Kleberit


Kleberit

Kleberit
Andere Namen
  • IMA 2012-023
Chemische Formel

FeTi6O11(OH)5

Mineralklasse Oxide und Hydroxide
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)
Farbe gelblich rotbraun bis dunkelbraun, im Auflicht grau
Strichfarbe hellbraun
Mohshärte 4 bis 4,5
Dichte (g/cm3) 3,28
Glanz Diamantglanz bis halbmetallischer Glanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch
Spaltbarkeit
Habitus einkristalline Körner oder idiomorphe Rhomboeder mit Basispinakoid

Kleberit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung FeTi6O11(OH)5.

Kleberit konnte bisher nur in Form loser, einkristalliner Körner und idiomorpher Rhomboeder mit Basispinakoid gefunden werden. Zudem bildet er Pseudomorphosen nach Ilmenit. Die Größe der Körner schwankt meist zwischen 0,040 und 0,3 Millimetern, selten werden auch Größen von 0,5 Millimetern erreicht. Im Durchlicht ist Kleberit durchscheinend gelblich rotbraun bis dunkelbraun, dünne Splitter sind durchsichtig rot- bis gelb-braun. Unter Auflicht erscheint das Mineral dagegen grau (ähnlich Perowskit) mit sehr feinem, achatartig rhythmischem Hell-Dunkel-Zonarbau.

Etymologie und Geschichte

Das 2012 von der International Mineralogical Association (IMA) als Kleberit anerkannte Mineral ist eine Erstbeschreibung. Eine ausführliche Beschreibung erfolgt 2013 in einer gesonderten Publikation.

Geschichte des deutschen „Kleberits“

Das Mineral wurde zuerst 1963 in einer Schwermineralfraktion tertiärer Sande im Nordosten Deutschlands auf dem ehemaligen Staatsgebiet der DDR am Zentralen Geologischen Institut Berlin im Rahmen der Uranerkundung durch Klaus Steinike auf der Grundlage seiner auffälligen optischen Eigenschaften beschrieben. Die Benennung „Kleberit“ erfolgte intern in den 1970er Jahren zu Ehren von Professor Dr. habil. Wilhelm „Will“ Kleber (1906-1970). Dieser war Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, Direktor des Mineralogisch-Petrographischen Institutes und des Museums der Humboldt-Universität zu Berlin. Eine Veröffentlichung erfolgte aus Geheimhaltungsgründen bis 1978 nicht.

Über ein Jahrzehnt war der „Kleberit“ Bestandteil der Erkundung auf Uranvorkommen und unterlag damit den strengen Geheimhaltungsbestimmungen des Zentralen Geologischen Instituts (ZGI) der DDR. Unter Umgehung der restriktiven Sicherheitsbestimmungen des ZGI wurde die Entdeckung von „Kleberit“ 1978 unter Federführung der Humboldt-Universität zu Berlin mit ergänzenden Daten veröffentlicht[1]. Die Beschreibung wurde jedoch bereits 1979 als unbefriedigend verworfen[2]. Der Name „Kleberit“ wurde nicht gebilligt. Wie erst 2011 erkannt, wurde die Strukturanalytik an einem „Nicht-Kleberit“ durchgeführt[3].

Auf der Grundlage ähnlicher (nicht identischer) Strukturdaten des deutschen „Kleberits“ von 1978 mit einem exakt untersuchten und beschriebenen australischen Mineral aus dem Murray Basin wurde 1994 der Name Hydroxyl Pseudorutil offiziell (Grey, Watts, Bayliss 1994). Ein Versuch der Nomenklaturkommission der IMA zur Klärung von Identität oder Nicht-Identität der beiden Minerale blieb wegen der etwa zeitgleichen politischen Veränderungen in Deutschland in dieser Zeit erfolglos[4].

Auf der Grundlage von fast zwei Jahrzehnte Fortschritt in der Struktur-Theorie und in der Analysentechnik definierten Grey und seine Mitarbeiter den „Kleberit“ mit Bezug auf seine Genese neu. Der Hydroxyl Pseudorutil vom Murray-Darling-Becken in New South Wales (Australien) und der von Borneo (Kalimantan) wurden mit Rücksicht auf die deutsche Geschichte des Kleberits zum Kleberit[5].

