Paul Pulewka

Paul Pulewka (* 11. Februar 1896 in Elbing; † 22. Oktober 1989 in Tübingen) war ein deutscher Pharmakologe.

Leben

Pulewka schloss 1923 ein Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität Königsberg ab und promovierte dort 1927 am Pharmakologischen Institut in Pharmakologie und Toxikologie. Ab 1929 war er Dozent an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Im Mai 1933 wurde er dort zum außerordentlichen Professor für Pharmakologie und Toxikologie ernannt, er lehrte zur Toxitizität von giftiger Gasen und dem Schutz vor Gasvergiftungen. Er wurde in den Senat der Universität gewählt. Behrend Behrens, sein ehemaliger Assistent, den er und seine Frau bei einem Unfall vor dem Ertrinken gerettet hatten, warnte ihn vor der Gefahr, die Pulewka und seiner jüdischen Ehefrau auf Grund auch seiner öffentlich geäußerten politischen Ansichten drohten.

Pulewka gab seine Professur für Pharmakologie in Tübingen auf und mit Unterstützung durch Mitarbeiter des Außenministeriums gelang es dem Ehepaar, im Oktober 1935 in die Türkei auszureisen. Zunächst war er in Ankara für das zentrale Hygieneinstitut des Gesundheitsministeriums tätig. In Folge des Todes von Atatürk im Jahre 1938 wurde sein Vertrag im November 1940 jedoch nicht verlängert und Pulewka erwog zunächst, einer Einladung an das Dartmouth College in Hanover in Massachusetts zu folgen. Nachdem der vorherige Gesundheitsminister Refik Saydam das Amt des Ministerpräsidenten übernommen hatte, wurde Pulewka nach etwa einem Jahr ohne Beschäftigung erneut eingestellt.

1946 gehörte er zu den ersten Professoren der neu gegründeten medizinischen Fakultät an der Universität Ankara. Er sprach zwar türkisch, hielt jedoch seine Vorlesungen in deutscher Sprache. Er bestand darauf, das sich die Studenten auf der Grundlage ihrer eigenen Skripte weitere Kenntnisse durch Literaturstudium aneigneten. Er wurde auch Direktor des Pharmazeutischen Instituts der Universität Ankara und war als solcher richtungweisend bei der Einführung pharmakologischer Überwachungsmaßnahmen. An dem von ihm geleiteten Refik Saydam Hifzissihha Institut untersuchte er neue Medikamente auch in Tierexperimenten auf eine geeignete Dosierung und ihre Wirkung in Verbindung mit anderen Medikamenten. In einem Abschlussbericht wurden in seinem Institut chemische, pharmazeutische, serologische, mikrobiologische und klinische Untersuchungen der Medikamente, Dosierungsempfehlungen und Kontraindikationen zusammengefasst und mit einer Empfehlung dem Gesundheitsministerium zugeleitet, das auf Grund dieses Berichtes Medikamente zuließ oder die Zulassung verweigerte. In der Lebensmittelüberwachung analysierte er in Tierversuchen die Auswirkungen, die sich aus der Nutzung verschiedener gelb blühenden Rhododendronarten als Quelle des Nektars auf die Toxizität des daraus gewonnen Honigs ergaben, der gewisse Mengen von Andromedotoxin enthielt. So schlug er beispielsweise ein Verfahren vor, um diesen in der Türkei häufig als Lebensmittel verwendeten Honig in bestimmter Weise aufzubereiten, um die sich bei der Nutzung dieser Pflanzen ergebenden toxischen Einflüsse herabzusetzen.

Bis 1954 war er in Ankara tätig, er veröffentlichte ein türkisches Lehrbuch über Pharmakologie und gehörte zu den Herausgebern der türkischen Fachzeitschrift Türk İjiyen ve Tecrübi Biyoloji Dergisi für Hygiene und experimentelle Biologie. Nachdem er 1953 die Annahme der türkischen Staatsbürgerschaft abgelehnt hatte, lief sein Vertrag zum Februar 1954 aus. In seinem Schreiben an Pulewka drückte der Dekan den Dank und die Verbundenheit der Fakultät aus und erlaubte ihm ausdrücklich die weitere Verwendung des Titels als außerordentlicher Professor der Universität.

Pulewka kehrte dann auf eine Einladung hin nach Deutschland zurück, in Tübingen wurde er erneut zunächst als Gastprofessor für Pharmakologie tätig. Dort gründete er 1957 auch das erste toxikologische Institut der Nachkriegszeit in Baden-Württemberg. 1964 gab er seine Lehrtätigkeit auf.

Literatur

  • Arın Namal, Arnold Reisman: Paul Pulewka Founder of Turkey’s Pharmacology, While in Exile from the Nazis: 1935–1955, in: Journal of International Society for the History of Islamic Medicine (Journal of ISHIM), Oktober 2006, S. 21–29, online auf ishim.net (PDF, englisch)
  • Arnold Reisman: Turkey's Modernization: Refugees from Nazism and Atatürk’s Vision. New Academia Publishers, Washington, DC, 2006, S. 204–206 (englisch) online bei books.google.com

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