Fenfluramin

Erweiterte Suche

Strukturformel
Strukturformel von Fenfluramin
(R)-Form (oben) und (S)-Form (unten)
Allgemeines
Freiname Fenfluramin
Andere Namen

(RS)-N-Ethyl-1- [3-(trifluormethyl)phenyl]propan-2-amin

Summenformel
  • C12H16F3N (Fenfluramin)
  • C12H16F3N·HCl (Fenfluramin·Hydrochlorid)
CAS-Nummer
  • 458-24-2 [(RS)-Fenfluramin]
  • 404-82-0 [(RS)-Fenfluramin·Hydrochlorid]
  • 3239-44-9 [(S)-Fenfluramin]
  • 3239-45-0 [(S)-Fenfluramin·Hydrochlorid]
  • 37577-24-5 [(R)-Fenfluramin]
  • 3616-78-2 [(R)-Fenfluramin·Hydrochlorid]
  • 16105-77-4 [(±)-Fenfluramin·Hydrochlorid]
PubChem 3337
ATC-Code

A08AA02, A08AA04

DrugBank DB00574
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Anorektika

Eigenschaften
Molare Masse
  • 231,26 g·mol−1 (Fenfluramin)
  • 267,72 g·mol−1 (Fenfluramin·Hydrochlorid)
Schmelzpunkt
  • 166 °C [(RS)-Fenfluramin·Hydrochlorid] [1]
  • 160−161 °C [(S)-Fenfluramin·Hydrochlorid] [1]
  • 160−161 °C [(R)-Fenfluramin·Hydrochlorid] [1]
Siedepunkt

108–112 °C (15,6 hPa)[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
06 – Giftig oder sehr giftig

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301
P: 301+310 [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][3]

T
Giftig
R- und S-Sätze R: 25
S: 22-28-45
LD50
  • 144 mg·kg−1 (Ratte, oral)[(RS)-Fenfluramin] [1]
  • 114,5 mg·kg−1 (Ratte, oral) [(S)-Fenfluramin·Hydrochlorid][1]
  • 195 mg·kg−1 (Ratte, oral) [(R)-Fenfluramin·Hydrochlorid][1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Fenfluramin ist ein Anorektikum (Appetitzügler), das strukturchemisch dem Amphetamin verwandt ist, aber keine psychostimulierenden Begleiteffekte hat. Es wirkt vielmehr leicht sedierend und müdigkeitsfördernd.

Pharmakologie

Dexfenfluramin bzw. sein aktiver Hauptmetabolit N-Norfenfluramin wirkt als Serotonin-Releaser und erhöht so den (extrazellulären) Serotoninspiegel. Es wirkt daneben als 5-HT2C-Agonist. Beides dient dem Therapiezweck. Für Nebenwirkungen verantwortlich gemacht wird seine (agonistische) Wirkung an 5-HT2B-Rezeptoren,[5] die z.B. auch im Herzen zu finden sind.

Zulassung

Das Eutomer dextro-Fenfluramin, kurz Dexfenfluramin (Redux®) wurde von Interneuron Pharmaceuticals hergestellt und von den Wyeth-Ayerst Laboratories vertrieben. Während der 1990er war es für einige Jahre durch die US-amerikanische Nahrungs- und Arzneimittelaufsicht FDA zum Zweck der Gewichtsreduktion zugelassen.

1997 wurden Fenfluramin/Dexfenfluramin wegen nach Langzeitgebrauch beobachteter Herzklappenschäden und pulmonaler Hypertonie aus dem Verkehr gezogen.[6][7] Aus Tierversuchen ist bekannt, dass bei längerer Applikationssdauer die Gefahr besteht, die Serotonin-Neuronen im Gehirn zu schädigen.[8]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 679, ISBN 978-0-911910-00-1.
  2.  Thieme Chemistry (Hrsg.): RÖMPP Online - Version 3.5. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2009.
  3. 3,0 3,1 3,2 Datenblatt (±)-Fenfluramine hydrochloride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 31. März 2011.
  4. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. Setola V, Dukat M, Glennon RA, Roth BL. Molecular determinants for the interaction of the valvulopathic anorexigen norfenfluramine with the 5-HT2B receptor. Mol Pharmacol. 2005 Jul;68(1):20-33. PMID 15831837. Volltext (engl.).
  6.  M. A. Khan, C. A. Herzog, J. V. St. Peter, G. G. Hartley, R. Madlon-Kay, C. D. Dick, R. W. Asinger, J. T. Vessey: The prevalence of cardiac valvular insufficiency assessed by transthoracic echocardiography in obese patients treated with appetite-suppressant drugs. In: N Engl J Med. 339, Nr. 11, 1998, S. 713–718 (Volltext, PMID 9731086).
  7. Klaus Koch: Neue Studien veröffentlicht: Appetitzügler und Herzschäden Dtsch Arztebl 1998; 95(41): A-2496 / B-2150 / C-1997.
  8. Kommentar zu Dexfenfluramin. In: Pharmainformation. 8, Nr. 2, 1993, Abgerufen am 11. August 2009.
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Die cosmos-indirekt.de:News der letzten Tage

01.12.2022
Teilchenphysik | Quantenoptik
Elementarteilchen in einem System, das ausschließlich auf Licht basiert
Forschende kommen den Geheimnissen von roten, grünen und blauen Quarks-Teilchen auf die Schliche.
30.11.2022
Schwarze Löcher | Teleskope
Tidal Disruption Event: Schwarzes Loch, das einen Stern verschluckt
Zu Beginn dieses Jahres wurde VLT der Europäischen Südsternwarte (ESO) alarmiert, nachdem ein Durchmusterungsteleskop eine ungewöhnliche Quelle sichtbaren Lichts entdeckt hatte.
30.11.2022
Kometen und Asteroiden | Satelliten und Sonden
Kleine Asteroiden sind wohl jung
Das vor zwei Jahren durchgeführte Einschlagsexperiment der japanischen Hayabusa2-Mission auf dem Asteroiden Ryugu hat einen unerwartet grossen Krater erzeugt.
28.11.2022
Elektrodynamik | Festkörperphysik
Wie man Materialien durchschießt, ohne etwas kaputt zu machen
Wenn man geladene Teilchen durch ultradünne Materialschichten schießt, entstehen manchmal spektakuläre Mikro-Explosionen, manchmal bleibt das Material fast unversehrt.
25.11.2022
Sonnensysteme | Astrophysik
Im dynamischen Netz der Sonnenkorona
In der mittleren Korona der Sonne entdeckt ein Forscherteam netzartige, dynamische Plasmastrukturen – und einen wichtigen Hinweis auf den Antrieb des Sonnenwindes.
25.11.2022
Exoplaneten | Astrophysik
Rätselraten um einen jungen Exo-Gasriesen
Eine Foschergruppe hat einen Super-Jupiter um den sonnenähnlichen Stern HD 114082 entdeckt, der mit einem Alter von 15 Millionen Jahren der jüngste Exoplanet seiner Art ist.
24.11.2022
Teilchenphysik | Festkörperphysik | Quantenphysik
Spin-Korrelation zwischen gepaarten Elektronen nachgewiesen
Physiker haben erstmals experimentell belegt, dass es eine negative Korrelation gibt zwischen den beiden Spins eines verschränkten Elektronenpaares aus einem Supraleiter.
23.11.2022
Festkörperphysik | Quantenoptik
Lichtstrahlen beim Erlöschen zusehen
Ein Forschungsteam konnte erstmals messen, wie das Licht eines Leuchtzentrums in einem Nanodraht nach dessen Anregung durch einen Röntgenpuls abklingt.