Tagewerk


Tagewerk

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tagewerk (Begriffsklärung) aufgeführt.

Ein Tagewerk oder Tagwerk, von althochdt. tagawerch, war eine früher übliche Bezeichnung für die Arbeit, die an einem Tag geleistet werden konnte. Daraus entwickelte sich − vor allem in der Landwirtschaft − ein Flächenmaß, das als Tw. oder Tagw. abgekürzt wurde.

Tagwerk als Maß

Ursprünglich stammt der Begriff aus der Landwirtschaft und bezeichnet jene Landfläche, die an einem Tag bestellt werden konnte, also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Dabei legte man im Allgemeinen ein Ochsengespann zu Grunde, denn Pferde hatten in der Epoche der Grundherrschaft (etwa in der Zeit vom Frankenreich bis 1848) nur wenige der Bauern oder Halbbauern zur Verfügung.

Die so verstandene Arbeitsleistung bedeutet bei gleichmäßigem Boden und flachem Gelände ein genähertes Flächenmaß:

  • Das Tagwerk umfasste in Baden, Bayern und Nassau zwischen 25 und 36 a, also 2500 bis 3600 m², speziell in Bayern 3407,27 (nach anderen Angaben 3408) m².
  • Unterteilung in Bayern: 1 Tagwerk = 100 Dezimal = 40 000 Quadratfuß

Entsprechungen sind:

  • In flachen Teilen Österreichs und Württembergs verwendete man das Joch, das in der Schweiz Juchart genannt wird. Es ist im Allgemeinen etwas größer (durchschnittlich 40 a, in der Schweiz 36 a). Im Freistaat der Drei Bünde verwandte man die Mannsmade.
  • In Preußen wurde hingegen vorwiegend in Morgen gerechnet - dem an einem Vormittag zu schaffenden Flächenmaß. Es beträgt im regionalen Durchschnitt etwa 60-70 Prozent des Jochs bzw. Tagwerks, weil man am kühleren Morgen weniger ermüdet. Die Versorgung von Mensch und Tier und auch die Zeit für das Melken ist dabei eher berücksichtigt, falls keine Arbeitsteilung besteht.
  • In Ostfriesland war das Diemat gängiges Flächenmaß, das sich in Flurbezeichnungen bis heute erhalten hat.

Auch in der Antike lag das Tagewerk eines Mannes Flächenmaßen zu Grunde.[1] In Griechenland war das plethron gebräuchlich, in Rom das iugerum (abgeleitet von iugum, das Joch). Ein plethron umfasste etwa 876 m², das iugerum 2500 m² (von dem sich das südliche Joch ableitet).

Im Angloamerikanischem Maßsystem entspricht das heute noch verwendete Acre ca. 4047 m².

Auch in der Torfwirtschaft rechnete man nach dem Tagwerk. So war in der Torfstecherei

  • 1 Tagwerk = 8 Schlag = 32 Stock = 6292 Stück Torfsoden[2]

Tagwerk und Arbeitszeit

Mit der Industrialisierung hat sich der Begriff des Tagwerks auch auf diesen Bereich ausgedehnt und stand als Maß für die tägliche Arbeit eines Industriearbeiters, die seinem Lohn entspricht. In der Alltagssprache ist er hingegen eher selten anzutreffen, z. B. wenn jemand „mit seinem Tagewerk zufrieden ist“, im Süddeutschen durchaus noch gebräuchlich.

Einzelnachweise

  1. Stefan Link: Wörterbuch der Antike, Alfred Kröner Verlag Stuttgart 2002, ISBN 3-520-09611-0.
  2. Jurende's vaterländischer Pilger: Geschäfts- und Unterhaltungsbuchfür alle Provinzen des österreichischen Kaiserstaates: allen Freunden der Kultur aus dem Lehr-, Wehr- und Nährstande, vorzüglich allen Natur- und Vaterlands-Freunden geweiht. Band 21, Winiker, Brünn 1834, S. 360