Sachtleben Chemie

Sachtleben Chemie GmbH
Sachtleben Logo.svg
Rechtsform GmbH
Gründung 1878
Sitz Duisburg, Deutschland
Leitung Vernon S. Sumner, Vorsitzender der Geschäftsführung (Chief Executive Officer)
Andreas Grünewald, Chief Financial Officer
Juha Mäkinen, Chief Commercial Officer
Mitarbeiter Rund 2.200
Umsatz Rund 835 Mio. Euro (2011)
Produkte Spezialchemikalien
Website www.sachtleben.de / www.sachtleben.com
Sachtleben-Fabrik in Pori, Finnland

Die Sachtleben Chemie ist ein Hersteller von Chemieprodukten, der Schwerpunkt liegt bei der Herstellung weißer Pigmente und Füllstoffe. Sachtleben hat rund 2.200 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von etwa 835 Mio. Euro (2011). Seit 2004 gehört sie zu der multinationalen Firmengruppe Rockwood Holdings, Inc. Seit September 2008 bildet die Rockwood Holdings, Inc. zusammen mit der finnischen Kemira Oyj ein Joint Venture. Darin werden die Titandioxid- und Funktionsadditiv-Aktivitäten von Rockwood (Produktion in Duisburg, Deutschland) und das Titandioxidgeschäft von Kemira (Produktion in Pori, Finnland) zusammengefasst. Das Joint Venture ist damit einer der weltweit führenden Produzenten von Titandioxidpigmenten. Mitte 2012 erfolgte die Übernahme der Produktionsanlangen von crenox in Krefeld-Uerdingen, dem dritten Sachtleben Produktionsstandort.

Die Firmengeschichte reicht über 130 Jahre zurück. Sachtleben stellt Partikel auf der chemischen Basis von Titandioxid, Zinksulfid sowie Bariumsulfat her und vertreibt diese weltweit. Hauptanwendungsgebiete der Sachtleben-Produkte sind zum Beispiel Synthesefasern, Lacke und Farben, Kunststoffe sowie Papier. Sachtleben stellt darüber hinaus spezielle Partikel für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie zur Verfügung. Außerdem ist Sachtleben in den Bereichen Printing Inks, Chromatographie, Nanotechnologie und Katalyse sowie in der Herstellung von Baustoffen tätig.

Der Joint Venture Partner Kemira ist führend bei der Herstellung von Spezial-Titandioxidqualitäten für Druckfarben sowie für die Kosmetik-, Pharma- und Lebensmittelindustrie. Beide Produktionsanlagen arbeiten nach dem anspruchsvollen Sulfatverfahren. Bei der Produktion und Entwicklung von Nanopartikeln für unterschiedlichste Anwendungen verfügen beide Partner über langjährige Erfahrungen.

Geschichte

1878 wurde die Lithopone- und Permanentweißfabrik Schöningen AG mit dem Ziel gegründet, einen neuen Weißfarbengrundstoff auf Basis von Zinksulfid und Bariumsulfat herzustellen. Erst nach Überwindung vieler technischer und chemischer Probleme, deren Lösung der junge Chemiker Rudolf Sachtleben vorantrieb, konnte das Unternehmen gegen Produkte konkurrieren. Lithopone, der erste beständige Weißfarben-Grundstoff, ersetzte fortan die bis dahin übliche giftige Bleiweißfarbe.

1883 übernahm Rudolf Sachtleben die Geschäftsleitung und wurde Teilhaber der Sachtleben & Co. Lithopone Fabrik in Schöningen. Der Erfolg des neuen Produktes und eine kostengünstige Zinkgewinnung durch chlorierende Röstung der Meggener Schwefelkiesabbrände ebneten den Weg für eine schnelle Expansion des Unternehmens. So wechselte die Sachtleben & Co. Lithopone Fabrik 1892 zum Standort Duisburg. Der Rhein und das benachbarte Ruhrgebiet boten schon damals optimale Standortbedingungen für Transport, Energie- und Wasserversorgung. Bis 1906 versechsfachte sich die Produktion und eine zweite Produktionsanlage wurde errichtet. Während des Ersten Weltkrieges, in der Nachkriegszeit und der anschließenden Ruhrbesetzung 1923 durch belgische und französische Besatzungstruppen litten auch die Sachtlebener Betriebe unter den Auswirkungen der Inflation und der Weltwirtschaftskrise.

Dennoch wurde 1926 mit einem Aktienkapital von zwölf Millionen Mark die Sachtleben Aktiengesellschaft für Bergbau und chemische Industrie mit ihrem Gesellschaftssitz in Köln gegründet. Bis 1939, dem Anfang des Zweiten Weltkrieges, stieg die Produktion an Lithopone deutlich an und mit neuen technischen Verfahren gelang es, das Produktportfolio deutlich zu erweitern. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Lithopone für den zivilen Bedarf aber auch für Tarnfarbe hergestellt. 1944 kam die Produktion nach schweren Luftangriffen vollständig zum Erliegen. 1946 nahm Sachtleben nach Beseitigung der Kriegsschäden den Betrieb wieder auf. Bereits Mitte der 1950er Jahre zeigte sich, dass die Eigenschaften von Titandioxid denen der Lithopone in vielen Anwendungen überlegen sind. Deshalb bildeten 1959 Sachtleben und DuPont de Nemours in Wilmington, Vereinigte Staaten von Amerika, ein Joint Venture, die Pigment Chemie GmbH. 1960 begannen die Planung und der Bau der Titandioxid-Anlage und der Schwefelsäurefabrik. 1962 begann Sachtleben in Duisburg mit der Titandioxid-Produktion nach dem Sulfat-Verfahren. 1963 lag die Jahresproduktion bei 18.000 Tonnen Titandioxid. Gegenwärtig beträgt die Jahresproduktion je rund 100.000 Tonnen Titandioxid an den Standorten Duisburg und Krefeld sowie rund 130.000 Tonnen Titandioxid am Standort Pori in Finnland.

