Verschiebungspolarisation


Verschiebungspolarisation

Bei der Verschiebungspolarisation (auch Deformationspolarisation genannt) werden durch ein externes elektrisches Feld die Elektronen eines Atoms oder Moleküls so verändert („verschoben“), dass der Schwerpunkt der negativen Ladungen nicht mehr mit dem Schwerpunkt der positiven Ladungen (Atomkerne) übereinstimmt (Elektronenpolarisation).

Der Atomkern (positiver Ladungsschwerpunkt) liegt links neben dem negativen Ladungsschwerpunkt (Elektronenhülle)

Eine weitere Art der Verschiebungspolarisation ist die Verschiebung von positiven Ionen relativ zu negativen Ionen (Ionenpolarisation). Das Ergebnis ist in beiden Fällen ein induzierter Dipol. Die Verschiebungspolarisation ist folgendermaßen definiert (für lineare isotrope Medien):

$ \vec P = \chi {\varepsilon}_0 \vec E = \left( \varepsilon_r - 1 \right) \varepsilon_0 \vec E $

wobei $ \chi $ die (di-)elektrische Suszeptibilität, $ \varepsilon_r $ die relative Permittivität, $ \varepsilon_0 $ die Elektrische Feldkonstante und $ \vec E $ die elektrische Feldstärke ist.

Die Verschiebungspolarisation ist die Summe aller induzierten Dipolmomente geteilt durch das Volumen. Die Stärke der induzierten Dipolmomente ist bei gebundenen Elektronen abhängig von der Polarisierbarkeit des Moleküls/Atoms. Die Verbindung zwischen mikroskopisch relevanter Polarisierbarkeit und makroskopisch relevanter Permittivität stellt die Clausius-Mossotti-Gleichung her.

Die relative Permittivität für Ionenkristalle ist

$ \varepsilon_r =1+\chi _{\text{ion}}+ \chi_{\text{el geb}} $

wobei $ \chi _{\text{ion}} $ die ionische Suszeptibilität und $ \chi_{\text{el geb}} $ die elektronische Suszeptibilität ist.

Die relative Permittivität für Metalle ist

$ \varepsilon_r =1+\chi _{\text{el frei}}+ \chi_{\text{el geb}} $

wobei $ \chi _{\text{el frei}} $ die Suszeptibilität der Leitungselektronen und $ \chi_{\text{el geb}} $ die Suszeptibilität der quasigebundenen Elektronen ist.

In elektrischen Wechselfeldern (z. B. Licht) wird die Materie mit der Frequenz des schwingenden E-Feldes umpolarisiert. Für höhere Frequenzen (größer als die der typischen Molekülschwingungen, etwa ab dem Infrarot-Bereich) kann die Ionenpolarisation wegen der größeren Trägheit der massiven Ionen nicht mehr folgen und kann folglich vernachlässigt werden. Die wesentlich leichteren Elektronen folgen dem Wechselfeld auch noch bei höheren Frequenzen (etwa bis in den UV-Bereich).

Siehe auch

Literatur

  •  Dieter Meschede (Hrsg.): Gerthsen Physik. 23 Auflage. Springer, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-25421-8.