Prandtl-Zahl

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Die Prandtl-Zahl (Pr) ist eine nach Ludwig Prandtl benannte dimensionslose Kennzahl von Fluiden, das heißt von Gasen oder Flüssigkeiten. Sie ist definiert als Verhältnis zwischen kinematischer Viskosität und Temperaturleitfähigkeit:

$ {\it Pr} = \frac{\nu}{a} = \frac{\eta\, c_{p}}{\lambda} $

Die Prandtl-Zahl stellt die Verknüpfung des Geschwindigkeitfeldes mit dem Temperaturfeld eines Fluids dar. Während die kinematische Viskosität $ \nu $ den Impulstransport infolge von Reibung repräsentiert, steht der Temperaturleitkoeffizient a für den (ggf. instationären) Wärmetransport infolge von Leitung. Da der Impulstransport durch das Geschwindigkeitsfeld, der Wärmetransport durch das Temperaturfeld bestimmt ist, verbindet die Prandtl-Zahl die beiden für den Wärmeübergang maßgebenden Felder. Die Prandtl-Zahl ist somit ein Maß für das Verhältnis der Dicken von Strömungs- zu Temperaturgrenzschicht. [1]

Die Prandtl-Zahl ist eine reine, im Allgemeinen temperaturabhängige Stoffgröße (Materialparameter) des Fluids: $ {\it Pr} = {\it Pr}(T) $.

Das Analogon der Prandt-Zahl in der Stoffübertragung ist die Schmidt-Zahl Sc.

Für ein Modellgas aus einheitlichen, harten Kugeln mit anziehender Dipolwechselwirkung (Hartkugelgas) ergibt sich unabhängig von der Temperatur der Wert Pr = 2/3 = 0,667 (siehe kinetische Gastheorie). Dies steht für einatomige Gase Helium, Neon, Argon, Krypton und Xenon in sehr guter Übereinstimmung mit den experimentellen Werten.

Für Gase und Dämpfe gilt für Drücke von 0,1 bis 10 bar näherungsweise:

$ {\it Pr} = \frac{4 \kappa}{9 \kappa - 5} $

wobei $ \kappa $ der Isentropenexponent ist.

Prandtl-Zahlen wichtiger Wärmeträgermedien

  • Luft: 0,7179 (0 °C, 1 bar abs); 0,7194 (500 °C, 1 bar abs)
  • Wasserdampf : 0,973 (100 °C); 0,869 (500 °C)
  • Wasser : 13,44 (0 °C); 11,16 (5 °C); 6,99 (20 °C); 4,34 (40 °C); 3,00 (60 °C); 2,20 (80 °C); 1,75 (100 °C)
  • Natrium : 0,0114 (100 °C); 0,00535 (350 °C)

Allgemein gilt:

  • Die Prandtl-Zahlen von Flüssigkeiten nehmen mit steigender Temperatur ab.
  • Flüssige Metalle haben sehr kleine Prandtl-Zahlen.

Beispiele für die Prandtl-Zahlen von Flüssigkeiten:[2]

Quecksilber 0,0232
Benzol 7,488
Ethanol 18,84
Ethylenglycol 184,6
Glycerin 11340

Einzelnachweise

  1. H. Brauer: Stoffaustausch einschließlich chemischer Reaktionen. Sauerländer AG, Aarau, 1971, ISBN 3794100085
  2. Prandtl-Zahlen von Flüssigkeiten

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