Tinzaparin


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Strukturformel
Struktur von Tinzaparin
n = 1 bis 25, R = H oder SO3Na, R1 = H, SO3Na oder COCH3, R2 = H und R3 = COONa oder R2 = COONa und R3 = H[1]
Allgemeines
Freiname Tinzaparin·Natrium
Summenformel unspezifisch
CAS-Nummer
  • 9005-49-6 (Heparin)
  • 9041-08-1 (Natriumsalz)
ATC-Code

B01AB10

Verschreibungspflichtig: ja
Eigenschaften
Molare Masse 6500 Dalton (Tinzaparin·Natrium, Durchschnitt)[2]
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
LD50

550.000 IE/24h (= 7.930 IE/kg/24h, Mensch, i.v., LDLo)[4]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Tinzaparin ist ein Blutgerinnungshemmer und gehört zu der Gruppe der niedermolekularen Heparine. Es wird vom dänischen Unternehmen LEO Pharma hergestellt und weltweit als Tinzaparin-Natrium unter dem Handelsnamen Innohep vermarktet. Tinzaparin wird zur Vorbeugung und Behandlung von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien eingesetzt und durch eine subkutane Injektion verabreicht. Tinzaparin wird zudem zur Hämodialyse im extrakorporalen Kreislauf eingesetzt.

Tinzaparin-Natrium ist das Natriumsalz der Wirksubstanz, die durch enzymatische Depolymerisation (=Aufspaltung) von unfraktionierten Heparinketten mittels Heparinase gewonnen wird. Heparinase wird vom Flavobakterium heparinum gewonnen. Tinzaparin ist verschreibungspflichtig.

Pharmakologie

Tinzaparin wirkt hemmend auf verschiedene Gerinnungsfaktoren in der Gerinnungskaskade. Dabei werden über Antithrombin der Gerinnungsfaktor X sowie der Gerinnungsfaktor II gehemmt. Zudem wird Thromboplastin über die Freisetzung von Tissue Factor Pathway Inhibitor (TFPI) gehemmt. Folglich wird weniger Thrombin hergestellt und dadurch wird die Produktion eines Fibrinnetzes gehemmt. Das Resultat ist eine herabgesetzte Blutgerinnung.

Die Wirkstärke von Tinzaparin wird anhand der Anti-Faktor-Xa-Bestimmung ermittelt und in Anti-Xa Internationalen Einheiten (IE) angegeben.

Die Gesamtwirkung eines niedermolekularen Heparins kann nicht direkt gemessen werden. Anti-Xa- und Anti-IIa-Messungen werden bei niedermolekularen Heparinen als primäre Surrogatbiomarker aushilfsweise verwendet. Eine Messung der Anti-Xa-Spiegel wird im klinischen Alltag zumeist nicht durchgeführt, da diese Messung nicht direkt mit der Wirkung im Körper korreliert.

Die durchschnittliche Molare Masse liegt zwischen 5.500 und 7.500 Dalton (Medianwert = 6.500 Dalton).

Die Tabelle fasst die anhand von Anti-Xa-Messungen ermittelten pharmakokinetischen Eigenschaften (Mittelwert (Standardabweichung)) von Tinzaparin zusammen:[5]

Pharmakokinetische Eigenschaften
Parameter (Einheit) Mehrfachdosierung (n=21) Einfachdosierung (n=14)
Tag 1
175 IE/kg
Tag 5
175 IE/kg
4.500 IE *
C max (IE/ml) 0,87 (0,15) 0,93 (0,15) 0,25 (0,05)
T max (h) 4,4 (0,7) 4,6 (1,0) 3,7 (0,9)
AUC 0-∞ (IE h/ml) 9,0 (1,1) 9,7 (1,4) 2,0 (0,5)
T 1/2 (h) 3,3 (0,8) 3,5 (0,6) 3,4 (1,7)
* entsprechend durchschnittlich 64,3 IE/kg

Indikationen

In Deutschland ist Tinzaparin für folgende Anwendungsgebiete zugelassen:

