Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den ehemals gleichnamigen Ort in Südafrika siehe Toyise

Die Toise [ˈtwaːs(ə)], Plural Toises, (französisch, entspricht dem deutschen Wort Klafter), Symbol T, ist eine alte französische Längeneinheit. Sie war eine Normaleinheit des altfranzösischen Längenmaßes.

Im Laufe der Zeit gab es Toisen mit verschiedenen Längen und Bezeichnungen: die Toise Carlovingienne oder Toise des maçons (Maurerklafter), die Toise de l’Académie oder Toise du Grand Châtelet, die Toise du Nord, die Toise du Pérou und die Toise usuelle.

Ursprünglich war die Toise carlovingienne oder Toise des maçons 1,9603 m lang und hatte 6 pieds (Fuß).

1668 wurde sie um 5 lignes (Pariser Linien) gekürzt und hieß jetzt Toise de l’Académie oder Toise de Paris. Sie war als eisernes Eichmaß in die Treppe des Grand Châtelet de Paris eingelassen (daher auch Toise du Grand Châtelet). Diese Toise hatte 6 alte Pariser Fuß = 864 Pariser Linien. Die Toise de l’Académie war 2700013853 Meter ≈ 1,949036 Meter lang.

1735 wurden eine Toise du Pérou und eine Toise du Nord als Maßverkörperungen angefertigt. Die Toise du Pérou diente ursprünglich der Vermessung der Erde in Äquatornähe im heutigen Ecuador und wird in Paris aufbewahrt.

Am 16. Mai 1766 führte Ludwig XV. die Toise gesetzlich ein. Sie ersetzte die Toise du Grand Châtelet und war auch etwa 1,949 Meter lang. Man fertigte eine große Zahl von Kopien des Maßstabes an.

Am 10. Dezember 1799 wurde die Toise neu definiert. 1 Meter sollte jetzt bei 0 Grad Celsius gleich 443,296 Linien der Peru-Toise bei 16,25 Grad Celsius (13 Grad Réaumur) sein. Das waren etwa 1,949 093 m.

Mit der Einführung des metrischen Systems wurde 1812 von Napoléon als Übergang vom alten zum neuen Maßsystem die exakt 2 Meter lange Toise usuelle oder Toise métrique mit 6 pieds usuels eingeführt. Sie galt bis zum 1. Januar 1840, in Haiti noch länger.

Die (metrische) Toise der französischsprachigen Schweiz hatte bis 1876 sechs pieds (Fuß) und war exakt 1,8 m lang.

Im 20. Jahrhundert gab es in Québec noch die Toise québécoise mit 1,949 043 6 m Länge.

Siehe auch: Meterstab

Literatur

  • Carl Friedr. Wilh. Peters: Zur Geschichte und Kritik der Toisen-Maass-Stäbe. Ein Beitrag zur definitiven Einordnung der auf das altfranzösische System begründeten Messungen in das metrische System (= Metronomische Beiträge. Nr. 5, ZDB-ID 504748-1). Dümmler, Berlin 1885.
  • Otto Lueger (Hrsg.): Lexikon der gesamten Technik. 2., vollständig neu bearbeitete Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart u. a. 1904–1920.

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