Godlevskit


Godlevskit

Godlevskit
Andere Namen
  • IMA 1968-032
Chemische Formel

(Ni,Fe)9S8

Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze
2.BB.15b (8. Auflage: II/B.17) nach Strunz
02.07.04.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-disphenoidisch; 222[1]
Farbe Bronzegelb bis Hellgelb
Strichfarbe grau
Mohshärte nicht definiert (Vickershärte: 383 bis 415 (40 bis 50 g)[2]
Dichte (g/cm3) berechnet: 5,273[2]
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig
Bruch
Spaltbarkeit
Habitus

Godlevskit (auch Godlewskit[3]) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der idealisierten Zusammensetzung (Ni,Fe)9S8 (genauer (Ni8,7Fe0,3)S8[4]), ist also chemisch gesehen ein Nickel-Eisen-Sulfid.

Godlevskit konnte bisher nur in Form von körnigen und meist komplex verzwillingten Kristallen bis etwa einem Millimeter Größe sowie körniger Aggregate gefunden werden. Die Farbe der undurchsichtigen Kristalle gleicht einem bronzeähnlichen Gelb mit Metallglanz auf den Oberflächen.[5] In polierten Dünnschliffen ist er eher Hellgelb.[2]

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Godlevskit in der Kupfer-Nickel-Lagerstätte zwischen Norilsk und Talnach (englisch Talnakh) in Russland (Ostsibirien) und beschrieben 1969 durch E. A. Kulagov, T. L. Evstigneeva und O. E. Yushko-Zakharova, die das Mineral nach dem russischen Geologen Mikhail Nikolaevich Godlevskii (1902-1984) benannten.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Godlevskit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur > 1:1“, wo er zusammen mit Kharaelakhit und Mackinawit die unbenannte Gruppe II/B.17 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Godlevskit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Metallsulfide, M : S > 1 : 1 (hauptsächlich 2 : 1)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Nickel (Ni)“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.BB.15b bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Godlevskit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 02.07.04 innerhalb der Unterabteilung der „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=9:8“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Godlevskit bildet sich entweder in Hydrothermaladern oder in Peridotiten zusammen mit anderen Nickelsulfiden. Begleitminerale sind unter anderem Bornit, Chalkopyrit, Heazlewoodit, Magnetit, Millerit, Pentlandit, Pyrit und Pyrrhotin.[2]

Als seltene Mineralbildung konnte Godlevskit bisher (Stand: 2012) nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei rund 20 Fundorte als bekannt gelten.[6] Neben seiner Typlokalität Norilsk-Talnach fand sich das Mineral in Russland bisher nur noch im Yoko-Dovyrensky Massiv nahe dem Baikalsee in der Republik Burjatien.

Fundorte sind unter anderem Mount Clifford in Westaustralien, Dobromirtsi bei Goze Deltschew in Bulgarien, die Jianchaling-Goldlagergstätte im Kreis Mian in China, Qeqertarsuatsiaat in Grönland, die „Fukumaki Mine“ bei Kudamatsu in Japan, die „Texmont Mine“ bei Timmins und die „Orford Nickel Mine“ bei Saint-Denis-de-Brompton (Le Val-Saint-François) in Kanada, bei Bou Azer nahe Tazenakht in der marokkanischen Provinz Ouarzazate, das Braszowice-Brzeźnica-Massiv nahe Ząbkowice Śląskie (deutsch: Frankenstein) in Polen, die „New Amianthus Mine“ bei Barberton in Südafrika, die „Dağküplü Mine“ und die „Kavak Mine“ bei Eskişehir in der Türkei sowie bei Moapa im Clark County (Nevada) in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[7]


Kristallstruktur

Godlevskit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe C222 (Raumgruppen-Nr. 21) mit den Gitterparametern a = 9,34 Å; b = 11,22 Å und c = 9,43 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Siehe auch

Literatur

  •  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 426.

Weblinks

  • Mineralienatlas:Godlevskit (Wiki)

Einzelnachweise

  1. Webmineral - Godlevskite
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Godlevskite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 61,4 kB)
  3.  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1979, ISBN 3-342-00288-3, S. 319.
  4. 4,0 4,1  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 70.
  5.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
  6. Mindat - Anzahl der Fundorte für Godlevskit
  7. Mindat - Godlevskite