Gummi arabicum

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Gummi-arabicum-Pulver

Gummi arabicum (auch Gummiarabikum) wird als Exsudat aus dem Pflanzensaft von Verek-Akazien (Acacia senegal) und Seyal-Akazien (Acacia seyal) gewonnen. Gummi arabicum ist ein natürliches Polysaccharid (Mehrfachzucker).

Beschreibung

Acacia senegal aus Koehler, 1887

Gummi arabicum besteht aus farblosen bis braunen, matten, spröden, geruchlosen Stücken mit glänzendem Bruch, die sich in warmem Wasser zu einer klaren, zähen, klebrigen, fad schmeckenden und schwach sauer reagierenden Flüssigkeit auflösen, unlöslich in Alkohol.

Es besteht hauptsächlich aus den sauren Erdalkali- und Alkalisalzen der sogenannten Arabinsäure (Polyarabinsäure), unter der man ein verzweigtes, aus L-Arabinose, D-Galactose, L-Rhamnose und D-Glucuronsäure im Verhältnis 3:3:1:1 bestehendes Polysaccharid versteht.

Der jährliche Weltbedarf von 50.000 bis 60.000 Tonnen wird zu 50 Prozent aus dem Sudan gedeckt. Früher lieferte er 90 % des Bedarfs. Mittlerweile sind auch der Tschad, Senegal und Nigeria starke Produzenten. Als die USA 1997 ein striktes Handelsembargo verhängten, nahmen sie kurz darauf Gummi arabicum davon aus.[1]

Es wird hauptsächlich aus den Rinden verschiedener Akazien gewonnen.

Verwendung

Als Lebensmittelzusatzstoff wird Gummi arabicum Lebensmitteln als Verdickungsmittel, Emulgator und als Stabilisator zugesetzt. Hierbei ist vor allem die Anwendung in Getränke-Emulsionen sowie im Süßwarenbereich und in der Medikamentenherstellung (Gummi-Artikel und Überzug von Dragees) hervorzuheben. So würde sich zum Beispiel in Coca-Cola ohne Gummi arabicum der schwarze Farbstoff an der Flaschenwand absetzen.[2]

Eine ehemals weit verbreitete Verwendung von Gummi arabicum ist die Gummierung von Papier. Dadurch werden Etiketten, Briefmarken, Briefumschläge, Zigarettenpapier, Verpackungen oder Klebebänder beim Anfeuchten verschließbar bzw. "klebbar" gemacht.

Gummi arabicum wird zur Herstellung von Künstlerfarben verwendet: für Aquarell-, Gouache- und Temperafarben. Dabei dient es als Bindemittel für die Farbpigmente. Auch in der Glasmalerei werden die pulvrigen, keramischen Glasschmelzfarben damit malfähig angerieben. Im Orgelbau wird Gummi arabicum in einer Mischung mit Kreide zum Oberflächenschutz und später zum Polieren bei der Herstellung von Metallpfeifen eingesetzt.

Auch in der klassischen Lithografie fand Gummi arabicum für die notwendige Vorbehandlung der Lithosteine vor dem eigentlichen Farbauftrag Verwendung.

Louis-Alphonse Poitevin entwickelte 1855 ein fotografisches Pigmentverfahren mit Gummi arabicum und Chromaten. Der Gummidruck ist eines der klassischen Edeldruckverfahren, das 1858 von John Pouncy (1820–1894) verbessert wurde. Es wird auch heute noch von Künstlern und Fotografen angewendet.

Im Alten Ägypten wurde Gummi arabicum zur Einbalsamierung von Toten verwendet.

Eine Lösung von Gummi arabicum nennt man Gummiwasser. Aus Gummiwasser und Ruß wurde schon in der Antike in Ägypten und China Tinte hergestellt.

Einstufung und Kennzeichnung

CAS-Nr.: 9000-01-5 Gummi Arabicum ist nach der Stoffrichtlinie 67/548/EWG und nationalen Regelungen nicht kennzeichnungspflichtig.

In der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 414 zugelassen.

Gewinnung

Man schneidet die Baumrinde in einem nach unten gerichteten Winkel ein. Der austretende Milchsaft bildet einen Tropfen mit einem Durchmesser von 2 - 7 cm. Dieser Saft wird aufgefangen und getrocknet. Meist wird jeden zweiten Tag ein weiterer Schnitt unterhalb des alten gemacht.

Aus dem heraussickernden Harz kann sich im Laufe von 45 Tagen eine oberflächlich harte Blase bilden, die geerntet wird. Der Baum braucht bis zu 4 Jahre, um sich davon wieder zu erholen.

Literatur

  • Louis Edgar Andes: Gummi arabicum und dessen Surrogate in festem und flüssigem Zustande. Darstellung der Sorten und Eigenschaften des arabischen Gummi, seiner Verfälschungen, Fabrikation des Dextrins und anderer Stärkeproducte, sowie der Surrogate für Gummi aus Dextrin und anderen Materialien. A. Hartlebens Verlag, Wien 1896

Einzelnachweise

  1. Guillaume Pitron: Gummiarabikum, Unbekannt und unentbehrlich. In: Le Monde diplomatique vom 8. April 2011.
  2. Pitron, Ebenda.

Weblinks

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