Werner & Mertz

Werner & Mertz GmbH
Werner & Mertz-Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1867
Sitz Mainz-Neustadt, Deutschland
Leitung Reinhard Schneider
Mitarbeiter 920 (in Deutschland)
Produkte Wasch- und Reinigungsmittel Schuhpflege
Website www.werner-mertz.de

Die Werner & Mertz GmbH ist ein deutsches Unternehmen der Haushaltschemie mit Hauptsitz in Mainz.

Geschichte

Erdal-Werk in Hallein im Hintergrund
Der Erdal-Turm

Firmenstandorte und -leitung

Am 23. Oktober 1867 gründeten Friedrich Christoph Werner und Georg Werner, Nachkommen von Wolfgang Werner, einem Glöckner der Mainzer Kirche St. Quintin, die Wachswarenfabrik Gebrüder Werner. 1878 stieß mit Georg Mertz der zweite Namensgeber hinzu. Seitdem firmiert die Wachswarenfabrik unter dem Namen Werner & Mertz.

1887, mit dem Tod von Georg Mertz, übernahm sein Schwager, Philipp Adam Schneider, dessen Anteile und leitete das Unternehmen zusammen mit Friedrich Christoph Werner. Nach einem Feuer in der Fabrik in der Mittleren Bleiche 16 im Mainzer Bleichenviertel wurde am 30. September 1896 in der Mainzer Erthalstraße 5 ein Fabrikneubau bezogen.

Nach Philipp Adam Schneiders Tod am 10. August 1901 übernahm sein Sohn Rudolf im Alter von 19 Jahren die Unternehmensleitung. Ab 1903 leitete er das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Hermann Schneider.

1908 vernichtete ein Großbrand Fabrik- und Wohngebäude in der Erthalstraße, im Herbst wurden in der Ingelheimer Aue die neuen Fabrikgebäude bezogen. Nach einem Brand im Jahre 1917 wurde im Sommer 1918 die Produktion am selben Standort im neu errichten Werk fortgeführt. Bei diesem Neubau entstand auch der „Froschturm“, noch heute Wahrzeichen der „Erdal“ in Mainz. 1944 zerstörte ein Großangriff alliierter Bomberverbände 80 Prozent des Firmengeländes, der Froschturm blieb jedoch erhalten. Am 3. Mai 1946 meldete Radio Frankfurt „Die weltbekannte Erdal-Fabrik produziert wieder“.

Das Zweigwerk in Hallein, Österreich, nahm Anfang 1954 die Produktion auf. Im selben Jahr schied Rudolf Schneider aus der Unternehmensleitung aus. 1962 übergab Hermann Schneider die Unternehmensleitung an seinen Sohn Helmut.

Die größte Investition in der Firmengeschichte war 1996 der Bau eines modernen Logistikzentrums. Helmut Schneiders Sohn Reinhard übernahm 2000 in fünfter Generation die Unternehmensleitung als Vorsitzender der Geschäftsführung. Im September 2010 zog die Hauptverwaltung in ein „Energie-Plus-Bilanz-Haus“ an der Mainzer Rheinallee. [1]

Die Erfindung der Schuhcreme

Basierend auf der Kompetenz in der Wachsverarbeitung entwickelte das Unternehmen Ende des 19. Jahrhunderts eine neuartige Schuhcreme auf Wachsbasis: die zuvor verfügbaren Schuhfärbe- und -glanzmittel, bestehend aus Schwefel, Ruß, Sirup, Melasse und Wasser, hatten zerstörerische Wirkung auf das Leder, hafteten weniger auf den Schuhen, sondern beschmutzten die Beinkleider der Herren und die Röcke der Damen.

Die Entstehung der Schuhpflegemarke Erdal

Um die „Stiefelwichse“ markenrechtlich registrieren zu können, fand man – in Anlehnung an den Straßennamen des Firmensitzes – mit Erdal einen geeigneten Namen. Am 28. September 1901 wurde das Markenzeichen Erdal auf dem Berliner Patentamt mit der laufenden Nummer 50 848 auf der Zeichenrolle abgelegt. Dem Zeitgeist folgend bekam der Markenname 1903 ein Tier aus der Märchenwelt als unverwechselbares Symbol zugeordnet. Der Frosch – ein im und am Wasser lebendes Tier, das die Welt aus der Frosch-Perspektive betrachtet – schien geeignet, die Eigenschaften der neuartigen Schuhpflege bildhaft darzustellen. Bis zum 1. Weltkrieg zeigte sich fortan die Bildmarke in Form eines grüner Frosch auf der eigens für das Schuhpflegeprodukt entwickelten Verpackung, einer handlichen Blechdose.

