Buna (Kautschuk)

Buna war ein eingetragenes Warenzeichen der I.G. Farbenindustrie AG und ist heute eingetragene Marke der Chemiekonzerne Dow Chemical[1] und der Lanxess AG.[2] Buna steht als Synonym für einen synthetischen Kautschuk.

Geschichte

Herstellung von Synthesekautschuk bei Bayer

Der Styrol-Butadien-Kautschuk wurde 1927 durch den deutschen Chemiker Walter Bock in Leverkusen entwickelt. 1929 erhielt die I.G. Farben AG das erste zugehörige Patent. Da das nationalsozialistische Regime zur Einsparung von Devisen und zur Schaffung von Arbeitsplätzen den Ersatz von importierten Rohstoffen anstrebte, in diesem Fall des zur Produktion von Gummi benötigten Naturkautschuks, wurde Buna ab 1937 erstmals großtechnisch produziert. Der Name erklärt sich aus den Anfangsbuchstaben der Chemikalien, die zur Synthese benötigt werden: Butadien und Natrium. Natrium fungierte als Katalysator für die Polymerisation des Butadien. Buna (-S) ist aber genauer ein Copolymer aus 70 % Butadien und 30 % Styrol im Gegensatz zu Naturkautschuk, einem biochemischen Isopren-Polymer.

Im Herbst 1935 wurde auf dem Gebiet der Gemeinden Schkopau und Korbetha nördlich von Merseburg im heutigen Sachsen-Anhalt von der I.G. Farbenindustrie eine erste Produktionsstätte unter dem Namen „Buna-Werke“ Schkopau (später auch Chemische Werke Buna Schkopau) errichtet. Als Energiequelle diente die im Geiseltal abgebaute Braunkohle; die benachbarten Leunawerke am Rande der Stadt Leuna lieferten den notwendigen Wasserstoff. Die Massenproduktion erfolgte ab 1939. Das Verfahren wurde auch in Lizenz an die Chemischen Werke Hüls vergeben, einer 74-prozentigen Tochtergesellschaft der I.G. Farben, die zum Zwecke der Buna-Produktion 1938 in Marl gegründet worden war. Die Bergwerksgesellschaft Hibernia, welche die restlichen 26 Prozent der Anteile besaß, lieferte die notwendigen Rohstoffe. Auch hier war die Massenfertigung drei Jahre später in Betrieb.

Ein drittes Werk wurde Ende der dreißiger Jahre in Fürstenberg nicht realisiert und stattdessen seit 1940 in Ludwigshafen gebaut. Ab 1941 erfolgte schließlich durch die I.G. Farben der Bau eines vierten und rund 20 Quadratkilometer großen Bunawerkes beim Konzentrationslager Auschwitz III Monowitz. Obwohl sich für den Bau dieses Werkes etwa 20.000 bis 25.000 Zwangsarbeiter[3] systematisch zu Tode arbeiten mussten, kam es nie zur Fertigstellung. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Zwangsarbeiters beim Bau dieses Werkes betrug drei Monate und das Arbeitslager zählte bis zu hunderttausend Häftlinge. Dieses Werk war 1944 die größte Baustelle Europas.[4]

Für die USA bekam die synthetische Produktion von Kautschuk Bedeutung, nachdem Japan im Zweiten Weltkrieg die USA von ihrem wichtigsten Kautschuk-Lieferanten Malaysia abgeschnitten hatte. Die Patente für Buna lagen aber bei der Standard Oil of New Jersey, die sich aufgrund eines Abkommens mit der I.G. Farben weigerte, die Buna-Patente für den amerikanischen Markt freizugeben, worauf eine Untersuchungskommission Standard Oil of New Jersey einer „fortgesetzten Verschwörung zugunsten Deutschlands“ bezichtigte und Harry S. Truman auf einer Pressekonferenz von „Verrat“ sprach. Der amerikanische Kongress beschloss die Freigabe der Buna-Patente für die USA, die Standard Oil of New Jersey musste nachgeben.

