Pseudorutil

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Pseudorutil
Chemische Formel

Fe23+Ti34+O9

Mineralklasse Oxide und Hydroxide
4.CB.25 (8. Auflage: IV/C.24) nach Strunz
08.04.02.01 nach Dana
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin hexagonal-trapezoedrisch $ 622\!\, $
Farbe schwarz, braun, graurot
Strichfarbe rötlichbraun
Mohshärte 3,5
Dichte (g/cm3) gemessen: ca. 3,8 ; berechnet: 4,82 [1]
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig, in sehr dünnen Lagen durchsichtig
Bruch muschelig
Spaltbarkeit fehlt
Habitus
Weitere Eigenschaften
Besondere Kennzeichen magnetisch

Pseudorutil ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Fe23+Ti34+O9[2] und entwickelt plattige oder blättrige bis faserige Kristalle, aber auch körnige bis massige Mineral-Aggregate von schwarzer, brauner oder grauroter Farbe und rötlichbrauner Strichfarbe.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Pseudrutil 1966 südlich von Neptune Island in South Australia (Australien) und beschrieben durch G. Teufer und A. K. Temple. Aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Rutil und damit seiner Verwechslungsgefahr wurde er nach diesem benannt mit dem Zusatz des griechischen Wortstammes ψευδώ [pseudó] für falsch, unecht bzw. vorgetäuscht.

Klassifikation

In der alten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) gehörte der Pseudorutil zur Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3“, wo er zusammen mit Armalcolit und Pseudobrookit eine eigene, unbenannte Gruppe bildet.

Seit der 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik sind die Abteilungen der Oxid-/Hydroxid-Klasse allerdings präziser unterteilt nach der Größe der Kationen und teilweise neu benannt worden. Pseudorutil steht nun in der Unterabteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3, 3 : 5 und vergleichbare sowie mittelgroßen Kationen“, wo er zusammen mit Tietaiyangit die unbenannte Gruppe 4.CB.25 bildet.

Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana sortiert den Pseudorutil ebenfalls in die Klasse der Oxide und Hydroxide, dort allerdings in die Abteilung der „Mehrfachen Oxide mit Nb, Ta und Ti mit verschiedenen Formeln“, wo er als einziges Mitglied die unbenannte Unterabteilung 8.4.2 bildet.


Bildung und Fundorte

Pseudorutil bildet sich sekundär als metastabiles Zwischenglied bei der Verwitterung von Ilmenit. Begleitminerale sind daher neben Ilmenit noch Rutil, Anatas, Hämatit und Gadolinit.

Neben seiner Typlokalität Neptune Island konnte Pseudorutil in Australien noch bei Carapooee, am Lake Boga und bei St Arnaud im Bundesstaat Victoria gefunden werden. Weltweit wurde das Mineral bisher (Stand: 2010) an rund 20 Fundorten nachgewiesen: Bei Algier in Algerien; in der Prydz Bay in der Ostantarktis; bei Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) sowie bei Borna, Chemnitz, Freiberg und Mittweida (Sachsen) in Deutschland; bei Nkambe in Kamerun; bei Montreal in Kanada; im österreichischen Fulpmes; in der Oblast Tambow in Russland; in der Namakwa-Sandgrube in Südafrika; im tschechischen Böhmen sowie im Park County (Colorado), Florida, bei Lakehurst (New Jersey) und bei Baraboo im Sauk County (Wisconsin) in den USA.[3]

Kristallstruktur

Pseudorutil kristallisiert hexagonal in der Raumgruppe P6322 mit den Gitterparametern a = 14,375 Å und c = 4,615 Å[4] sowie fünf Formeleinheiten pro Elementarzelle[2].

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Handbook of Mineralogy - Pseudorutile (englisch, PDF 69,5 kB)
  2. 2,0 2,1  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 195.
  3. Mindat - Localities for Pseudorutile
  4. American Mineralogist Crystal Structure Database - Pseudorutile (englisch, 1975)

Weblinks

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