Aktinolith

Aktinolith

Aktinolith
Actinolite-139966.jpg
Aktinolith-Kristallgruppe aus Otjiwarongo, Namibia
(Größe: 6,4 x 4,0 x 1,9 cm)
Chemische Formel

Ca2(Mg,Fe)5[OH|Si4O11]2[1]

Mineralklasse Silikate und Germanate - Kettensilikate und Bandsilikate, Gruppe Calcium-Amphibole
9.DE.10 (8. Auflage: VIII/F.10) nach Strunz
66.01.03a.02 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch $ \ 2/m $
Farbe hellgrün bis schwarzgrün, selten auch weiß, grau, grün oder rosa
Strichfarbe weiß
Mohshärte 5 bis 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,03 bis 3,24 ; berechnet: [3,07][2]
Glanz Glasglanz, Seidenglanz, matt
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch uneben bis muschelig
Spaltbarkeit gut nach {110} mit Querabsonderungen unter 56° und 124°[2]
Habitus säulige, nadelige Kristalle, radialstrahlige, körnige Aggregate
Zwillingsbildung einfache und multiple, lamellare Zwillinge parallel {100}[2]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,613 bis 1,646 ; nβ = 1,624 bis 1,656 ; nγ = 1,636 bis 1,666[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,023[3] ; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 79° bis 86°, berechnet: 78° bis 82°[3]
Pleochroismus schwach:
X = hellgelb, gelbgrün
Y = hellgelbgrün, grün
Z = hellgrün, dunkelgrünblau

Das Mineral Aktinolith (Strahlstein) ist ein sehr häufig vorkommendes und bekanntes, gesteinsbildendes Kettensilikat aus der Gruppe der Calcium-Amphibole. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca2(Mg,Fe)5[OH|Si4O11]2[1] und entwickelt meist durchsichtige bis durchscheinende Kristalle von bis zu 15 cm Länge[2] mit säuligem bis nadeligem Habitus, aber auch radialstrahlige, faserige, körnige und massige Mineral-Aggregate von hellgrüner bis fast schwarzer, selten auch weißer, grauer, grüner oder rosa Farbe bei weißer Strichfarbe. Auch Pseudomorphosen nach Pyroxen sind bekannt. Die Flächen sichtbarer Kristalle weisen einen glasähnlichen Glanz auf. Bei faseriger oder massiger Ausbildung ist Aktinolith dagegen matt, kann aber auf polierten Flächen einen wogenden Seidenglanz annehmen.

Mit einer Mohshärte von etwa 5 bis 6 gehört Aktinolith zu den mittelharten Mineralen, das sich mit einem Messer oder mit einer Stahlfeile ritzen lässt.

Aktinolith ist das Endglied der Tremolit-Aktinolith-Ferro-Aktinolith-Mischreihe mit variabel austauschbaren Magnesium-Ionen (Tremolit) und Eisen-Ionen (Ferro-Aktinolith).

Etymologie und Geschichte

Grüner, radialstrahliger Aktinolith und Axinit-(Fe) aus der Colebrook Hill Mine, Colebrook Hill, Rosebery, Tasmanien, Australien

Der Name Aktinolith ist ein Kunstwort, das sich aus zwei griechischen Wörtern zusammensetzt: ἀκτίς (aktis, "Strahl") und λίθος (lithos, "Stein"). Der Name nimmt Bezug auf das oftmals faserige oder radialstrahlige Auftreten des Minerals.

Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral 1794 von Richard Kirwan.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Aktinolith zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Alumino-Ferrotschermakit, Cannilloit, Chloro-Kaliumhastingsit, Edenit, Ferri-Ferrotschermakit, Ferrisadanagait, Ferritschermakit, Ferro-Aktinolith, Ferro-Alumino-Tschermakit, Ferro-Edenit, Ferrohornblende, Ferro-Kaersutit, Ferro-Pargasit, Ferrotschermakit, Fluorocannilloit, Fluoro-Edenit, Hastingsit, Kaersutit, Kalium-Chloropargasit, Kalium-Ferrisadanagait, Kalium-Magnesiosadanagait, Kaliumpargasit, Kaliumsadanagait, Magnesiohastingsit, Magnesiohornblende, Magnesiosadanagait, Pargasit, Sadanagait, Tremolit und Tschermakit eine eigenständige Amphibol-Untergruppe der „Calcium-Amphibole“ bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Aktinolith ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Kettenbildung und nach der Zugehörigkeit zu größeren Mineralfamilien, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung der „Klinoamphibole“ zu finden ist, wo es zusammen mit Alumino-Ferrohornblende, Alumino-Ferrotschermakit, Alumino-Magnesiohornblende, Aluminotschermakit, Cannilloit, Ferri-Ferrotschermakit, Ferritschermakit, Ferro-Aktinolith, Ferrohornblende, Ferrotschermakit, Fluorocannilloit, Fluorotremolit, Joesmithit, Magnesiohornblende, Parvo-Manganotremolit, Tremolit und Tschermakit die nach ihm benannte „Tremolitgruppe der Ca-Klinoamphibole“ mit der System-Nr. 9.DE.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Aktinolith in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2“. Hier ist er zusammen mit Tremolit, Ferro-Aktinolith, Magnesiohornblende, Ferrohornblende, Tschermakit, Aluminoferrotschermakit, Ferri-Ferrotschermakit, Ferrotschermakit, Ferro-Aluminotschermakit, Ferritschermakit, Ferroferritschermakit, Edenit, Fluoro-Edenit, Ferro-Edenit, Pargasit, Kaliumpargasit, Ferropargasit, Ferrochloropargasit, Kalium-Chloropargasit, Kalium-Ferropargasit, Magnesiohastingsit, Hastingsit, Kalium-Chlorohastingsit, Fluoro-Magnesiohastingsit, Kalium-Magnesiohastingsit, Chloro-Kaliumhastingsit, Fluoro-Kaliumhastingsit, Kalium-Magnesiosadanagait, Sadanagait, Kaliumsadanagait, Kaliumferrisadanagait, Magnesiosadanagait, Kaersutit, Ferrokaersutit, Fluorocannilloit und Cannilloit in der „Gruppe 2, Calcium-Amphibole“ mit der System-Nr. 66.01.03a innerhalb der Unterabteilung der „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2 Amphibol-Konfiguration“ zu finden.

