Corey-Winter-Eliminierung

Erweiterte Suche
(Weitergeleitet von Corey-Winter-Fragmentierung)

Die Corey-Winter-Eliminierung, auch Corey-Winter-Fragmentierung genannt, ist eine Reaktion aus dem Bereich der Organischen Chemie. Sie dient der Synthese von Alkenen aus 1,2-Diolen.[1][2] Hierzu werden neben dem Diol Thiophosgen und Trimethylphosphit benötigt. Die Reaktion ist nach ihren Entdeckern, dem Nobelpreisträger Elias James Corey Jr. und dem estnisch-amerikanischen Chemiker Roland Arthur Edwin Winter benannt.[3] In der folgenden Übersicht sind die Abgangsgruppen nicht mit aufgelistet.

Überblick der Corey-Winter-Eliminierung

Mechanismus

Die beiden Diolsauerstoffatome greifen stufenweise nucleophil am Thiocarbonylkohlenstoff an. Unter Abspaltung von Chlorwasserstoff bildet sich so ein cyclisches Thiocarbonat. Trimethylphosphit greift im nächsten Schritt nucleophil am Schwefel unter Bildung eines Carbanions an.[4] Die Abspaltung des Thiophosphorsäureesters liefert ein cyclisches Carben. Dieses zerfällt nun unter CO2-Abspaltung zum gewünschten Alken.

Mechanismus der Corey-Winter-Eliminierung

Die Eliminierung verläuft bei dieser Reaktion selektiv syn. Das bedeutet, dass während des ersten Reaktionsschrittes zur Bildung des Fünfringes eine Drehung um die Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung im Ausgangsstoff erfolgen muss, bis die beiden OH-Gruppen syn oder eclipsed zueinander stehen. Die Substituenten R1 bis R4 (siehe Abbildung) stehen dann entsprechend ihrer Anordnung im Ausgangsstoff entweder auf derselben Seite oder auf gegenüberliegenden Seiten des Fünfringes. Ob ein (E)- oder (Z)-Alken entsteht, muss danach nach den bekannten Regeln bestimmt werden. Beispielsweise entsteht aus trans-1,2-Cyclooctandiol (E)-Cycloocten. Anstelle von Thiophosgen wird oft die leichter zu handhabende Thiocarbonyl-Imidazol verwendet, allerdings wird dadurch die Atomökonomie verschlechtert.

Einzelnachweise

  1. Corey, E. J.; Winter, R. A. E. J. Am. Chem. Soc. 1963, 85, 2677. (doi:10.1021/ja00900a043).
  2. Corey, E. J.; Hopkiss, P. B. Tetrahedron Lett. 1982, 23, 1979. (doi:10.1016/S0040-4039(00)87238-X).
  3. Block, E. Org. React. 1984, 30, 457. (doi: 10.1002/0471264180.or030.02).
  4. Horton, D.; Tindall, Jr., C. G. J. Org. Chem. 1970, 35(10), 3558-3559. (doi:10.1021/jo00835a082).

Weblinks

Die cosmos-indirekt.de:News der letzten Tage

22.06.2022
Teilchenphysik
Lange gesuchtes Teilchen aus vier Neutronen entdeckt
Ein internationales Forschungsteam hat nach 60 Jahren vergeblicher Suche erstmals einen neutralen Kern entdeckt – das Tetra-Neutron.
22.06.2022
Festkörperphysik
Dunklen Halbleiter zum Leuchten gebracht
Ob Festkörper etwa als Leuchtdioden Licht aussenden können oder nicht, hängt von den Energieniveaus der Elektronen im Kristallgitter ab.
15.06.2022
Exoplaneten
Zwei neue Super-Erden in der Nachbarschaft
Unsere Sonne zählt im Umkreis von zehn Parsec (33 Lichtjahre) über 400 Sterne und eine stetig wachsende Zahl an Exoplaneten zu ihren direkten Nachbarn.
15.06.2022
Quantenphysik
Quantenelektrodynamik 100-fach genauerer getestet
Mit einer neu entwickelten Technik haben Wissenschaftler den sehr geringen Unterschied der magnetischen Eigenschaften zweier Isotope von hochgeladenem Neon in einer Ionenfalle mit bisher unzugänglicher Genauigkeit gemessen.
13.06.2022
Quantenphysik
Photonenzwillinge ungleicher Herkunft
Identische Lichtteilchen (Photonen) sind wichtig für viele Technologien, die auf der Quantenphysik beruhen.
10.06.2022
Kometen und Asteroiden | Sonnensysteme
Blick in die Kinderstube unseres Sonnensystems
Asteroiden sind Überbleibsel aus der Kinderstube unseres Sonnensystems und mit rund 4,6 Milliarden Jahren ungefähr so alt wie das Sonnensystem selbst.
07.06.2022
Galaxien | Sterne
Das Ende der kosmischen Dämmerung
Eine Gruppe von Astronomen hat das Ende der Epoche der Reionisation auf etwa 1,1 Milliarden Jahre nach dem Urknall genau bestimmt.