Heinrichit

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Heinrichit
Chemische Formel

Ba(UO2)2(AsO4)2 • 10H2O [1]

Mineralklasse Phosphate, Arsenate und Vanadate
8.EB.05 (8. Auflage: VII/E.01) nach Strunz
40.02a.04.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin (pseudotetragonal[2])
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch $ \ 2/m $[3]
Farbe gelb bis gelbgrün
Strichfarbe hellgelb, fast weiß
Mohshärte 2,5
Dichte (g/cm3) 3,61
Glanz Glasglanz bis Perlmuttlanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, deutlich nach {100}
Habitus tafelige Kristalle, blättrige Aggregate
Kristalloptik
Brechungsindex nω = 1,605 nε = 1,573 [4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,032 [4] ; einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten giftig
Ähnliche Minerale Trögerit, Sabugalit, Saléeit, Nováčekit, Kahlerit, Fritzscheit, Torbernit, Zeunerit, Autunit, Uranospinit, Uranocircit, Natrium-Autunit
Radioaktivität mittelstark alphastrahlend
Besondere Kennzeichen fluoreszierend

Heinrichit (auch Arsenouranocircit oder Uranosandbergit) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ba(UO2)2(AsO4)2 • 10H2O [1] und entwickelt meist durchsichtige bis durchscheinende Kristalle, aber auch blättrige Aggregate von gelber bis gelbgrüner Farbe und hellgelber bis fast weißer Strichfarbe. Auf den Kristallflächen zeigt sich ein glas- bis perlmuttähnlicher Glanz.

Mit einer Mohshärte von 2,5 gehört Heinrichit zu den weichen Mineralen, das sich entweder mit dem Fingernagel oder mit einer Kupfermünze ritzen lässt.

Besondere Eigenschaften

Aufgrund der in der Verbindung enthaltenen Elemente Barium, Arsen und Uran ist Heinrichit hochgiftig, radioaktiv und krebserregend. Die spezifische Aktivität beträgt etwa 73,88 kBq/g [3] auf (zum Vergleich: natürliches Kalium 31,2 Bq/g).

Das Mineral fluoresziert unter langwelligem und kurzwelligem UV-Licht in einem kräftig grünen bis grünlichgelben Farbton.

An der Luft dehydratisiert Heinrichit sehr schnell zu Metaheinrichit.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Heinrichit 1958 in der „White King Mine“ in Lakeview (Lake County, Oregon, Vereinigte Staaten). Da zur Bestimmung des Minerals aber auch Proben aus der „Grube Anton“ im wittichener Heubachtal (Baden-Württemberg) herangezogen wurden, gilt auch dieser Ort als Typlokalität.

Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral noch im Fundjahr durch E.B. Gross, A.S. Corey, R.S. Mitchell und K. Walenta, die es zu Ehren des US-amerikanischen Mineralogen und Professors der University of Michigan, Eberhardt William Heinrich (1918-1991), nach diesem benannten.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber immer noch gebräuchlichen 8. Auflage der Systematik der Minerale nach Strunz gehört der Heinrichit noch zur allgemeinen Abteilung der „Uranylphosphate und Uranylvanadate“.

Seit der 2001 erfolgten Neustrukturierung der Strunz'schen Mineralsystematik in der 9. Auflage ist diese Abteilung allerdings neu definiert und präziser unterteilt nach der chemischen Zusammensetzung. Entsprechend findet sich das Mineral nun in der Unterabteilung der „Uranylphosphate und Arsenate mit dem Stoffmengenverhältnis Uranoxidkomplex (UO2) : Phosphat- bzw. Arsenatkomplex (RO4) = 1 : 1 der Autunit-Familie mit [(UO2)-RO4]-Lagen“. Dort bildet er zusammen mit Autunit, Kahlerit, Kirchheimerit, Nováčekit-I, Nováčekit-II, Saléeit, Torbernit, Uranocircit I, Uranocircite II, Uranospinit, Xiangjiangit und Zeunerit die unbenannte Gruppe 8.EB.05.

Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Heinrichit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate, Vanadate“, dort allerdings in die Abteilung der Hydratisierten Phosphate etc., mit der allgemeinen Zusammensetzung A++(B++)2(XO4) • (H2O), mit (UO2)++, wo er zusammen mit Metaheinrichit eine eigene Gruppe mit der Bezeichnung 40.2a.4 bildet.


Bildung und Fundorte

Heinrichit bildet sich als Sekundärmineral in der Oxidationszone von Uran-Lagerstätten. Begleitminerale sind neben Metaheinrichite noch Arseniosiderit, Erythrin, Nováčekit, Pitticit, Uraninit und Zeunerit.

Weltweit konnte das Mineral bisher (Stand: 2010) an rund 20 Fundorten nachgewiesen werden: Bei Kruth, Ébreuil, Lodève und Guéret in Frankreich; Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen in Deutschland; im griechischen Attika; im spanischen Katalonien sowie neben seiner Typlokalität Oregon noch in Utah in den USA.[5]

Kristallstruktur

Heinrichit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P2/c mit den Gitterparametern a = 7,1548 Å; b = 7,1340 Å; c = 21,290 Å und β = 104,171°[6] sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle[3].

Vorsichtsmaßnahmen

Da das Mineral hochgiftig, radioaktiv und krebserregend ist, insbesondere die beiden Stoffe Arsen und Uran reichern sich im Falle einer Aufnahme im Körper an, ist ein direkter Kontakt mit dem Mineral unbedingt zu vermeiden und nach Berührung die betroffenen Hautstellen gründlich zu waschen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IMA/CNMNC List of Mineral Names - Heinrichite (englisch, 2009, PDF 1,8 MB; S. 117)
  2.  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 655.
  3. 3,0 3,1 3,2 Webmineral - Heinrichite (englisch)
  4. 4,0 4,1 Mindat - Heinrichite (englisch)
  5. Mindat - Localities for Heinrichit
  6. American Mineralogist Crystal Structure Database - Heinrichite (englisch, 2005)

Weblinks

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