Cyanurtriazid

Strukturformel
Struktur von Cyanurtriazid
Allgemeines
Name Cyanurtriazid
Andere Namen
  • 2,4,6-Triazido-s-triazin
  • 2,4,6-Triazido-1,3,5-triazin
Summenformel C3N12
CAS-Nummer 5637-83-2
PubChem 21857
Kurzbeschreibung

weiße Kristalle[1]

Eigenschaften
Molare Masse 204,1 g·mol−1
Dichte

1,15 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

94 °C[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Cyanurtriazid ist eine thermisch instabile Kohlenstoff-Stickstoff-Verbindung mit einem Stickstoffgehalt von 82,36 %. Nach seinem heterocyclischen Grundkörper gehört es zur Gruppe der 1,3,5-Triazine, ebenso zu den organischen Aziden.

Geschichte

Eine erste, vermeintliche Darstellung wurde schon 1907 von Finger[4] beschrieben. Diese Herstellung konnte allerdings nicht bestätigt werden. Als erste sichere Herstellung gilt die 1921 von Ott[5] beschriebene Darstellung aus Cyanurchlorid und Natriumazid, die auch in einige Patenten geschützt wurde.[6][7][8]

Darstellung und Gewinnung

Die heute noch gebräuchliche Synthese von Cyanurtriazid ist die Umsetzung von Cyanurchlorid in einer wäßrigen Natriumazid-Lösung.[1]

Cyanurtriazide Synthesis V.2.svg

Eine weitere vorgeschlagene Synthesevariante durch Umsetzung von Cyanurtrihydrazid mit Natriumnitrit in salzsaurer Lösung ist weniger erfolgreich.[5]

Eigenschaften

Cyanurtriazid bildet farblose, nadelförmige Kristalle[5], die bei 94 °C schmelzen.[2] Die Verbindung kristallisiert in einer hexagonalen Kristallstruktur.[9][10] Die Raumgruppe ist H63/m mit zwei Molekülen in der Einheitszelle.[10] Beim Erhitzen neigt die Verbindung ab 170–180 °C zu einer explosionsartigen Zersetzung.[2][11] Die Verbindung ist schlag- und stoßempfindlich.[11]

Wichtige Explosionskennzahlen sind:

Verwendung

Die Verbindung kann als wirksamer Initialsprengstoff dienen.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Köhler, J.; Meyer, R.; Homburg, A.: Explosivstoffe, zehnte, vollständig überarbeitete Auflage,, Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-32009-7.
  2. 2,0 2,1 2,2 C. Ye, H. Gao, J.A. Boatz, G.W. Drake, B. Twamley, J.M. Shreeve: Polyazidopyrimidines: High-Energy Compounds and Precursors to Carbon Nanotubes in Angew. Chem. 118 (2006) 7420–7423, doi:10.1002/ange.200602778.
  3. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  4. H. Finger: Über Abkömmlinge des Cyanurs. (Vorläufige Mitteilung) in J. prakt. Chem. 75 (1907) 103–104, doi:10.1002/prac.19070750107.
  5. 5,0 5,1 5,2 E. Ott, E. Ohse: Zur Kenntnis einfacher Cyan- und Cyanurverbindungen. II. Über das Cyanurtriazid (C3N12) in Chem. Ber. 54 (1921) 179–186, doi:10.1002/cber.19210540202.
  6. E. Ott, DE 346 811.
  7. E. Ott, DE 346 812.
  8. E. Ott, DE 343 794.
  9. I.E. Knaggs: Crystal Structure of Cyanuric Triazide in Nature 135 (1935) 268–268, doi:10.1038/135268a0.
  10. 10,0 10,1 Hughes, E.W.: The Crystal Structure of Cyanuric Triazide in J. Chem. Phys. 3 (1935) 1–5, doi:10.1063/1.1749546.
  11. 11,0 11,1 Bretherick's Handbook of Reactive Chemical Hazards, Vol. 1, Sixth Edition, ed. P.G. Urben, Butterworth-Heinemann Ltd., Oxford 1999, ISBN 0 7506 3605 X, S. 465.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

12.01.2021
Quantenoptik
Schnellere und stabilere Quantenkommunikation
Einer internationalen Forschungsgruppe ist es gelungen, hochdimensionale Verschränkungen in Systemen aus zwei Photonen herzustellen und zu überprüfen.
11.01.2021
Quantenoptik - Teilchenphysik
Elektrisch schaltbares Qubit ermöglicht Wechsel zwischen schnellem Rechnen und Speichern
Quantencomputer benötigen zum Rechnen Qubits als elementare Bausteine, die Informationen verarbeiten und speichern.
11.01.2021
Galaxien
ALMA beobachtet, wie eine weit entfernte kollidierende Galaxie erlischt
Galaxien vergehen, wenn sie aufhören, Sterne zu bilden.
08.01.2021
Optik - Teilchenphysik
Umgekehrte Fluoreszenz
Entdeckung von Fluoreszenzmolekülen, die unter normalem Tageslicht ultraviolettes Licht aussenden.
08.01.2021
Festkörperphysik - Teilchenphysik
Weyl-Punkten auf der Spur
Ein Material, das leitet und isoliert – gibt es das? Ja, Forschende haben erstmals 2005 sogenannte topologische Isolatoren beschrieben, die im Inneren Stromdurchfluss verhindern, dafür aber an der Oberfläche äußerst leitfähig sind.
07.01.2021
Raumfahrt - Festkörperphysik - Quantenoptik
MOONRISE: Schritt für Schritt zur Siedlung aus Mondstaub
Als Bausteine sind sie noch nicht nutzbar – aber die mit dem Laser aufgeschmolzenen Bahnen sind ein erster Schritt zu 3D-gedruckten Gebäuden, Landeplätzen und Straßen aus Mondstaub.
07.01.2021
Astrophysik - Relativitätstheorie
Konstanz von Naturkonstanten in Raum und Zeit untermauert
Moderne Stringtheorien stellen die Konstanz von Naturkonstanten infrage. Vergleiche von hochgenauen Atomuhren bestätigen das jedoch nicht, obwohl die Ergebnisse früherer Experimente bis zu 20-fach verbessert werden konnten.
05.01.2021
Thermodynamik
Weder flüssig noch fest
E
05.01.2021
Quantenoptik
Mit quantenlimitierter Genauigkeit die Auflösungsgrenze überwinden
Wissenschaftlern der Universität Paderborn ist es gelungen, eine neue Methode zur Abstandsmessung für Systeme wie GPS zu entwickeln, deren Ergebnisse so präzise wie nie zuvor sind.
22.12.2020
Galaxien - Sterne
Wie sich Sterne in nahe gelegenen Galaxien bilden
Wie Sterne genau entstehen, ist nach wie vor eines der grossen Rätsel der Astrophysik.