  • Postoperative Thromboseprophylaxe bei chirurgischen Eingriffen im mittleren und niedrigen Risikobereich, inklusive begleitender dispositioneller Risikofaktoren.
  • Therapie von thromboembolischen Ereignissen einschließlich tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien
  • Einsatz im extrakorporalen Kreislauf während der Hämodialyse

In anderen EU Ländern liegen zusätzlich Zulassungen für folgende Anwendungsgebiete vor:

  • Postoperative Thromboseprophylaxe bei hohem Risiko (z. B. Hüft- und Kniegelenksoperationen)
  • Immobilisation durch schwere internistische Erkrankungen

Entwicklung

Die klinische Entwicklung von Tinzaparin führte 1994 zur Zulassung im Prophylaxebereich nach chirurgischen Eingriffen. 1997 wurde Tinzaparin in Deutschland, als der erste Vertreter niedermolekularer Heparine, zur Initialtherapie der tiefen Beinvenenthrombose, 1999 zur Akuttherapie der Lungenembolie bei hämodynamisch stabilen Patienten (bis Beginn Stadium III) zugelassen.

Die derzeitige klinische Entwicklung der Substanz konzentriert sich einerseits auf die längerfristige (6-monatige) Anwendung von Tinzaparin nach akuter Beinvenenthrombose bzw. Lungenembolie (Sekundärprophylaxe) und andererseits auf die Anwendung bei Patienten mit altersbedingt eingeschränkter Nierenfunktionsstörung.

Praktische Merkmale

In allen Anwendungsgebieten wird Tinzaparin nur 1 x täglich subkutan gespritzt. Dies gilt insbesondere auch für die Anwendung im therapeutischen Bereich.

Tinzaparin kumuliert nicht bei älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und führt bei Patienten die 70 Jahre und älter sind im Vergleich zur aPTT adjustierten unfraktionierten Heparin-Verabreichung zu keiner erhöhten Blutungsneigung. Eine Dosisanpassung ist bei diesen Patienten nicht notwendig. Dadurch wird einem möglichen Wirksamkeitsverlust von Tinzaparin vorgebeugt.

Gegenanzeigen (Auszug)

  • Tinzaparin darf, wie andere niedermolekulare Heparine auch, nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, bei Gerinnungsstörungen wie etwa dem Vorliegen einer verringerten Anzahl von Blutplättchen (Thrombozytopenie) oder einem Mangel an Gerinnungsfaktoren, bei Blutungsneigung etwa durch Geschwüre oder andere Organveränderungen und durch Verletzungen, sowie bei schwerer Beeinträchtigung der Leberfunktion.[6]

Warnhinweise (Auszug)

  • Eine Dosisreduktion ist nicht erforderlich bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von 20ml/min oder höher. Vorsicht ist jedoch geboten bei der Behandlung von Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance <30 ml/min). Vorsicht ist geboten bei der Behandlung älterer Patienten mit Nierenfunktionsstörung. Die Nierenfunktion sollte bestimmt werden und bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance <30 ml/min) eine Kontrolle der Anti-Xa-Aktivität erwogen werden.[7]

Einzelnachweise

  1. RxList zum Tinzaparin
  2. European Pharmacopoeia, 6th Edition, 2008.
  3. Datenblatt Heparin sodium salt from porcine intestinal mucosa bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 29. Mai 2011.
  4. H. A. Spiller: Heparin and Low-Melecular-Weight Heparins. In R. C. Dart: Medical toxicology. 3. Auflage. Lippincott Williams & Wilkins, 2004, ISBN 0-7817-2845-2, S. 618ff.
  5. Tinzaparin Full Prescribing Information USA.
  6. Deutsche Fachinformation Stand: April 2010 http://www.fachinfo.de/data/fi/jsearch/viewPDF?praep&1738593245.
  7. Deutsche Fachinformation Stand: April 2010 http://www.fachinfo.de/data/fi/jsearch/viewPDF?praep&1738593245.
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