Osmiumtetroxid


Osmiumtetroxid

Strukturformel
Struktur von Osmiumtetroxid
Allgemeines
Name Osmiumtetroxid
Andere Namen

Osmium(VIII)-oxid

Summenformel OsO4
CAS-Nummer 20816-12-0
Kurzbeschreibung

farblose, monokline Nadeln[1]

Eigenschaften
Molare Masse 254,23 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

4,91 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

40 °C [2]

Siedepunkt

130 °C[2]

Dampfdruck

10 hPa (20 °C)[2]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
06 – Giftig oder sehr giftig 05 – Ätzend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 330-310-300-314
P: 280-​301+330+331-​302+352-​304+340-​305+351+338-​309+310Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
Sehr giftig
Sehr giftig
(T+)
R- und S-Sätze R: 26/27/28-34
S: (1/2)-7/9-26-45
MAK

nicht festgelegt[2]

LD50

15 mg·kg−1[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Osmiumtetroxid (auch: Osmium(VIII)-oxid, Osmiumsäure) ist das Oxid des Elementes Osmium in seinem höchsten Oxidationszustand (+8).

Darstellung und Gewinnung

Osmium(VIII)-oxid wird aus Osmiummetall durch Oxidation von Osmiumlösungen mit Salpetersäure oder Natriumperoxodisulfat in Schwefelsäure hergestellt. Wegen der Flüchtigkeit und Giftigkeit kommt es in Ampullen eingeschmolzen in den Handel.

Eigenschaften

1g Osmiumtetroxid in einer Ampulle

Osmium(VIII)-oxid bildet blassgelbe Kristalle mit einem sehr niedrigen Schmelzpunkt von 40 °C und einem Siedepunkt von 130 °C. Diese Verbindung besitzt einen durchdringenden ozonähnlichen Geruch (griechisch: osmos = Gestank), was die Namensgebung für das Metall Osmium erklärt. Osmium(VIII)-oxid ist sehr flüchtig und sehr toxisch; es wird leicht durch organische Verbindungen zu einem schwarzen Oxid reduziert. Es löst sich nur zu einem geringen Teil in Wasser, aber sehr gut in Tetrachlorkohlenstoff CCl4. Das starke Oxidationsmittel reagiert mit reduzierenden und brennbaren Stoffen.

Verwendung

In der Transmissionselektronenmikroskopie wird es als Kontrastmittel zum Anfärben von biologischem Material verwendet.

In der organischen Synthese kann es verwendet werden, um Alkene zu Diolen zu oxidieren (Dihydroxylierung). Dabei entsteht stereoselektiv ein Diol mit cis-ständigen OH-Gruppen. Da das Reagens sehr teuer und giftig ist, wurden die Reaktionsbedingungen inzwischen so verbessert, dass Osmium(VIII)-oxid nur in kleinen Mengen als Katalysator erforderlich ist, während Wasserstoffperoxid oder N-Methylmorpholin-N-oxid als Oxidationsmittel wirken.[6]

Osmolyse.svg

Sonstiges

Am 6. April 2004 berichtete die amerikanische Nachrichtenagentur ABC News, dass der britische Geheimdienst glaubte, einen Bombenanschlag unter Verwendung dieser Substanz vereitelt zu haben. Andere Quellen bezweifeln diese Darstellung, da Osmium(VIII)-oxid trotz seines hohen Schadenspotenzials für die Verwendung als Giftgas zu teuer sei.

Am 27. Mai 2011 ereignete sich ein Unfall an der Uniklink Magdeburg, bei dem einer Mitarbeiterin eine Flasche mit Osmiumtetroxid herunter fiel. Das gesamte Haus 1 musste evakuiert werden. Es wurden aber keine Personen verletzt.[7]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Thieme Chemistry (Hrsg.): Eintrag zu Osmiumtetroxid im Römpp Online. Version 3.29. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012, abgerufen am 18.Juli 2011.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Datenblatt Osmiumtetroxid bei Merck, abgerufen am 19. Januar 2011.
  3. 3,0 3,1 Eintrag zu CAS-Nr. 20816-12-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 16. April 2011 (JavaScript erforderlich).
  4. 4,0 4,1 Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 20816-12-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich)
  5. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  6. V. VanRheenen, D.Y. Cha, W.M. Hartley: In Org. Synth. Coll. Vol. 1988, 6, 342
  7. MDR Sachsen-Anhalt