Sommer-Bohnenkraut

Sommer-Bohnenkraut
Satureja hortensis.jpg

Sommer-Bohnenkraut (Satureja hortensis)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Gattung: Bohnenkräuter (Satureja)
Art: Sommer-Bohnenkraut
Wissenschaftlicher Name
Satureja hortensis
L.

Das Sommer-Bohnenkraut (Satureja hortensis), auch Gartenbohnenkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Die Pflanzen sind weit verbreitete Gewürzkräuter.

Beschreibung

Das Sommer-Bohnenkraut ist eine oft stark verzweigte, einjährige, krautige Pflanze mit einer starken Hauptwurzel. Die vierkantigen, in den unteren Partien verholzenden Stängel erreichen Längen von bis zu 25 Zentimeter, bei Sorten bis zu 60 Zentimeter. Die Laubblätter sind ungestielt, linealisch bis lanzettlich, spitz zulaufend, ganzrandig und dunkelgrün, gelegentlich violett überhaucht und schwach behaart, sie besitzen Öldrüsen.

Die Blütezeit reicht von Juli bis Oktober. Die Blütenstände sind einseitswendige Scheinähren oder Scheinwirtel aus meist fünf Blüten. Die zwittrigen, zygomorphen Blüten sind fünfzählig. Der Kelch ist gleichmäßig fünfzähnig. Die fünf weißen, blassrosa oder lila Kronblätter sind zu einer Krone verwachsen, die einen rot punktierten Schlund aufweist. Die Krone besteht aus einer einfachen und fast flachen Oberlippe und einer dreigelappten Unterlippe mit vergrößertem Mittellappen. Die vier Staubblätter sind in der Krone eingeschlossen, die beiden oberen sind kürzer als die seitlichen.

Die Samen sind dunkelbraun, rundlich bis eiförmig und erreichen eine Länge von 1 bis 1,5 Millimeter, das Tausendkorngewicht beträgt 0,5 bis 0,8 Gramm.

Verbreitung

Sommer-Bohnenkraut stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeergebiet und den Anrainerländern des Schwarzen Meers.

Inhaltsstoffe

Sommer-Bohnenkraut enthält 0,3 bis 1,7 % ätherisches Öl, bei speziellen Züchtungen 4 bis 5 % (jeweils in der Droge). Dieses Öl besteht zu 40 % aus Carvacrol, zu 20 % aus p-Cymol und darüber hinaus aus Thymol, Phenolen, Dipenten. Neben dem ätherischen Öl finden sich noch 4 bis 8 % Gerbstoffe, Schleim, Bitterstoffe, β-Sitosterol und Ursolsäure.

Getrocknete Blätter.

Verwendung

Verwendung in der Küche

Vor allem findet es Gebrauch zum Würzen von Bohnengerichten, es ist sowohl frisch wie auch getrocknet verwendbar. Es ist im Bulgarischen Raum Bestandteil der als Tschubritza bezeichneten Würzmittel.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Sommer-Bohnenkraut findet Verwendung als Heilkraut. Als Tee wird es eingesetzt zur Förderung der Verdauung, als Appetitanreger und gegen Blähungen, aber auch gegen Husten und bei Bronchialerkrankungen. Bei Durchfällen, die mit Gärungserscheinungen einhergehen, soll sich nach Pahlow recht schnell eine Besserung einstellen.[1] Wood hält das Sommerbohnenkraut für eine nährende und stimulierende Pflanze, die bei einer Schwäche des endokrinen und sympathischen Nervensystems eingesetzt werden kann.

Anbau

1995 wurden in Deutschland 81 Hektar Sommer-Bohnenkraut angebaut. Andere wichtige Herstellerländer waren 2001 Russland, die Türkei, Afghanistan, Indien, Sri Lanka und Südafrika. Zwar ist Sommer-Bohnenkraut relativ anspruchslos an seinen Standort, schätzt aber warme und lockere, nährstoffreiche Böden und ist frostempfindlich. Die Blattbildung läßt sich durch Zurückschneiden vor dem Blühen auf ca. 10 cm stark fördern.

1999 waren sechs Sorten im Handel. Zuchtziel sind möglichst hohe Krauterträge (Blattanteil >35 %) und hohe Anteile an ätherischem Öl.

Vermehrung

Die Vermehrung der Pflanze erfolgt durch Samen die im April bis Mitte Juni, max. 0,5 cm mit Erde bedeckt, gesät werden. Das Bohnenkraut zählt zu den Lichtkeimern, die Keimdauer beträgt ca. 2 - 3 Wochen. Anschließend müssen die Sämlinge vereinzelt werden, denn wenn die Pflanzen zu eng stehen werden viele holzige Stengel und wenig Blätter gebildet. Ideal ist ein Abstand von mindestens 15 bis 30 cm. Bevorzugt sollte ein sonniger und windgeschützer Standort für die Vermehrung und den Anbau verwendet werden.

Ernte

Der beste Erntezeitpunkt ist kurz vor und während der Blüte. Die gesammelten Kräuter werden getrocknet und nach dem Trocknen werden die Blätter abgestreift, bei professioneller Herstellung mit einer Rebelmaschine.

Geschichte

Bohnenkraut ist in Mitteleuropa seit der Römerzeit belegt. Verkohlte Samen wurden zum Beispiel im Kastell Valkenburg gefunden[2]. Auch im Mittelalter wurde es in Mitteleuropa angebaut.

Nachweise

  • K. U. Heyland, H. Hanus, E. R. Keller: Ölfrüchte, Faserpflanzen, Arzneipflanzen und Sonderkulturen In: Handbuch des Pflanzenbaues, Bd. 4, S. 355-359, 2006.
  • Erich Götz: Pflanzen bestimmen mit dem Computer. 2001, ISBN 3-8252-8168-X
  • M. Wood: Earthwise Herbal, 2008, ISBN 978-1-55643-692-5
  • M. Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen, ISBN 3-8289-1839-5

Einzelnachweise

  1. http://www.wdr.de/tv/quarks/global/pdf/apotheke.pdf
  2. PALS, J. P., V. BEEMSTER, and A. NOORDAM, 1989: Plant remains from the Roman castellum Praetorium Agrippinae near Valkenburg (prov. of Zuid-Holland). In: U. Körber-Grohne und H. Küster (Hrsg.), Archäobotanik. Dissertationes Botanicae 133, 117-133

Weblinks

 Commons: Sommer-Bohnenkraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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