Ondansetron

Ondansetron

Strukturformel
Strukturformel von Ondansetron
Racemat aus (S)-Ondansetron (oben)
und (R)-Ondansetron (unten)
Allgemeines
Freiname Ondansetron
Andere Namen
  • (RS)-2,3-Dihydro-9-methyl-3- [(2-methylimidazol-1-yl)methyl]carbazol-4(1H)-on
  • (±)-2,3-Dihydro-9-methyl-3- [(2-methylimidazol-1-yl)methyl]carbazol-4(1H)-on
Summenformel
  • C18H19N3O (Ondansetron)
  • C18H19N3O·HCl·2H2O (Ondansetron-Monohydrochlorid-Dihydrat)
CAS-Nummer
PubChem 4595
ATC-Code

A04AA01,

DrugBank DB00904
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antiemetikum

Wirkmechanismus

selektive Blockade zentraler 5-HT3-Rezeptoren

Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse
  • 293,37 g·mol−1(Ondansetron)
  • 365,85 g·mol−1(Ondansetron-Monohydrochlorid-Dihydrat)
Schmelzpunkt
  • 231–232 °C (Ondansetron) [1]
  • 178,5−179,5 °C (Ondansetron-Monohydrochlorid-Dihydrat) [1]
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]

Hydrochloride-dihydrat

06 – Giftig oder sehr giftig

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301
P: 301+310 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][2]

T
Giftig
Ondansetron-Monohydrochlorid-Dihydrat
R- und S-Sätze R: 25
S: 45
LD50

94,90 mg·kg−1 (HCl, Ratte p.o.) [2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Ondansetron ist ein Arzneistoff, der gegen Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen wirksam ist (Antiemetikum). Die Substanz aus der Gruppe der Setrone vermittelt ihre Wirkung über die selektive Blockade der zentralen 5-HT3-Rezeptoren (Serotonin-Rezeptoren).

Pharmakologie

Anwendungsgebiete

Ondansetron wird als antiemetische Begleitmedikation in der zur Tumorbekämpfung eingesetzten Zytostatika- oder während der Strahlentherapie eingesetzt. Ebenso ist es angezeigt zur Behandlung des postoperativen Erbrechens. Für diese Anwendungen steht Ondansetron in Form von Filmtabletten, Injektionslösung und als Schmelztablette zur Verfügung.

Wirkmechanismus

Im Gegensatz zu anderen Antiemetika zeigt Ondansetron keine nennenswerten Effekte an Dopamin-, Histamin- oder Muskarinrezeptoren.

Ondansetron vermittelt seine Erbrechen hemmenden Effekte über eine Hemmung der Serotonin-Wirkung an 5-HT3-Rezeptoren. Serotonin wird in großer Menge aus enterochromaffinen Zellen, insbesondere als Folge einer Zytostatika- oder Strahlentherapie, freigesetzt. Das ausgeschüttete Serotonin führt über eine Aktivierung von 5-HT3-Rezeptoren des viszeralen afferenten Vagus und ferner auch im Brechzentrum des Zentralnervensystems zu einer Aktivierung des Brechreflexes. Daher zeigt Ondansetron eine gute antiemetische Wirksamkeit in der Chemo- oder Strahlentherapie von Tumorerkrankungen, jedoch nur wenig Wirkung bei der Behandlung der Reisekrankheit.

Nebenwirkungen

Während der Anwendung von Ondansetron können u. a. Kopfschmerzen, Wärmegefühl, Flush, Bewegungsstörungen und Krämpfe auftreten. Ebenso sind Sehstörungen und Störungen der Okulomotorik möglich. Über ein gelegentliches Auftreten von Herz-Rhythmusstörungen aufgrund Verlängerung der QT-Zeit wurde ebenfalls berichtet, weswegen im Juli/August 2012 auch eine Einschränkung der Zulassung erfolgte (maximal 16 mg intravenös über mindestens 15 Minuten).[4] Durch Verlangsamung der Dickdarmpassage als Folge der Hemmung prokinetischer 5-HT3-Rezeptoren im Magen-Darm-Trakt kann es zu Verstopfungen kommen.

Wechselwirkungen

Ondansetron wird über das Cytochrom-P450-Enzymsystem, insbesondere über CYP3A4, CYP2D6 und CYP1A2, verstoffwechselt. Dennoch bestehen keine nennenswerten Interaktionen mit üblicherweise gleichzeitig angewendeten Arzneistoffen. CYP3A4-Induktoren, wie Phenytoin, Carbamazepin und Rifampicin können jedoch den Abbau von Ondansetron beschleunigen.

Chemie und Isomerie

Ondansetron enthält ein Stereozentrum, es gibt also Enantiomere. Es ist als Racemat [(1:1-Gemisch der (R)- und der (S)-Form] im Handel, obwohl die unterschiedliche pharmakologische Wirkung von Enantiomeren allgemein akzeptiert ist.[5]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals, 14. Auflage (Merck & Co., Inc.), Whitehouse Station, NJ, USA, 2006; ISBN 978-0-911910-00-1.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Datenblatt Ondansetron hydrochloride dihydrate bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 16. April 2011.
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. Informationsbrief zu Zofran® (Ondansetron)
  5. E. J. Ariëns: Stereochemistry, a basis for sophisticated nonsense in pharmacokinetics and clinical pharmacology, European Journal of Clinical Pharmacology 26 (1984) 663-668.doi:10.1007/BF00541922.

Handelsnamen

Monopräparate

Axisetron (D), Cellondan (D), Ondansan (A), Zofran (D, A, CH), Zotrix (A), zahlreiche Generika (D, A, CH)

Weblinks

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