Im Jahr 1973 fällte Sachtleben die strategische Entscheidung, sich auch im zukunftsträchtigen Wasserchemiesegment zu engagieren. Im Jahr 1996 erfolgte die Übernahme der EKOKEMI in Ibbenbüren und damit zugleich eine umfassende Erweiterung der Produktpalette im Bereich Wasserchemie. Mit Inbetriebnahme der Mitteldeutschen Wasserchemie (MIWAC) im Jahr 2000 baute Sachtleben seine Position als einer der führenden Flockungsmittel-Hersteller in Zentraleuropa aus. Mit dem Joint Venture zwischen Sachtleben und Kemira Oy im Jahr 2008 wurde die Sachtleben Wasserchemie ausgegliedert, da das Joint Venture nur die Pigmentproduktion der beiden Firmen umfasste. Die Sachtleben Wasserchemie ist heute ein eigenständiges Unternehmen innerhalb der Rockwood-Gruppe.

Im Jahr 2000 wurde eine Nanotechnologie-Produktionsanlage gebaut. Ultrafeine Titandioxid-Partikel finden unter anderem als UV-Schutz sowohl in der Kunststoff-, Farben- und Lack-Industrie als auch in der kosmetischen Industrie Verwendung. Die Anlage wurde modular konzipiert und kann mit den Markterfordernissen wachsen.

Mit der Übernahme der Produktionsanlagen des insolventen Mitbewerbers Crenox GmbH, einer ehemaligen Bayer-Tochter, im Jahr 2012 wurde die Produktionskapazität für Titandioxid um weitere 100.000 auf 340.000 Jahrestonnen erhöht.[1]

Entwicklung der Konzernstrukturen

1972 wurde Sachtleben vollständig in die Metallgesellschaft AG, den Vorgänger der mg technologies und der heutigen GEA AG, eingegliedert. Bereits seit 1926 hielt die Metallgesellschaft die Aktienmehrheit. Innerhalb der Metallgesellschaft wurde Sachtleben Teil des Dynamit-Nobel-Konzerns, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Metallgesellschaft. Die Dynamit Nobel AG war innerhalb des Großkonzerns bis 2004 verantwortlich für die Chemieaktivitäten der Metallgesellschaft (mg-technologies). 2004 trennte sich die mg technologies AG von ihren Chemieaktivitäten und verkaufte die Dynamit Nobel AG an den amerikanischen Spezialchemikalienkonzern Rockwood Holdings, Inc. (Princeton, USA). Seitdem ist die Sachtleben GmbH ein rechtlich selbständiges Tochterunternehmen der Rockwood Holdings, Inc. Seit dem 1. September 2008 besteht ein Joint Venture zwischen Sachtleben und Kemira, Anteilseigner sind Rockwood mit 61 % und Kemira mit 39 %.

Umsatzverteilung

Die globale Umsatzverteilung (2008):

  • ≈ 65 % Europa
  • ≈ 20 % Asien /Pazifik
  • ≈ 10 % Amerika

Standorte

  • Sachtleben Chemie GmbH, Duisburg, Deutschland
  • Sachtleben Chemie GmbH, Pori, Finnland
  • Sachtleben Pigmente GmbH Krefeld, Deutschland

Vertriebsbüros und Partner

  • Duisburg
  • New York - Sachtleben Corporation, White Plains, Vereinigte Staaten
  • Shanghai - Sachtleben Chemie Shanghai, Shanghai, China
  • Helsinki - Sachtleben Chemie GmbH, Helsinki, Finnland
  • 65 Distributionspartner weltweit

Siehe auch

  • Geschichte des Schwefelkiesbergbaus der Fa. Sachtleben in Meggen

Weblinks

Literatur

<references>


51.4393756.70533Koordinaten:

51° 26′ 22″ N, 6° 42′ 19″ O

  1. Der Westen: Sachtleben übernimmt den insolventen Ex-Konkurrenten Crenox in Uerdingen

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

01.04.2021
Teilchenphysik
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte.
01.04.2021
Planeten - Elektrodynamik - Strömungsmechanik
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
30.03.2021
Kometen_und_Asteroiden
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
25.04.2021
Raumfahrt - Astrophysik - Teilchenphysik
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen.
25.03.2021
Quantenoptik
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
24.03.2021
Schwarze_Löcher - Elektrodynamik
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Astrophysik
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
23.03.2021
Supernovae - Teilchenphysik
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
23.03.2021
Teilchenphysik
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
19.03.2021
Festkörperphysik - Teilchenphysik
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.