CDP-Cholin


CDP-Cholin

Strukturformel
Struktur von CDP-Cholin
Allgemeines
Name CDP-Cholin
Andere Namen
  • Cytidin-5′-diphosphocholin
  • Citicolin
  • IUPAC: [(2R,3S,4R,5R)-5-(4-Amino-2-oxopyrimidin-1-yl)- 3,4-dihydroxyoxolan-2-yl]methyl- [oxido-[2-(trimethylazaniumyl)ethoxy] phosphoryl] phosphat
Summenformel C14H26N4O11P2
CAS-Nummer 987-78-0
PubChem 13805
ATC-Code

V06DX50

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

diätetisches Lebensmittel

Verschreibungspflichtig: nein
Eigenschaften
Molare Masse 487,32 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar

H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
LD50
  • 27,14 g·kg−1 (Maus, oral) [2]
  • 18,5 g·kg−1 (Ratte, oral) [2]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

CDP-Cholin ist ein Nukleosiddiphosphat mit der Base Cytosin, das über einen Phosphorsäureester mit Cholin verknüpft ist. CDP-Cholin ist wasserlöslich und besitzt eine sehr gute Bioverfügbarkeit (> 90 %).

Wirkung im Körper

CDP-Cholin ist ein Zwischenprodukt des Zellmembranstoffwechsels, der als essentieller Baustein für die Biosynthese von Zellmembran-Phospholipiden (Phosphatidylcholin, auch: Lecithin) benötigt wird. CDP-Cholin wird endogen synthetisiert und stellt den limitierenden Schritt der Phosphatidylcholin-Synthese dar, dem wichtigsten Stoffwechselschritt zum Aufbau und zur Reparatur von Zellmembranen.

Pharmakokinetische Studien an gesunden Erwachsenen zeigten, dass oral appliziertes CDP-Cholin sehr schnell absorbiert und weniger als 1 % enteral ausgeschieden wird.[3][4] Exogen appliziertes CDP-Cholin wird in der Darmwand und in der Leber hydrolysiert und als Cholin und Cytidin absorbiert. Cholin und Cytidin werden dann weiter verstoffwechselt, passieren u.a. die Blut-Hirn-Schranke, um im Gehirn in CDP-Cholin resynthetisiert zu werden.[5] Pharmakokinetische Studien zeigen, dass die Ausscheidung respiratorisch über die Lunge sowie über den Urin analog zur Plasmaverfügbarkeit biphasisch verläuft.[6]

Cytidin, ein wichtiger Bestandteil von Nukleinsäuren (DNA/RNA), wird zytoplasmatisch in Cytidintriphosphat (CTP) umgewandelt. Im CDP-Cholin-Stoffwechsel wird Cholin durch das Enzym Cholin-Kinase phosphorylisiert. In der nachfolgenden Reaktion wird das Produkt Phosphorylcholin durch das Enzym CTP-Phosphocholin-Cytidintransferase (CCT) mit CTP unter Abspaltung einer Pyrophosphatgruppe zu CDP-Cholin umgesetzt.[7] Im letzten Schritt, katalysiert durch das Enzym Cholin-Phosphotransferase, reagiert CDP-Cholin mit Diacylglycerol zu Phosphatidylcholin.[8]

Im Tierversuch zeigte sich nach einer Behandlung mit 500 mg/kg KG/Tag über 90 Tage ein Anstieg der Phosphatidylcholin-Spiegel um 25 %, der Phosphatidylethanolamin-Spiegel um 17 %, und der Phosphatidylserin-Spiegel um 42 %.[9] Cholin und Cytidin, die Hauptmetaboliten von CDP-Cholin, können bereits nach einer oralen Einmalgabe von CDP-Cholin durch signifikant erhöhte Plasmaspiegel bei jungen und älteren Patienten nachgewiesen werden. Durch MR-spektroskopische Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass eine Behandlung mit CDP-Cholin über Wochen bei älteren Menschen die Plasmaspiegel von Phosphodiestern, Nebenprodukten des Phospholipid-Stoffwechsels, im Gehirn signifikant ansteigen lässt. Eine CDP-Cholin Behandlung erhöht somit die Phospholipid-Synthese sowie den Turnover.[10] CDP-Cholin hat sich in toxikologischen Tests als sehr sicher erwiesen, zeigte keine bedeutenden systemischen cholinergen Effekte.[11]

Einsatzgebiete

CDP-Cholin ist in Deutschland als „diätetisches Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke“ (ergänzende bilanzierte Diät; Handelsname: Ceraxon®) erhältlich.