Varietäten und Modifikationen

hellgrüner Byssolith

Zurzeit sind drei Varietäten des Aktinoliths bekannt:

  • Byssolith (Amiant) - hell- bis dunkelgrüne (manchmal auch blaugrüne), feinhaarige, langnadelige Kristalle oder feinfaserige Aggregate, die oft wie Fasermatten aussehen. Byssolith kommt häufig, in einer sogenannten Paragenese, neben Epidot vor.
  • Bergleder - flächig, ledriges Aussehen
  • Smaragdid oder Smaragdit - smaragdgrüne Farbe durch Beimengungen von Chrom.

Der Nephrit ist dagegen ein Mischkristall aus Aktinolith und Tremolit.

Bildung und Fundorte

Aktinolith und Calcit aus dem Shigartal, Skardu,, Pakistan

Aktinolith bildet sich in metamorphen Gesteinen wie Amphibolit, Dolomit und Schiefer. Begleitminerale sind unter anderem Albit, Anthophyllit, Calcit, Chlorite, Dolomit, Epidot, Glaukophan, Lawsonit, Pumpellyit und Talk.

Insgesamt konnte Aktinolith bisher (Stand: 2011) an rund 2400 Fundorten nachgewiesen werden.[3] In Deutschland fand sich das Mineral unter anderem im Schwarzwald in Baden-Württemberg; im Frankenland und in Niederbayern; im hessischen Odenwald; im niedersächsischen Harz; bei Hildfeld in Nordrhein-Westfalen; an mehreren Orten der Eifel in Rheinland-Pfalz; bei Treseburg in Sachsen-Anhalt; bei Chemnitz, im Erzgebirge und bei Zwickau in Sachsen sowie bei Brunsbüttel, Schönberg und Plön in Schleswig-Holstein.

In Österreich tritt das Mineral vor allem in Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark und Tirol auf und in der Schweiz wurde Aktinolith bisher im berner Haslital sowie an mehreren Orten der Kantone Graubünden, Tessin, Uri und Wallis gefunden.

Weitere Fundorte sind Ägypten, die Antarktis, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Äthiopien, Australien, Bangladesch, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Costa Rica, Ecuador, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Guatemala, Guyana, Indien, Indonesien, Iran, Irland, Italien, Jamaika, Japan, Kamerun, Kanada, Kasachstan, Kenia, Kolumbien, Nord- und Südkorea, Kosovo, Kirgisistan, Kuba, Madagaskar, Malaysia, Mali, Marokko, Mauretanien, Mazedonien, Mexiko, Mongolei, Namibia, Nepal, Neukaledonien, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Papua-Neuguinea, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Puerto Rico, Ruanda, Rumänien, Russland, die Salomonen, Sambia, Saudi-Arabien, Schweden, Simbabwe, Slowakei, Spanien, Südafrika, Sudan, Taiwan, Thailand, Tschechien, Türkei, Uganda, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, Venezuela, das Vereinigte Königreich (Großbritannien) und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Auch in Gesteinsproben des Mittelatlantischen Rückens und des Zentralindischen Rückens konnte Aktinolith nachgewiesen werden.[4]


Kristallstruktur

Aktinolith kristallisiert monoklin in der Raumgruppe $ \ C2/m $ (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 9,89 Å; b = 18,20 Å; c = 5,31 Å und β = 104,6° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung

Faseriger Aktinolith als Rohstein und im Cabochon-Schliff mit Seidenglanz

Aktinolith und Byssolith wurden vor allem als Asbest genutzt. In der traditionellen chinesischen Medizin wird der Stein gegen Impotenz eingesetzt.

Gelegentlich wird Aktinolith auch für Sammler zu Schmucksteinen geschliffen.[5] Klare Varietäten erhalten dabei eher einen Facettenschliff, trübe und vor allem faserige Varietäten dagegen einen Cabochon-Schliff, wodurch neben dem seidigen Glanz auch der optische Effekt der Chatoyance (Katzenaugeneffekt) auftreten kann.[6]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9 Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 627.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Handbook of Mineralogy - Actinolite (englisch, PDF 78,4 kB)
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Mindat - Actinolite (englisch)
  4. Mindat – Localities for Actinolite (englisch)
  5. Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags GmbH, München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 236.
  6. realgems.org - Aktinolith (mit Bildern von Aktinolith-Katzenaugen)

Literatur

  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 726.
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0.
  • Richard Kirwan: 16th species: actynolite. In: Elements of mineralogy. 1794, S. 168 (Volltext als PDF-Datei, 220,6 kB))

Weblinks

Commons: Aktinolith – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Wiktionary Wiktionary: Aktinolith – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen