BP Gelsenkirchen

BP Gelsenkirchen GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1999
Sitz Gelsenkirchen
Leitung Norbert Kleine-Eggebrecht[1]
Mitarbeiter 2.450 (2006)
Branche Mineralöl
Produkte Mineralöl- und petrochemische Produkte
Website www.deutschebp.de

BP Gelsenkirchen GmbH stellt die Mitarbeiter für die Ruhr Oel-Erdölraffinerien in Gelsenkirchen. Sie beschäftigt ca. 2.450 Mitarbeiter an den Standorten in Gelsenkirchen. Die Werke der Ruhr Oel in Gelsenkirchen-Scholven und Gelsenkirchen-Horst haben eine Gesamtfläche von etwa 360 ha und eine Produktionskapazität von 12,9 Mio. t/Jahr. Die Entfernung zwischen den Werken beträgt ca. 7 km. Die Betriebsanlagen sind im Besitz der Ruhr Oel, einem 50:50-Joint Venture der Mineralölkonzerne Deutsche BP AG (früher der VEBA Oel AG) und Rosneft. Den Betrieb leitet die BP Gelsenkirchen GmbH, eine Tochter der BP Refining & Petrochemicals GmbH (BP RP, 100%-ige Tochter der Deutschen BP).

Geschichte

Werksanlage Linnenbrinksweg
Tor Süd der Anlagen Feldhauser Straße

Am 16. Juli 1935 gründete die Hibernia AG die Hydrierwerk Scholven AG, in deren Hydrierwerk 1936 die Kohleverflüssigung von Steinkohle nach dem Verfahren der I.G. Farben gelang. Am 18. Dezember 1936 gründete die Gelsenkirchener Bergwerks-AG die Gelsenberg Benzin AG in Horst, in deren Werk die Kohleverflüssigung 1939 gelang.

1938 stellte das Werk Scholven die Produktion von bisher 200.000 t/Jahr Benzin auf 180.000 t/Jahr höheroktaniges Flugbenzin um. Das Hydrierwerk Scholven produzierte im Jahr 1943 mit 5.907 Mitarbeitern 216.500 t Treibstoffe. Die kriegswichtigen Betriebe wurden bereits seit Mai 1940 von den Alliierten aus der Luft angegriffen, die Luftangriffe nahmen im Sommer 1944 zu. Im Gelsenberg-Lager auf dem Betriebsgelände der Gelsenberg Benzin AG waren etwa 2000 ungarische Frauen und Mädchen untergebracht, die zur Zwangsarbeit auf dem Hydrierwerk eingesetzt waren. Etwa 150 von diesen ungarischen Jüdinnen kamen bei den schweren Bombenangriffen im September 1944 auf das Werk ums Leben. Ihnen war der Zutritt zu Bunkern und Schutzgräben verboten. Die Gelsenberg Benzin AG und ihre Nachfolgeunternehmen haben bis zum heutigen Tage ihre moralische und historische Verantwortung abgelehnt. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren beide Werke durch mehr als 5.000 Bomben fast völlig zerstört worden.

Der Wiederaufbau der Werke lief nur schleppend an. Durch das Petersberger Abkommen konnte die Demontage der Werke verhindert werden. 1950 kann die Kraftstoffproduktion im Werk Horst wieder aufgenommen werden, nun jedoch auf Grundlage von Erdöl statt Kohle. 1951 nimmt auch das inzwischen in Scholven Chemie AG umbenannte Hibernia-Werk Scholven die Produktion auf und stellt sie ein Jahr später ebenfalls auf Erdöl um. Die Scholven Chemie beteiligte sich 1958 an der Rohölpipeline von Wilhelmshaven ins Ruhrgebiet, der Nord-West-Oelleitung.

1959 begann im Scholven-Chemie-Werk die Polyethylen-Produktion, 1962 mit Ethylen und Propylen die Petrochemie, 1963 die Olefin-Produktion. Das unwirtschaftliche Hydrierwerk in Scholven wurde 1964 stillgelegt. 1967 erwarben die Scholven Chemie AG und die Gelsenberg Benzin AG jeweils 28 % der Aral AG. Die Scholven Chemie übernahm ein Jahr später das Chemiewerk Ruhr Oel.

1969 ging die Hibernia AG im VEBA-Konzern auf, die Scholven-Chemie AG wurde folgend in Veba Chemie AG umbenannt. 1975 wurde die Chemie- und Mineralölproduktion der Gelsenberg AG von der VEBA übernommen. Die beiden nun zum VEBA-Konzern gehörenden Raffinerien Scholven und Horst wurden zu einem Produktionsverbund zusammengeschlossen. 1978 erfolgte die Umbenennung der Veba Chemie AG in Veba Oel AG, die Chemieaktivitäten wurden an die Chemische Werke Hüls AG (CWH) übertragen.

Die Veba Oel-Raffinerien Scholven und Horst wurden 1983 in die Ruhr Oel eingebracht, an der die Veba Oel AG und Petróleos de Venezuela (PDVSA) mit je 50 % beteiligt waren. Im gleichen Jahr begannen Anlagen zum Hydrocracken und zur Schwerölhydrierung den Betrieb im Werk Scholven.

1999 wurde die Veba Oel Verarbeitungsgesellschaft (VVG) gegründet, 2000 die Veba Oil Refining & Petrochemicals (VORP). Der VEBA-Konzern fusionierte mit der VIAG zur E.ON AG. Am 1. Februar 2002 erwarb die Deutsche BP AG 51 % der Veba Oel AG, im Juli übernahm sie auch die übrigen 49 % der E.ON AG. Folgend wurde die VVG in BP Gelsenkirchen GmbH und die VORP in BP Refining & Petrochemicals GmbH (BP RP) umbenannt.

Zum 1. Januar 2007 wurde die Produktionsstätte in Münchsmünster (Olefine) an Basell übertragen.

Im Oktober 2010 verkaufte PDVSA seinen 50 % Anteil an der Ruhr Oel an den staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft für 1,6 Mrd. US Dollar.

Produktion

Die BP Gelsenkirchen hat eine Rohöldestillationskapazität von 12,9 Mio. t/Jahr und eine petrochemische Produktionskapazität von 3,9 Mio t/Jahr (2004) [2]. Täglich werden etwa 17 Mio. Liter Kraftstoffe produziert. Seit 2004 werden unter anderem die hochwertigen Ultimate-Kraftstoffe produziert, es werden außer den unten aufgeführten auch einige andere Produkte hergestellt.

Produkt Anteil an der Gesamtproduktion im Werk Horst
Dieselkraftstoff 22,4 %
Eigenverbrauch / Sonstiges 16,5 %
Ottokraftstoffe 14,8 %
Heizöl 12,5 %
Olefine 11,0 %
Aromaten 9,6 %
Kerosin 5,9 %
Bitumen 3,0 %
Petrolkoks 2,2 %
Methanol 1,9 %
Ammoniak 1,5 %
  • Werk Scholven:

51° 36′ 3″ N, 7° 1′ 40″ O

51.6009597777787.0276451111111Koordinaten:

51° 36′ 3″ N, 7° 1′ 40″ O

  • Werk Horst:

51° 32′ 15″ N, 7° 2′ 52″ O

51.5373669166677.0476436666667


Weblinks

 Commons: BP Gelsenkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Einzelnachweise

  1. http://www.deutschebp.de/sectiongenericarticle.do?categoryId=9034955&contentId=7065034
  2. BP Refining & Petrochemicals GmbH: Kapazitäten 2004

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