Richterit


Richterit

Richterit
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Grüner Richterit aus Badachschan, Afghanistan (Größe: 2,1 x 1,0 cm)
Chemische Formel

Na[CaNa](Mg,Fe2+)5[(OH)2|Si8O22][1][2]

Mineralklasse Silikate und Germanate
9.DE.20 (8. Auflage: VIII/F.09) nach Strunz
66.01.03b.09 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch $ \ 2/m $[3]
Farbe Gelb, Braun, Grauviolett, Dunkelrot, Dunkelgrün, Blau
Strichfarbe Weiß bis Grau
Mohshärte 5 bis 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,97 bis 3,45 ; berechnet: [3,10][2]
Glanz Glasglanz, matt
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch uneben, spröde
Spaltbarkeit vollkommen nach {110}, Spaltwinkel ~56° und ~124°; Absonderungen nach {100} und {001}[2]
Habitus nadelige bis prismatische Kristalle
Zwillingsbildung einfache und multiple Zwillinge parallel {100}[2]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,615 ; nβ = 1,629 ; nγ = 1,636[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,021[4] ; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 68° ; berechnet: 70°[4]
Pleochroismus stark: Hellgelb, Orange, Rot[2]

Das Mineral] Richterit ist ein relativ selten vorkommendes Kettensilikat aus der Gruppe der Amphibole. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Na[CaNa](Mg,Fe2+)5[(OH)2|Si8O22][1][2] und entwickelt meist faserige oder nadelig bis prismatische und senkrecht zur kristallographischen a-Achse [100] abgeflachte Kristalle bis etwa 15 cm Größe von gelber, brauner, grauvioletter, dunkelroter bis dunkelgrüner oder blauer Farbe bei weißer bis grauer Strichfarbe. Neben Einkristallen bildet Richterit häufig einfache oder multiple Kristallzwillinge parallel {100} (bc-Ebene) als Zwillings- und Verwachsungsebene.

Richterit bildet mit Ferrorichterit eine lückenlose Mischkristallreihe.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Richterit in Långban in der schwedischen Gemeinde Filipstad und beschrieben 1865 von August Breithaupt (1791−1873), der das Mineral nach Theodor Richter (1824−1898) benannte, um dessen Verdienste um die Mineralchemie zu ehren.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Richterit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Aluminobarroisit, Alumino-Ferrobarroisit, Alumino-Magnesiotaramit, Barroisit, Ferribarroisit, Ferri-Ferrobarroisit, Ferrikatophorit, Ferri-Magnesiotaramit, Ferritaramit, Ferriwinchit, Ferrobarroisit, Ferrorichterit, Ferro-Winchit, Fluororichterit, Kalium-Fluor-Richterit, Kaliumrichterit, Katophorit, Magnesioferrikatophorit, Magnesiokatophorit, Magnesiotaramit, Parvowinchit, Taramit und Winchit die eigenständige Gruppe der „Amphibolgruppe, Untergruppe Natrium-Calcium-Amphibole“ bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Richterit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Kettenbildung bzw. der Zugehörigkeit zu bestimmten Mineralfamilien und das Mineral findest sich entsprechend in der Unterabteilung der „Klinoamphibole“ wieder, wo es zusammen mit Aluminobarroisit, Alumino-Ferrobarroisit, Alumino-Ferrowinchit, Aluminokatophorit, Alumino-Magnesiotaramit, Aluminotaramit, Barroisit, Ferribarroisit, Ferri-Ferrobarroisit, Ferri-Ferrowinchit, Ferrikatophorit, Ferri-Magnesiokatophorit, Ferritaramit, Ferriwinchit, Ferrobarroisit, Ferrorichterit, Ferro-Winchit, Fluoro-Alumino-Magnesiotaramit, Fluoro-Ferri-Magnesiokatophorit, Fluoro-Magnesiokatophorit, Fluoro-oxy-ferri-magnesiokatophorit, Fluororichterit, Fluorotaramit, Kalium-Aluminotaramit, Kalium-Fluor-Richterit, Katophorit, Magnesiokatophorit, Magnesiotaramit, Parvowinchit, Kaliumferritaramit, Kaliumrichterit, Taramit und Winchit die „Ca-Alkali-Klinoamphibole, Winchit-Richterit-Gruppe“ mit der System-Nr. 9.DE.20 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Richterit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2“. Hier ist er zusammen mit Winchit, Parvowinchit, Ferrowinchit, Ferriwinchit, Ferroferriwinchit, Barroisit, Aluminobarroisit, Ferrobarroisit, Aluminoferrobarroisit, Ferribarroisit, Ferro-Ferribarroisit, Ferri-Ferrobarroisit, Fluororichterit, Kalium-Fluororichterit, Kaliumrichterit, Ferrorichterit, Magnesiokatophorit, Katophorit, Magnesioferrikatophorit, Ferrikatophorit, Magnesiotaramit, Aluminotaramit, Aluminomagnesiotaramit, Taramit, Ferri-Magnesiotaramit, Ferritaramit, Fluoropargasit, Parvo-Mangano-Edenit und Parvo-Manganotremolit in der „Gruppe 3, Natrium-Calcium-Amphibole“ mit der System-Nr. 66.01.03b innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2 Amphibol-Konfiguration“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Gelber Richterit aus Badachschan, Afghanistan
Massiger, orangefarbener Richterit und Braunit (grau) aus Långban, Schweden

Richterit bildet sich durch Kontaktmetamorphose in Kalkstein, alkalischen Eruptivgesteinen oder Karbonatiten. Auch in Meteoriten kann Richterit gefunden werden. Begleitminerale sind unter anderem Apatit, Calcit, Cristobalit, Diopsid, Enstatit, Forsterit, Leucit, Natrolith, Phlogopit, Plagioklas, Rhodonit und Schefferit.

Weltweit konnte Richterit bisher (Stand: 2011) an rund 100 Fundorten nachgewiesen werden. Bekannt sind vor allem die Fundorte Wilberforce in Kanada und Långban in Schweden wegen der dort auftretenden, großen Richteritkristalle von bis zu 20 cm Länge.

Außer an seiner Typlokalität Långban im Värmland findet sich Richterit in Schweden noch bei Garpenberg in der Gemeinde Hedemora, Ultevis in Lappland, auf Alnön und bei Söråker in Medelpad sowie bei Hällefors, Lindesberg und Norberg im Västmanland.

In Österreich trat das Mineral bisher nur bei Drosendorf-Zissersdorf im Waldviertel/Niederösterreich auf und in der Schweiz konnte es bisher nur bei Maloja im Kanton Graubünden gefunden werden.

Weitere Fundorte sind die Regionen Badakhshan in Afghanistan; Victoria und Western Australia in Australien; São Paulo in Brasilien; das Balkangebirge in Bulgarien; die Innere Mongolei in China; Korsika in Frankreich; Madhya Pradesh und Westbengalen in Indien; das Aostatal, Latium, Ligurien und Piemont in Italien; Honshū in Japan; British Columbia, Ontario und Québec in Kanada; Nyanza in Kenia; Fianarantsoa auf Madagaskar; der Kachin-Staat in Myanmar; Otjozondjupa in Namibia; die Nordinsel in Neuseeland; Niederschlesien in Polen; Ostsibirien, Kola und der Ural in Russland; das Okres Prešov in der Slowakei; die Kanarischen Inseln, Kastilien-La Mancha und Murcia in Spanien; die Kalahari in Südafrika; Tororo in Uganda sowie in den US-Bundesstaaten Arizona, Arkansas, Kalifornien, Colorado, Hawaii, Kansas, Montana, New Jersey, Texas, Utah und Wyoming.[4]

Kristallstruktur

Richterit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe $ \ C 2/m $ (Raumgruppe Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 9,90 Å, b = 17,98 Å, c = 5,27 Å und β = 104,2° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 630.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Handbook of Mineralogy - Richterite (englisch, PDF 78 kB)
  3. Webmineral - Richterite (englisch)
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Mindat - Richterite (englisch)

Literatur

  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 240.

Weblinks

 Commons: Richterite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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