Melilith


Melilith

Melilith
Orthit 12.jpg
Orthit und Melilith (bläulich) mit Quarz, gekreuzte Polarisatoren
Chemische Formel

(Ca,Na)2(Mg,Al)[4][Si2O7]

Mineralklasse Silicate und Germanate
9.BB.10 (8. Auflage: VIII/C.02) nach Strunz
55.04.01.03 nach Dana
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin tetragonal-skalenoedrisch 42m[1]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P421m (Raumgruppen-Nr. 113)
Farbe farblos, weiß, grau, gelb, grünlichbraun
Strichfarbe weiß
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) 2,9 bis 3
Glanz Glasglanz, auf frischem Bruch Fettglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch uneben
Spaltbarkeit deutlich nach {001}, undeutlich nach {100}
Habitus tafelig, kurz- bis langsäulig, körnig, massig
Kristalloptik
Brechungsindex nω = 1,632 bis 1,669 ; nε = 1,626 bis 1,658 [2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,006 bis 0,011 [2] ; einachsig negativ

Melilith ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silicate und Germanate“. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Ca,Na)2(Mg,Al)[4][Si2O7][3] und entwickelt meist nur kleine Kristalle im Millimeterbereich mit tafeligem oder kurz- bis langsäuligem Habitus, aber auch körnige bis massige Mineral-Aggregate.

Besondere Eigenschaften

Reiner Melilith ist farblos. Meist erscheint er jedoch durch Fremdbeimengungen von weißer bis grauer, gelber oder grünlichbrauner Farbe.

Vor dem Lötrohr ist Melilith nur schwer zu schmelzen. Säuren zerstören ihn allerdings, wobei er „gelatiniert“.

Etymologie und Geschichte

Erstmal entdeckt wurde Melilith 1796 bei Capo di Bove in den Albaner Bergen in Italien[2] und beschrieben durch Jean-Claude Delamétherie[3], der das Mineral in Bezug auf seine oft honiggelbe Farbe nach den griechen Worten meli für „Honig“ und lithos für „Stein“ benannte[1].

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Melilith zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“, wo er als Namensgeber die „Melilith-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/C.02 und den weiteren Mitgliedern Åkermanit, Andrémeyerit, Barylith, Gehlenit, Gugiait, Hardystonit, Jeffreyit, Kaliobarylith, Meliphan und Okayamalith bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Melilith ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Silikatgruppenbildung, der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen und der Koordination der Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Si2O7-Gruppen, ohne nicht-tetraedrische Anionen; Kationen in tetraedrischer [4] und größerer Koordination“ zu finden ist, wo es ebenfalls als Namensgeber die „Melilith-Gruppe“ mit der System-Nr. 9.BB.10 und den weiteren Mitgliedern Åkermanit, Barylith, Cebollit, Gehlenit, Gugiait, Hardystonit, Jeffreyit und Okayamalith bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Melilith in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen, generell ohne zusätzliche Anionen“ ein. Auch hier ist er als Namensgeber der „Melilith-Gruppe“ mit der System-Nr. 55.04.01 und den weiteren Mitgliedern Åkermanit, Gehlenit und Okayamalith innerhalb der Unterabteilung der „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen, generell ohne zusätzliche Anionen und mit Kationen in [8] und niedrigerer Koordination“ zu finden.


Bildung und Fundorte

Melilith bildet sich häufig als Gemengteil in ultrabasischen, calciumreichen Vulkaniten, wobei er sehr oft in Paragenese mit Perowskit auftritt.

Weltweit konnte Melilith bisher (Stand: 2010) an 130 Fundorten nachgewiesen werden, so unter anderem in Algerien, in der Antarktis, Bolivien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Grönland, Israel, Italien, Jemen, Kanada, Kasachstan, in der Demokratischen Republik Kongo,Madagaskar, Marokko, Mexiko, Namibia, Norwegen, Österreich, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Tansania, Tschechien, den USA, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) sowie im Westjordanland (Palästinensische Autonomiegebiete).[4]

Melilith ist außerdem ein häufiger Bestandteil sogenannter CAIs (Calcium-Aluminium-reiche Einschlüsse) in Meteoriten, die zu den ältesten Materialien unseres Sonnensystems gehören.[5]

Kristallstruktur

Melilith kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe P421m mit den Gitterparametern a = 7,83 Å und c = 5,00 Å[6] sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle[1].

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Webmineral - Melilite (englisch)
  2. 2,0 2,1 2,2 Mindat - Melilite (englisch)
  3. 3,0 3,1  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 569.
  4. Mindat - Localities for Melilite
  5. Th. Posch et al.: Infrared spectroscopy of calcium-aluminium-rich inclusions (CAIs): Analog material of protoplanetary dust? The Astrophysical Journal, 656 (2007), S. 615-620
  6. American Mineralogist Crystal Structure Database - Melilite (englisch, 2005)

Literatur

  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 689.

Weblinks

 Commons: Melilite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
  • Mineralienatlas:Melilith (Wiki)