Aufgrund seiner Wirkungsweise wurde CDP-Cholin schon früh mit regenerativen Funktionen bei traumatischen und degenerativen Hirnerkrankungen in Zusammenhang gebracht. Exogen zugeführtes CDP-Cholin wurde bei mehr als 11.000 Patienten in klinischen Studien untersucht (Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Demenz). Besonders gut entschlüsselt sind die Wirkungen von CDP-Cholin nach einem (ischämischen oder hämorrhagischen) Schlaganfall: Beschrieben sind anti-exzitatorische, anti-oxidative, membran-stabilisierende und regenerative Wirkungen.[12] In klinischen Studien zeigten sich erste Hinweise auf eine Verkleinerung des Infarktvolumens sowie des neurologischen Defizites nach CDP-Cholin-Behandlung bei Schlaganfallpatienten.[13] So ergab eine Pooled-Data-Analyse zur Wirksamkeit von CDP-Cholin bei Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall, dass mehr als jeder vierte mit CDP-Cholin behandelte Patient nach drei Monaten eine weitgehend vollständige Wiederherstellung zeigte (NIHSS-Wert ≤ 1, Barthel-Index ≥ 95 plus mRS-Wert ≤ 1). Zudem bestätigt ein Cochrane-Review der gepoolten Daten aller sieben doppelblinder und placebokontrollierter Studien zum ischämischen Schlaganfall die Wirksamkeit von CDP-Cholin. Die Wahrscheinlichkeit für die Vermeidung von Mortalität/Behinderung im Langzeit-Follow-up fiel deutlich zugunsten von CDP-Cholin aus.[14] Nicht zuletzt aufgrund dieser Daten wird CDP-Cholin seit über 30 Jahren weltweit zur Schlaganfallbehandlung verwendet v.a. in Europa, Lateinamerika und Asien. Nach strengen evidenzbasierten Kriterien fehlt allerdings bislang ein Wirkungsnachweis aus einer multizentrischen Phase-III-Studie, der jedoch in einer internationalen Phase-III-Studie (ICTUS; International Citicholin Trial in Acute Stroke) aktuell geführt wird.

Als weitere Einsatzgebiete werden u.a. kognitive Störungen unterschiedlicher Genese diskutiert, z.B. Demenz, Morbus Parkinson, Drogenabhängigkeit, Alkoholismus, Amblyopia und Glaukom,[15] sowie als Schutz der Endothelzell-Membranen bei Komplikationen nach infektiösen Erkrankungen wie Sepsis oder zerebraler Malaria.[16]

Handelsnamen und Darreichungsformen Ceraxon® 500 mg, Trommsdorff GmbH & Co. KG Arzneimittel

Einzelnachweise

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. 2,0 2,1 CDP-Cholin bei ChemIDplus
  3. Schäbitz WR. CDP-Cholin zur Behandlung des Schlaganfalls. Psychopharmakologie. 2009; 3:101-105.
  4. Davalos A, Castillo J, Alvarez-Sabin J, et al. Oral citicoline in acute ischemic stroke: an individual patient data pooling analysis of clinical trials. Stroke 2002;33:2850-2857.
  5. Rao AM, Hatcher JF, Dempsey RJ. CDP-choline: neuroprotection in transient forebrain ischemia of gerbils. J Neurosci Res 1999;58:697-705.
  6. Dinsdale JR, Griffiths GK, Rowlands C, et al. Pharmacokinetics of 14C CDP-choline. Arzneimittelforschung 1983;33:1066-1070.
  7. G-Coviella IL, Wurtman RJ. Enhancement by cytidine of membrane phospholipid synthesis. J Neurochem 1992;59(1):338-343.
  8. D’Orlando KJ, Sandage BW Jr. Citicoline (CDP-choline): mechanisms of action and effects in ischemic brain injury. Neurol Res 1995;17:281-284.
  9. Lopez-Coviella I, Agut J, Savci V, et al. Evidence that 5’-cytidinediphosphocholine can affect brain phospholipid composition by increasing choline and cytidine plasma levels. J Neurochem 1995;65:889-894.
  10. Babb SM, Wald LL, Cohen BM, et al. Chronic citicoline increases phosphodiesters in the brains of healthy older subjects: an in vivo phosphorus magnetic resonance spectroscopy study. Psychopharmacology (Berl)
  11. Secades JJ, Lorenzo JL. Methods Find Exp Clin Pharmacol. 2006;28(Suppl B):1-56.
  12. Schäbitz WR et al. J Neurol Sci 1996,138:21–5
  13. Schäbitz WR. CDP-Cholin zur Behandlung des Schlaganfalls. Psychopharmakologie. 2009; 3:101-105.
  14. Saver JL: 27th ISC, San Antonio, Texas 2002
  15. Secades JJ, Lorenzo JL. Methods Find Exp Clin Pharmacol. 2006;28(Suppl B):1-56.
  16. Jambou R, El-Assaad F, Combes V, Grau GE. Citicoline (CDP-choline): What role in the treatment of complications of infectious diseases. Int J Biochem Cell Biol. 2009;1(7):1467-70. Epub 2009 Feb 23.

Siehe auch

Weblinks