salze zur Prophylaxe von Manie.[10]

Nebenwirkungen

Die bekannten Nebenwirkungen von Valnoctamid sind überwiegend vernachlässigbar und bestehen in Somnolenz[11] und leichten Koordinationsstörungen.

Gegenanzeigen

Valnoctamid erhöht die Serumkonzentration von Carbamazepin-10,11-epoxid, dem aktiven Metaboliten von Carbamazepin, manchmal bis zu einem toxischen Niveau, weil es die Epoxidhydrolase hemmt.[12]

Chemie

Valnoctamid ist ein chiraler Arzneistoff, der wegen seiner zwei stereogenen Zentren (in 2- und 3-Position) vier Stereoisomere aufweist: Die (2R,3R)-Form und die dazu enantiomere (2S,3S)-Form sowie das (2S,3R)-Isomer und das (2R,3S)-Isomer. Als Arzneistoff wird das Gemisch der vier Stereoisomere eingesetzt. Jedes der Stereoisomere ist im Tiermodell gegen Epilepsie wirksamer als Valproinsäure, und eines davon – (2S,3S)-Valnoctamid – wurde im August 2003 von Isoherranen et al. als guter Kandidat für ein Antikonvulsivum beschrieben.[13]

Einzelnachweise

  1. The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 1704, ISBN 978-0-911910-00-1.
  2. 2,0 2,1 2,2 Datenblatt Valnoctamide bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 25. April 2011.
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. 4,0 4,1 Valnoctamid bei ChemIDplus.
  5. F. M. Harl: Clinical Study Of Valnoctamide On 70 Neuropsychiatric Clinic Patients Undergoing Ambulatory Treatment, La Presse Médicale 72, 753–4, 1964, PMID 14119722.
  6. Abdullah Haj-Yehia, Meir Bialer: Structure-pharmacokinetic relationships in a series of valpromide derivatives with antiepileptic activity, Pharmaceutical Research 6, 683–9, 1989, PMID 2510141, doi:10.1023/A:1015934321764.
  7. S. Mattos Nda: Use of Valnoctamide (nirvanil) in oligophrenic erethics and epileptics., Hospital (Rio J) 75, 1701–4, 1969, PMID 5306499.
  8. Hilde Lindekens, Ilse Smolders, Ghous M. Khan, Meir Bialer, Guy Ebinger, Yvette Michotte: In vivo study of the effect of valpromide and valnoctamide in the pilocarpine rat model of focal epilepsy, Pharmaceutical Research 17, 1408–13, 2000, PMID 11205735, doi:10.1023/A:1007559208599.
  9. Ilan Winkler, Simcha Blotnik, Jakob Shimshoni, Boris Yagen, Marshall Devor, Meir Bialer: Efficacy of antiepileptic isomers of valproic acid and valpromide in a rat model of neuropathic pain, British Journal of Pharmacology 146, 198, 2005, PMID 15997234, doi:10.1038/sj.bjp.0706310.
  10. R. H Belmaker, Yuly Bersudsky, Alex Mishory: Valnoctamide in Mania, Beersheva Mental Health Center, 2005.
  11. VALNOCTAMIDE Biam.
  12. F. Pisani, A. Fazio, C. Artesi, G. Oteri, E. Spina, T. Tomson, E. Perucca: Impairment of carbamazepine-10,11-epoxide elimination by valnoctamide, a valpromide isomer, in healthy subjects., British Journal of Clinical Pharmacology 34, 85-7, 1992, PMID 1352988.
  13. Nina Isoherranen, H. Steve White, Brian D. Klein, Michael Roeder, José H. Woodhead, Volker Schurig, Boris Yagen, Meir Bialer: Pharmacokinetic-pharmacodynamic relationships of (2S,3S)-valnoctamide and its stereoisomer (2R,3S)-valnoctamide in rodent models of epilepsy, Pharmaceutical Research 8, 1293–1301, 2003, PMID 12948028, doi:10.1023/A:1025069519218.
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