Vom Handelsbetrieb zum Markenartikelunternehmen

Produkte der Firma Werner & Mertz: Marken Erdal, Frosch und ratz fatz

Zwischen 1912 und 1939 wuchs das Unternehmen durch neue Schuhpflegeprodukte, Erweiterung von Vertrieb und Logistik sowie Werbung und Verkaufsförderungsaktionen stetig. 1921 war Erdal das meistverkaufte Schuhpflegemittel in Deutschland. Zu der Zeit waren geschätzte 1.200 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt, 1939 wuchs die Belegschaft auf rund 1.800 Beschäftigte an. Nach 1945 steigerte das Unternehmen seine Umsätze durch die Einführung neuer Produkte.

Für die Belieferung von Großverbrauchern wie Gaststätten, Krankenhäusern, Industrieanlagen und Bürogebäuden wurde 1971 die Tana Chemie GmbH gegründet, 1999 die Vertriebsgesellschaft Werner & Mertz Polska , und 2001 die Gesellschaften Werner & Mertz Slowakei und Tschechien.

Seit 1996 ist das Erdal Schuhpflegesortiment lösungsmittelfrei, seit 2009 enthalten emsal-Produkte Inhaltsstoffe auf natürlicher Basis. [2]

2008 lag der Jahresumsatz des Unternehmens bei 284 Mio. Euro.

Auszeichnungen

  • 23. Oktober 1967: Gedenkmünze der Stadt Mainz „für die Treue des Unternehmens zum Standort Mainz“.
  • 1986: Umweltschutzpreis der Stadt Hallein an das Österreichische Zweigwerk.
  • 1991: Verleihung des Österreichischen Staatswappens an das Österreichische Zweigwerk und Würdigung der Bedeutung des Unternehmens für das Land Salzburg und die Stadt Hallein.
  • 2002: Werner & Mertz führt das Umweltmanagementsystem nach DIN EN ISO 14.001 ein und wird EMAS-II-zertifiziert.[3]
  • 2010: Umweltpreis des Landes Rheinland-Pfalz.[4]

Öffentliche Wahrnehmung

Im Jahr 1988 musste sich das Unternehmen und dessen Manager vor Gericht wegen fahrlässiger Körperverletzung und lebensbedrohlicher Gesundheitsgefährdung verantworten. Manager des Unternehmens waren angeklagt, trotz der Kenntnis um die gesundheitlichen Gefahren, die von einem von Werner & Mertz hergestellten und über Tochtergesellschaften (Erdal Rex GmbH, Solitär GmbH) vertriebenen Ledersprays ausgingen, das Produkt weder rechtzeitig vom Markt genommen, noch zeitnah Warnhinweise auf den Produkten aufgebracht zu haben.[5]. In der Revision des Urteils vor dem BGH wurde die Verantwortung und die Haftung der Manager bestätigt.[6]

Siehe auch

Literatur

  • Wolfgang Heck: 100 Jahre Erdal, 1901 - 2001, Die ganze Welt der Schuhpflege, 100 Jahre Markenqualität im Zeichen des Frosches; Hrsg. Werner & Mertz, Mainz, Juli 2001

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Sauber auf der ganzen Linie in Naturschutz heute – Ausgabe 3/99 vom 6. August 1999
  2. Ein Frosch-König im Land der Riesen in Handelsblatt (vom 27. November 2009)
  3. Business and Biodiversity Newsletter November 2009
  4. Verleihung des Rheinland-Pfälzischen Umweltpreises 2010 in der Kategorie Wirtschaft
  5. Papagei im Nebel in Spiegel Seite 89b-91a (vom 22. Februar 1988)
  6. BGHSt 37, 106 - Strafrechtliche Produkthaftung: Lederspray (Server Uni Bern (CH)


50.02128.245497Koordinaten:

50° 1′ 16″ N, 8° 14′ 44″ O

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

01.04.2021
Teilchenphysik
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte.
01.04.2021
Planeten - Elektrodynamik - Strömungsmechanik
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
30.03.2021
Kometen_und_Asteroiden
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
25.04.2021
Raumfahrt - Astrophysik - Teilchenphysik
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen.
25.03.2021
Quantenoptik
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
24.03.2021
Schwarze_Löcher - Elektrodynamik
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Astrophysik
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
23.03.2021
Supernovae - Teilchenphysik
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
23.03.2021
Teilchenphysik
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
19.03.2021
Festkörperphysik - Teilchenphysik
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.