Bildung und Fundorte

Kleberit bildet sich sekundär als Umwandlungsprodukt des Ilmenits und findet sich als akzessorischer Bestandteil in Tertiärsedimenten.

  • Nordost-Deutschland, über 40 Fundpunkte (Steinike 2008, 123-125, mit Karte)
  • das Murray Basin in New South Wales, Südost-Australien
  • die indonesische Insel Borneo (Kalimantan)

Kristallstruktur

Kleberit kristallisiert isostrukturell (im gleichen Strukturtyp) mit Tivanit und Pseudorutil im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 7,5259(6) Å; b = 4,5741(2) Å; c = 9,854(1) Å und β = 130.784(6)°. (Grey & Steinike 2012).

Literatur

  • Ian E. Grey, Klaus Steinike: Kleberite, IMA 2012-023. CNMNC Newsletter No. 14 (Oktober 2012), S. 1283, in: Mineralogical Magazine, Band 76, S. 1281-1288 (PDF 93,2 kB)
  • D. Wolf, H. U. Thieke: Zur Geschichte der Mineralogie in der DDR, in: Schriftenreihe für Geowissenschaften, Heft 18, 2011, S. 7–31 (Kleberit: Kapitel 2.2.1. Zentrales Geologisches Institut Berlin; Kapitel 4. Mineralerstbeschreibungen).
  • Klaus Steinike: Die Entdeckungsgeschichte des Kleberits im nordöstlichen Teil Deutschlands (1949–1990 Staatsgebiet der DDR). in: Geohistor. Blätter, Berlin. Jg. 11, Nr. 1–2, Berlin 2008, ISSN 1436-3135, S. 113–128.
  • Klaus Steinike, Th. Kaemmel: Kleberit – Pseudorutil/Hydroxyl-Pseudorutil – zwei Welten – zwei Namen – ein Mineral?. in: Geohistor. Blätter. Jg. 11, Nr. 1–2, Berlin 2008, ISSN 1436-3135, S. 1–8.
  • Klaus Steinike, G. Rohde, H.-J. Bautsch (†): Zur Entdeckung des Minerals Kleberit, in: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Kristallographie e.V., Heft 32 (2006), S. 15–18 (PDF 7,8 MB; S. 11) Deutsche Gesellschaft für Kristallographie e. V.
  • I. E. Grey, J. A. Watts, P. Bayliss: Mineralogical nomenclature: pseudorutile revalidated and neotype given, In: Mineralogical Magazine, Band 58 (1994), S. 597-600
  • M. H. Hey: Thirty-first list of new mineral names, in: Mineralogical Magazine, Band 43 (Dezember 1980), S. 1057-1069 (PDF 1,15 MB; Kleberite auf S. 1062)
  • M. Fleischer, G. Y. Chao, I. Mandarino: A.: New Mineral Names, In: American Mineralogist, Band 64 (1979), S. 652-659
  • H.-J. Bautsch, G. Rohde, P. A. Sedlacek, A. Zedler: Kleberit – ein neues Titan-Eisen-Oxidmineral aus tertiären Sanden, in: Zeitschrift für Geologische Wissenschaften, Band 6, Berlin 1978, S. 661-671
  • A. Zedler, P. A. Sedlacek, G. Rohde, H.-J. Bautsch: Erste Ergebnisse der Strukturbestimmung eines neuen Minerals vom TiOx-Typ, in: Zeitschrift für Geologische Wissenschaften, Band 6, Berlin 1978, S. 673-679
  • K. Steinike: Bericht 1000.219 im Archiv des Landesamts für Geologische Rohstoffe Brandenburg (Berichtsteile vom 14. März 1963 und 12. Mai 1964)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Bautsch et. al. 1978
  2. M. Fleischer et al. 1979
  3. Wolf & Thieke 2011
  4. Steinike & Kaemmel 2008, S. 4
  5. Grey & Steinike 2012