Nebulium

Grüne Emissionslinien im Katzenaugennebel (NGC 6543), Hubble Weltraumteleskop 1995

Nebulium (selten Nebulum oder Nephelium) ist der Name für ein im 19. Jahrhundert postuliertes hypothetisches Element. Ihm wurden die grünen Emissionslinien im Spektrum planetarischer Nebel und diffuser Gasnebel zugeordnet (vgl. Emissionsnebel).

Entdeckung

William Huggins entdeckte 1864 im planetarischen Nebel NGC 6543 (Katzenaugennebel, Sternbild Drache) als Erster hell leuchtende Linien mit den Wellenlängen 3726, 3729, 4959 und 5007 Ångström. Als mögliche Erklärung für deren Anwesenheit schlug er die Existenz eines auf der Erde noch nicht gefundenen Elements, des Nebuliums, vor.

Erklärung

Erst 1927 identifizierte Ira Bowen die vermeintlichen Nebulium-Linien: Es handelt sich um so genannte verbotene Linien des (doppelt) ionisierten Sauerstoffs, Stickstoffs, Heliums, Neons und einiger anderer Gase. Diese verbotenen Linien können nur bei der sehr geringen Dichte von Gasnebeln (vergleichbar einem irdischen Hochvakuum) entstehen. Im Labor, unter irdischen Normalbedingungen, treten diese Linien wegen der sehr geringen Übergangswahrscheinlichkeit praktisch nicht auf und können daher nicht nachgewiesen werden. Die Linien werden aus historischen Gründen zum Teil bis heute mit N1 und N2 bezeichnet, was mit dem Element Stickstoff jedoch nichts zu tun hat. Verbotene Linien werden heutzutage in eckigen Klammern angegeben, z. B. [O III].

Literatur

  • William Huggins und W. A. Miller: On the Spectra of some of the Nebulae. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Band 154, 1864, S. 437–444.
  • Ira S. Bowen: The Origin of the Nebulium Spectrum. In: Nature. Band 120, 1927, S. 473

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

06.05.2021
Astrophysik - Relativitätstheorie
Teleskop zur Erforschung von Objekten höchster Dichte im Universum
Eine internationale Gruppe von Astronomen hat erste Ergebnisse eines groß angelegten Programms vorgestellt, bei dem Beobachtungen mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop dazu verwendet werden, die Theorien von Einstein mit noch nie dagewesener Genauigkeit zu testen.
11.05.2021
Physikdidaktik - Quantenphysik
Quantencomputing einfach erklärt
„Quantencomputing kompakt“ lautet der Titel eines aktuellen Buchs, das Bettina Just veröffentlicht hat.
06.05.2021
Festkörperphysik - Quantenphysik
Auf dem Weg zum kleinstmöglichen Laser
Bei extrem niedrigen Temperaturen verhält sich Materie oft anders als gewohnt.
28.04.2021
Galaxien - Sterne
Die Entdeckung von acht neuen Millisekunden-Pulsaren
Eine Gruppe von Astronomen hat mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop acht Millisekunden-Pulsare entdeckt, die sich in Kugelsternhaufen mit hoher Sterndichte befinden.
07.04.2021
Teilchenphysik
Handfeste Hinweise auf neue Physik
Das Fermilab (USA) hat heute erste Daten aus dem Myon g-2 Experiment veröffentlicht, welche die Messwerte des gleichnamigen, 2001 durchgeführten Experiments am Brookhaven National Laboratory bestätigen.
19.04.2021
Exoplaneten
Neuer Exoplanet um jungen sonnenähnlichen Stern entdeckt
Astronomen aus den Niederlanden, Belgien, Chile, den USA und Deutschland bilden neu entdeckten Exoplaneten „YSES 2b“ direkt neben seinem Mutterstern ab.
01.04.2021
Teilchenphysik
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte.
01.04.2021
Planeten - Elektrodynamik - Strömungsmechanik
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
30.03.2021
Kometen_und_Asteroiden
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
25.04.2021
Raumfahrt - Astrophysik - Teilchenphysik
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen.