Naturreaktor Oklo

-1.39444413.160833Koordinaten:

1° 24′ S, 13° 10′ O

Reliefkarte: Gabun
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Naturreaktor Oklo
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Gabun

Der Naturreaktor Oklo in Mounana, in der gabunischen Provinz Haut-Ogooué, ist eine Uranlagerstätte, in der durch natürlich entstandene Urankonzentration eine nukleare Kettenreaktion einsetzte. Mittlerweile sind die Überreste von insgesamt 17 Naturreaktoren in Oklo und im 30 km entfernten Bangombé entdeckt worden.

Die hohe Urankonzentration entstand vor ca. zwei Milliarden Jahren, also im Erdzeitalter des Proterozoikum. Der Kernreaktor war ca. 500.000 Jahre lang aktiv und setzte während dieses Zeitraums, bei einer thermischen Leistung von bis zu 100 kW, Energie im unteren dreistelligen Tera-Wattstunden-Bereich frei. Das entspricht in etwa der Energiemenge, die ein durchschnittliches Kernkraftwerk in einem Zeitraum von vier Jahren erzeugt. Im Zuge dessen wurden insgesamt etwa 10 Tonnen 235U nuklear gespalten und aus 238U etwa 4 Tonnen 239Pu erzeugt. Ihre Aktivitäten kamen vor mindestens ca. 1,5 Milliarden Jahren zum Erliegen, da sich der natürliche Isotopenanteil von 235U zu diesem Zeitpunkt so weit reduziert hatte, dass die Bedingungen für selbsterhaltende Spaltungsprozesse nicht mehr gegeben waren.

Geologische Voraussetzungen des Naturreaktors in der Oklo-Mine:
1. Reaktorzonen
2. Sandstein
3. Erzflöz
4. Granitstock

Geschichte

Bereits 1956 wurde von Paul K. Kuroda (USA) die Möglichkeit der Existenz von Naturreaktoren erörtert. Die notwendigen Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung eines Kernspaltungsprozesses sind:

  • die ausreichende Menge und Konzentration spaltbarer Isotope wie z. B. 235U
  • die Abwesenheit von Stoffen wie z. B. Blei oder Cadmium, die freie Neutronen absorbieren und so dem Prozess entziehen.
  • die Anwesenheit eines Moderators aus leichten Atomen wie z. B. Wasser zum Abbremsen der schnellen Neutronen.

Seine These wurde kontrovers diskutiert, da man ein Zusammentreffen dieser Bedingungen in der freien Natur für zu unwahrscheinlich hielt.

1972 entdeckte der französische Physiker Francis Perrin in der Urananreicherungsanlage von Eurodif in Pierrelatte (Frankreich) eine Anomalie im Isotopenverhältnis von UF6, das aus dem Uranerz der Oklo-Mine aus Gabun gewonnen worden war. Insbesondere das Isotop 235U wies einen im Vergleich zu allen anderen auf der Welt befindlichen Lagerstätten niedrigeren Anteil auf. Statt des üblichen Anteils von 0,7202 % wurde nur ein Anteil von 0,7171 % 235U (0,0031 Prozentpunkte weniger) gemessen.[1] Diese Differenz mag zunächst irrelevant erscheinen. Da aber das Isotopenverhältnis im Natururan auf der Erde, im Mondgestein und auch bei gefundenen Meteoriten sehr exakt bei 0,7202 % für 235U liegt, wurde dies als eine „deutliche Abweichung“ interpretiert. Es wurden später in anderen Proben aus der Oklo-Mine sogar noch geringere 235U-Anteile gemessen.

Die ersten Erklärungsversuche zogen frühere oberirdische Kernwaffenexperimente als Ursache in Betracht. Die damit verbundenen kurzlebigen Isotope konnten jedoch nicht gefunden werden, so dass diese Theorie verworfen wurde. Die daraufhin angestellten Untersuchungen führten zur Entdeckung des Reaktors. Als der Reaktor vor ca. zwei Milliarden Jahren aktiv war, betrug sein 235U-Anteil ca. 3 % (Die Halbwertszeit von 235U beträgt ca. 704 Millionen Jahre). Da der Reaktor längst erloschen ist, fehlen in seinem Umfeld alle Reaktionsprodukte kurzer Halbwertszeit. Reaktionsprodukte längerer Halbwertszeit existieren in genau jenem Isotopenverhältnis, wie man es von einem Reaktor mit verbrauchtem Brennstoff erwartet. Beispielsweise unterscheidet sich das Isotopenverhältnis bei Neodym im Oklo-Erz deutlich vom Weltdurchschnitt: nur 6 % 142Nd statt der üblichen 27 %.

Funktionsweise

Neue Untersuchungen zeigen, dass dieser natürliche Reaktor durch Zufluss von (Grund-)Wasser moderiert wurde, was eine zyklische Aktivität nach sich zog: Etwa 30 Minuten lang bremste das Wasser die Neutronen auf die erforderliche Geschwindigkeit für die Kernspaltung ab. Dabei erhitzte es sich und verdampfte. Ohne Wasser waren die Neutronen zu schnell für eine Kettenreaktion, was zur Folge hatte, dass diese zeitweilig zum Erliegen kam. In dieser Zeit – etwa 2 bis 2,5 Stunden – lief Wasser nach, bis wieder genügend für die Kettenreaktion vorhanden war und der Zyklus erneut begann.

Forschung

Für die moderne Wissenschaft liefern Naturreaktoren äußerst interessante Erkenntnisse. Sie lassen unter anderem Rückschlüsse darauf zu, wie sich radioaktive Stoffe in der Natur verbreiten, was im Hinblick auf die Planung atomarer Endlager große Bedeutung hat. Allerdings schreibt etwa die NAGRA, solche Natur-Analoga dürften dennoch nicht als 100-Prozent-Beweise, sondern nur als „Hinweise“ für das Verhalten von Endlagern betrachtet werden.[2]

Das vorgefundene Verhältnis von Nukliden lässt einen Rückschluss darauf zu, dass vor zwei Milliarden Jahren die Kernreaktionen genauso abliefen wie heute, und setzt damit einer möglichen Veränderung von Naturkonstanten, insbesondere der Feinstrukturkonstanten, enge Grenzen.[3]

Anhang

Belege

  1. Robert Loss (25. Oktober 2005): Oklo Fossil Reactors – Who discovered these Natural Fossil Reactors?. Curtin University of Technology Australia. Abgerufen am 8. Februar 2009.
  2. Wie die Natur konserviert und entsorgt. In: nagra info 22, November 2006, S. 3
  3. C. R. Gould, E. I. Sharapov, S. K. Lamoreaux, Time-variability of alpha from realistic models of Oklo reactors, Phys. Rev. C 74, 024607 (2006)arXiv:nucl-ex/0701019

Literatur

Weblinks

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