Exemestan


Exemestan

Strukturformel
Struktur von Exemestan
Allgemeines
Freiname Exemestan
Andere Namen

6-Methylidenandrosta-1,4-dien-3,17-dion (IUPAC)

Summenformel C20H24O2
CAS-Nummer 107868-30-4
PubChem 60198
ATC-Code

L02BG06

DrugBank APRD00144
Kurzbeschreibung

farbloser Feststoff[1]

Arzneistoffangaben
Wirkmechanismus

Aromatasehemmer

Verschreibungspflichtig: ja
Eigenschaften
Molare Masse 296,40 g·mol−1
Löslichkeit

löslich in DMSO[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 319-360
P: 201-​305+351+338-​308+313 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2][1]

T
Giftig

N
Umwelt-
gefährlich
R- und S-Sätze R: 60-61-51
S: 53-22-36/37-57
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Exemestan ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Aromatasehemmer. Er ist nach Anastrozol und Letrozol der dritte oral wirksame selektive Aromatasehemmer zur Behandlung des fortgeschrittenen Brustkrebses.

Wirkungsmechanismus

Exemestan hemmt durch irreversible Bindung an die Aromatase ein übermäßiges Aromatisieren von Androgenen zu Östrogenen. Die Struktur des Exemestans ähnelt der des natürlichen Substrats Androstendion. Exemestan senkt den Estrogenspiegel auf 5 bis 10 % des Ausgangswertes und weist eine Halbwertszeit von zwei Tagen auf.[3] Eine tägliche Gabe von 25 mg bewirkt eine Reduktion der Gesamtaromataseaktivität um bis zu 98 %. Exemestan hat keinerlei gestagene oder östrogene Wirkung.

Anwendungsgebiete

Exemestan ist zur unterstützenden Behandlung des hormonabhängigen (Estrogenrezeptor-positiven) Brustkrebses nach den Wechseljahren angezeigt, wenn eine vorherige Behandlung mit dem Antiöstrogen Tamoxifen nicht angeschlagen hat.[4]

Missbrauch als Dopingmittel

Exemestan erhöht dosisunabhängig das luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FSH) und schafft damit eine schnelle Dominanz der männlichen Sexualhormone, wodurch eine Leistungssteigerung erfolgt. Es wird des Weiteren eingesetzt, um eine übermäßige Aromatase durch Testosterongaben zu verhindern.[5] Eine Übermäßige Aromatase führt zur Gynäkomastie und erhähten Wasser sowie Fettspeicherung.

Der Wirkstoff wurde 2008 von der World Anti-Doping Agency (WADA) auf die Verbotsliste gesetzt.[6] Ein Besitz von mehr als 750 mg wird nach dem Arzneimittelgesetz, gemäß der Dopingmittel-Mengen-Verordnung als "nicht geringe Menge" gewertet.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen, die unter der Therapie mit Exemestan auftreten können, gehören:[4] Sehr häufige Nebenwirkungen (bei mehr als 1 Behandelten von 10)

  • Hitzewallungen und Errötungen (Flushes)
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Häufige Nebenwirkungen ( bei 1 bis 10 Behandelten von 100)

  • Appetitlosigkeit
  • Depressionen
  • Schwindel
  • Karpaltunnelsyndrom (Kombination aus Gefühllosigkeit, Ameisenlaufen und Schmerzen in der ganzen Hand, außer dem kleinen Finger)
  • Bauchschmerzen
  • Hautausschlag, Haarausfall

In einer Studie wurde ferner über eine Verschlechterung der Blutfettwerte berichtet.[7]

Handelsnamen

Aromasin (D, A, CH und andere), diverse Generika

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Datenblatt Exemestane, ≥ 98 % (HPLC) bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. Dezember 2011.
  2. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  3. COOMBES, R.C.: Recent Results Cancer Res. 1998; 152: 277–84.
  4. 4,0 4,1 Fachinformation Aromasin, Stand Mai 2009.
  5. Das Schwarze Buch – Anabole Steroide, 2007, S. 133, ISBN 978-3-00-020944-4.
  6. Substance Classification Booklet, Canadian Centre for Ethics in Sport, Version 4.0, Januar 2009.
  7. The Lancet: Adjuvante Brustkrebstherapien mit gleichen ereignisfreien Überlebensraten jedoch unterschiedlichen Nebenwirkungen, Pressemeldung vom 21. Januar 2011.