Bedeutung für die deutsche Kriegswirtschaft

Aufkommen von Kautschuk (in Tonnen) [5]
Jahr Aufkommen
insgesamt
davon synthetische
Produktion
Prozent
1939  99.000 22.000 22
1940 57.000 40.000 70
1941 96.000 69.000 72
1942 123.000 98.000 80
1943 124.000 117.000 94
1944 104.000 104.000 100

Bei der Aufrüstung der Wehrmacht stellte die Versorgung mit Gummi neben der Treibstoffproduktion einen großen Engpass dar. Im Gegensatz zu Erdöl war das Deutsche Reich bei der Gummiversorgung vollständig auf überseeische Einfuhren angewiesen, so dass schon frühzeitig enorme Mittel in die synthetische Kautschukproduktion investiert wurden. Gemäß dem Krauch-Plan sollte 1943 der Vorkriegsverbrauch von Gummi durch Eigenerzeugung abgedeckt sein, was mit den drei Bunawerken gelang. Eine für die moderne Kriegsführung unerlässliche Motorisierung der Wehrmacht konnte damit aber nicht erreicht werden. Dieser erhöhte kriegswirtschaftliche Bedarf sollte erst 1944 durch das vierte Bunawerk bei Auschwitz abgedeckt werden, das jedoch niemals seine Produktion aufnahm.

Die Herstellung von Kunstkautschuk war technisch problematisch. So benötigte man für die Produktion von Reifen immer noch eine geringe Menge Naturkautschuk, der unter größten Schwierigkeiten durch Blockadebrecher vom Verbündeten Japan herangeschafft werden musste. Des Weiteren war die Produktion äußerst energieintensiv. Für die Herstellung einer Tonne Buna wurden 40.000 Kilowattstunden Strom verbraucht, für synthetisches Benzin dagegen nur 3.000 kWh.[6] Bei einer Nachbetrachtung zeigt sich, dass mit dem Gegenwert der immensen finanziellen Investitionen Naturkautschukvorräte in einer Größenordnung hätten angelegt werden können, die der Menge der Eigenproduktion von Buna während der Kriegsjahre entsprach.[7] Dieser Kalkulation standen jedoch die Interessen des IG-Farbenkonzerns und die Autarkiepläne der NS-Führung entgegen.

Heutige Buna-Produktion

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion von der britischen Besatzungsverwaltung verboten, im Jahre 1950 jedoch infolge des Koreakrieges wieder freigegeben.

Zwischenzeitlich gibt es verschiedene Buna-Typen, die von der Lanxess AG für die Herstellung verschiedener Industrieprodukte wie Kabelummantelungen, Dichtungen, Schläuche, Förderbänder und Reifen angeboten werden.

Styron produziert ebenfalls in Schkopau synthetischen Kautschuk (Kaltpolymerisate) und vermarktet diesen unter dem Markennamen Buna SB.

Sonstiges

Bis heute gelten die Chemischen Werke Hüls (CWH) volksmündlich als „Buna“, obwohl längst andere chemische Produkte wie Waschpulver, Shampoo-Zusätze etc. dem synthetischen Gummi den Rang abgelaufen haben. Die CWH gehörten früher zur I.G. Farben, später zur VEBA und heute zu Evonik Degussa.

Weblinks

Quellenangaben

  1. Markenregister Buna - Dow
  2. Markenregister Buna - Lanxess
  3. Bernd C. Wagner: IG Auschwitz. Zwangsarbeit und Vernichtung von Häftlingen des Lagers Monowitz 1941–1945. München 2000, ISBN 3-598-24032-5, S. 187.
  4. Militärgeschichtliches Forschungsamt: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5/2, S. 434.
  5. Dietrich Eichholz: Geschichte der Deutschen Kriegswirtschaft. Band 2, Akademie-Verlag, Berlin 1985, S.356.
  6. Militärgeschichtliches Forschungsamt: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5/2, S. 456.
  7. Militärgeschichtliches Forschungsamt: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5/2, S. 443.

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