Saléeit

Saléeit
Saleeite-176746.jpg
Gelber Saléeit auf Limonit. Ranger Mine, Jabiru, Kakadu-Nationalpark, Northern Territory, Australien
Chemische Formel

Mg(UO2)2(PO4)2•10H2O

Mineralklasse Phosphate, Arsenate und Vanadate
8.EB.05 (8. Auflage: VII/E.01) nach Strunz
40.02a.11.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch $ \ 2/m $
Farbe zitronengelb, gelbgrün bis olivgrün
Strichfarbe gelbweiß
Mohshärte 2 bis 3
Dichte (g/cm3) 3,27
Glanz Diamantglanz, Wachsglanz
Transparenz durchsichtig bis opak
Bruch
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, perfekt nach {010}, {110}
Habitus pseudotetragonal tafelig, plattig, planar quadratisch
Häufige Kristallflächen {001}, {100}, {120}, {012}
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,554 bis 1,559 ; nβ = 1,570 bis 1,582 ; nγ = 1,571 bis 1,585
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,027 ; zweiachsig negativ, 2V = 0° bis 61°
Pleochroismus farblos – blass grüngelb
Weitere Eigenschaften
Radioaktivität sehr stark

Saléeit ist ein Mineral aus der Autunitgruppe in der Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und hat die chemische Zusammensetzung Mg[UO2PO4]2•10H2O.

Die pseudotetragonalen Kristalle sind meist flach tafelig und ihre Form wird von der Basisfläche {001} dominiert. Saléeit ist zitronengelb, gelbgrün bis olivgrün durchsichtig bis undurchsichtig mit Wachsglanz. Die Strichfarbe ist gelbweiß. Die Dichte beträgt 3,27 g/cm3 und die Mohshärte liegt zwischen 2 und 3.

Besondere Eigenschaften

Das Mineral ist durch seinen Urangehalt von bis zu 51 Gew-% als sehr stark radioaktiv eingestuft und weist eine spezifische Aktivität von etwa 91,2 kBq/g [1] auf (zum Vergleich: natürliches Kalium 31,2 Bq/g).

Ebenso wie bei den strukturell verwandten Mineralen Torbernit und Zeunerit kann der Wassergehalt variieren und Saléeit wandelt sich leicht in das wasserärmere Mineral Metasaléeit um.

Etymologie und Geschichte

Erstmals beschrieben wurde das Mineral 1932 von J. Thoreau und J. F. Vaes in Silikatgesteinen aus der Shinkolobwe-Mine in Kasolo in der Provinz Katanga im Kongo. Sie benannten dieses neue Mineral nach Achille Salée (1883–1932), Professor für Geologie an der Katholischen Universität Löwen in Belgien.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Saléeit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Uranylphosphate und Uranylvanadate“, wo er zusammen mit Autunit, Fritzscheit, Heinrichit, Kahlerit, Metanatroautunit, Nováčekit, Sabugalit, Torbernit, Trögerit, Uranocircit, Uranospinit und Zeunerit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Saléeit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Uranylphosphate und Arsenate“ ein. Diese Abteilung ist allerdings inzwischen weiter unterteilt nach dem Verhältnis von Uranoxidkomplex (UO2) und Phosphat- bzw. Arsenatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „UO2:RO4 = 1 : 1, Autunit-Familie: [(UO2)-RO4]-Lagen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Autunit, Heinrichit, Kahlerit, Kirchheimerit, Nováčekit-I, Nováčekit-II, Torbernit, Uranocircit I, Uranocircit II, Uranospinit, Xiangjiangit und Zeunerit die unbenannte Gruppe 8.EB.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Saléeit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ ein, dort allerdings in die Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate etc.“. Hier ist er einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 40.02a.11 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserhaltigen Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) • x(H2O), mit (UO2)2+

Bildung und Fundorte

Perfekt gewachsener Saléeitkristall aus der „La Commanderie Mine“, Le Temple, Deux-Sèvres (Frankreich)

Saléeit bildet sich sekundär bei der Verwitterung von Uranmineralen in der Oxidationszone von uranhaltigen hydrothermalen und sedimentären Lagerstätten.

In der Shinkolobwe-Mine in Kasolo in der Provinz Katanga im Kongo tritt Saléeit zusammen mit Torbernit und Dewindtit auf. In der Uranlagerstätte bei Schneeberg in Sachsen ist Saléeit vergesellschaftet mit Uranophan und Zeunerit.

Weltweit konnte Saléeit bisher (Stand: 2010) an rund 80 Fundorten nachgewiesen werden, so unter anderem in Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, der Demokratischen Republik Kongo, Österreich, Portugal, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) sowie den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Morphologie

Saléeit bildet peudotetragonale rechteckige bis quadratische Kristalle mit tafeligen bis blättrigen Habitus. Tafelige Kristalle zeigen neben der dominierenden Basisfläche {001} noch die Flächen {100}, {120} und {012}.

Kristallstruktur

Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Raumgruppe P21/c
Gitterparameter
a = 6,951 Å
b = 19,947 Å
c = 9,896 Å
β = 135,17°
Zahl (Z) der Formeleinheiten Z = 2

Saléeit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c.

Die Struktur zeichnet sich durch Uranyl-Phosphat-Schichten aus, die parallel zur (001)-Ebene liegen. Phosphor5+ ist tetraedrisch von 4 Sauerstoffatomen umgeben, das U6+ oktaedrisch von 6 Sauerstoffatomen. Die PO4-Tetraeder sind über alle 4 Ecken mit UO6-Oktaedern verknüpft, die UO6-Oktaeder über 4 Ecken mit PO4-Tetraedern.

Zwischen den Uranyl-Phosphat-Schichten befinden sich die Wassermoleküle und die Mg-Ionen. Jedes Mg2+ ist von 6 Wassermolekülen oktaedrisch koordiniert. Die übrigen 4 Wassermoleküle sind an kein Kation direkt gebunden. Sie tragen aber mit einem komplexen System von Wasserstoffbrückenbindungen zu einer ausgeglichenen Verteilung der Ladungen und somit zur Stabilisierung der Struktur bei.

Vorsichtsmaßnahmen

Nach dem Kontakt mit Saléeit sollten die Hände gewaschen werden, um das radioaktive Mineral nicht versehentlich oral in den Körper aufzunehmen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Webmineral - Saleeite (englisch)

Literatur

  • Thoreau, J. et Vaes, J.-F. (1932). La saléeite, nouveau minéral uranifère. Bulletin de la société belge de géologie, paléontologie et hydrologie: 42: pp. 96-100.
  • American Mineralogist (1934): NEW MINERAL NAMES – Saleite, Am. Min. 19, pp. 36 (PDF (127 KB))
  • Mary E. Mrose (1950): Studies on uranium minerals (III): Saleeite from Schneeberg, Saxon, Am. Min. 35, pp. 525-530 (PDF (326))
  • S. A. Miller and J. C. Taylor (1986): The crystal structure of saleeite, Mg[UO2PO4]2•10H2O, Z. Krist. 177, pp. 247-253 (PDF (273 KB))
  • Anthony, J.W., Bideaux, R.A., Bladh, K.W., and Nichols, M.C. (2000): Saléeite, In: Handbook of Mineralogy, American Mineralogical Society (PDF (68 KB))

Weblinks

 Commons: Saléeite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
  • Mineralienatlas:Saleeit (Wiki)
  • mindat.org: Mineraldatenbank (engl.)

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