Naloxon


Naloxon

Strukturformel
Struktur von Naloxon
Allgemeines
Freiname Naloxon
Andere Namen
  • IUPAC: (5R,9R,13S,14S)-17-Allyl- 3,14-dihydroxy-4,5-epoxymorphinan-6-on
  • Latein: Naloxonum
Summenformel C19H21NO4
CAS-Nummer
  • 465-65-6
  • 357-08-4 (Hydrochlorid)
  • 51481-60-8 (Hydrochlorid, Dihydrat)
PubChem 5284596
ATC-Code

V03AB15

DrugBank DB01183
Kurzbeschreibung

weißlicher Feststoff[1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Opioidantagonist, Antidot

Wirkmechanismus

Kompetitive Hemmung aller Opioidrezeptoren

Verschreibungspflichtig: Ja (teilweise: BTM-Gesetz)
Eigenschaften
Molare Masse 327,37 g·mol−1
Schmelzpunkt
  • 184 °C [1]
  • 200–205 °C (Hydrochlorid)[1]
pKs-Wert
  • pKs1 = 8,12[2]
  • pKs1 = 9,23[2]
Löslichkeit

Wasser: 1,4 g·l−1 (25 °C) [3]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [4]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 315-319-335-413
P: 261-​305+351+338 [4]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5][4]

Xi
Reizend
R- und S-Sätze R: 36/37/38
S: 22-24/25-26-36/37/39
LD50
  • 90 mg·kg−1 (Maus, i.v.) [1]
  • 107 mg·kg−1 (Hydrochlorid, Maus, i.v.) [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Naloxon ist ein Opioid-Antagonist und gehört mit Naltrexon zu den reinen Opioidantagonisten, die als kompetitive Antagonisten an allen Opioidrezeptoren wirken. Damit heben sie die Wirkungen, die durch Opiate und Opioide verursacht werden, teilweise oder ganz auf. Naloxon ist für den Humangebrauch als Arzneistoff zugelassen.

Naloxon hat eine Wirkdauer von etwa zwei Stunden und wirkt damit kürzer als die meisten Opiate und Opioide. Um einem Rebound-Effekt vorzubeugen, muss es gegebenenfalls repetitiv bzw. zur intravenösen Gabe zusätzlich intramuskulär verabreicht werden.

Der Name Naloxon leitet sich von N-Allyl und Oxymorphon ab.

Anwendung

Naloxon wird in der Notfallmedizin als Antidot bei Opiatüberdosierung durch entsprechende Drogen bzw. Medikamente, wie Heroin und Methadon, verwendet. Im Zusammenhang mit Atemdepression bzw. Atemstillstand angewandt, wirkt Naloxon (bei intravenöser Gabe) innerhalb von Sekunden. In der Anästhesie kann es auch bei relativer Opiatüberdosierung zur Beschleunigung der Aufwachphase und Aufhebung einer Atemdepression sowie in der Regionalanästhesie zur Beseitigung eines Opiatpruritus eingesetzt werden.

Da es bei Opiatabhängigen ein Entzugssyndrom auslöst, wird es in geringer Dosis zur Diagnostik einer solchen Abhängigkeit eingesetzt. Außerdem wird es zentral wirksamen Analgetika (Tilidin) zur Verhinderung von missbräuchlicher Verwendung zugesetzt.[1]

Naloxon in Kombination mit Tilidin

Naloxon unterliegt einem hohen First-Pass-Effekt, was dazu führt, dass es bei peroraler Anwendung seine antagonistische Wirkung nicht entfalten kann. Bei Patienten mit Leberschaden wird Naloxon nicht mehr größtenteils bei der ersten Leberpassage abgebaut und schwächt so die Wirkung des Tilidins. Bei missbräuchlicher parenteraler Anwendung wird Naloxon ebenfalls nicht abgebaut und entfaltet seine Wirkung: Tilidin bleibt ohne Wirkung. Aus diesem Grund unterlag diese Kombination einige Zeit nicht dem Betäubungsmittelgesetz.Seit Januar 2013 ist die Kombination jedoch wieder BtM-pflichtig.

Naloxon in Kombination mit Oxycodon

Der gleiche Mechanismus kommt auch in der Kombination von Naloxon mit Oxycodon im Verhältnis 2:1 zum Tragen. Durch die geringe Bioverfügbarkeit nach der peroralen Gabe bleibt eine systemische Wirkung weitgehend aus. Naloxon wirkt lokal durch kompetitive Bindung an die Opioidrezeptoren der Darmwand und vermindert die durch Opioide typischerweise ausgelösten Verstopfungserscheinungen.[6]

Naloxon in Kombination mit Buprenorphin

Suboxone ist ein Kombinationspräparat von Buprenorphin mit Naloxon im Verhältnis von 4:1. Bei sachgerechter, d.h. in diesem Fall sublingualer Anwendung, wird Naloxon nicht resorbiert und Buprenorphin entfaltet seine Wirkung als Substitutionsmittel bei Opioidabhängigkeit, während eine intravenöse oder nasale Verabreichung („Sniefen“) zu Entzugssymptomen führt.

Handelsnamen

  • Monopräparate: Nexodal (A), Narcanti (D), Narcan bzw. Naloxon OrPha (CH)
  • Kombinationspräparate: Andolor (D), Celldolor (D), Suboxone (D, A), Targin , Tilidin (D), Valoron N (D)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Thieme Chemistry (Hrsg.): Römpp Online. Version 3.1. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2008.
  2. 2,0 2,1 M. Carmichael, F. F. Cantwell: Measurement of self-association and ion-pair dissociation constants by solvent extraction using a membrane phase separator, in: Can. J. Chem. 1982, 60, 1286–1290.
  3. Naloxon bei ChemIDplus.
  4. 4,0 4,1 4,2 Datenblatt Naloxone hydrochloride dihydrate bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 12. April 2011.
  5. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  6. medknowledge.de
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