Lumiracoxib


Lumiracoxib

Strukturformel
Struktur von Lumiracoxib
Allgemeines
Freiname Lumiracoxib
Andere Namen

IUPAC: 2-((2-Chlor-6-fluor-phenyl)amino)- 5-methyl-phenylessigsäure

Summenformel C15H13ClFNO2
CAS-Nummer 220991-20-8
PubChem 151166
ATC-Code

M01AH06

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Coxibe

Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 293,72 g·mol−1
Schmelzpunkt

158–159 °C [1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine Einstufung verfügbar

H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Lumiracoxib ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Cyclooxygenase-2-Hemmer (auch COX-2-Hemmer oder Coxibe genannt), der in der Behandlung von Symptomen bei aktivierter Arthrose des Knie- und Hüftgelenks eingesetzt wurde. Im Unterschied zu den anderen selektiven COX-2-Hemmern ist seine Struktur dem des Diclofenac sehr ähnlich.

Lumiracoxib wurde in Deutschland im November 2006 in Form von Tabletten (Prexige® 100 mg) nach einem nicht zentralisierten EU-Verfahren zugelassen. Im November 2007 ordnete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte das Ruhen der Zulassung an.[3] Am 28. März 2008 schließlich wurde die Zulassung aufgrund eines Beschlusses der Europäischen Kommission vollständig widerrufen.[4]

Klinische Angaben

Prexige® 100 mg ist angezeigt für die Behandlung von Symptomen bei aktivierter Arthrose des Knie- und Hüftgelenks bei Patienten ab 18 Jahren. Die Dosierung beträgt 1 x täglich 1 Tablette (100 mg).

Pharmakologische Eigenschaften

Der Wirkstoff wird schnell resorbiert und hat eine relativ kurze Plasmahalbwertszeit von 4 bis 6 Stunden, das heißt, Lumiracoxib kumuliert nicht. Der Wirkstoff ist eine Carbonsäure, diese reichert sich im entzündeten Zielgewebe an und lässt sich dort über 24 Stunden nachweisen. Dies ermöglicht eine 24-Stunden-Therapie mit einer einmal täglichen Dosierung.

Sonstige Informationen

Chemische Informationen

Lumiracoxib wurde vom nichtselektiven COX-Hemmer Diclofenac abgeleitet, das als Standardtherapeutikum in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen eingesetzt wird. Lumiracoxib ist das bisher einzige Coxib ohne Sulfon- oder Sulfonsäureamid-Struktur. Das heißt, dass auf diese Strukturen zurückführbare allergische Reaktionen nicht auftreten können.

Marktrücknahme

Aufgrund von Berichten über schwere Leberreaktionen wurde Lumiracoxib (Tabletten zu 100 mg, 200 mg und 400 mg) in Australien vom Markt genommen. Bei der australischen Gesundheitsbehörde (Therapeutic Goods Administration, TGA) waren zwischen März und August 2007 acht Berichte über schwere Leberschädigungen einschließlich zweier Todesfälle und zweier Lebertransplantationen eingegangen.[5][6] Neuseeland folgte mit der Marktrücknahme für die Stärke 200 mg und 400 mg.[7] Auch in Kanada wurde Lumiracoxib im Oktober 2007 aufgrund von Fällen von schwerer Leberschädigung vom Markt genommen. In den USA wurde das Arzneimittel nicht zugelassen. Die dortige Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) lehnte im September 2007 die Zulassung ab.

Mitte November 2007 wurde in Deutschland und Großbritannien durch die Arzneimittelbehörden bis auf Weiteres das Ruhen der Zulassung angeordnet, auch in Österreich wurde der Vertrieb eingestellt. Im Dezember 2007 hat die Europäische Arzneimittelagentur die Rücknahme der Zulassung im gesamten EU-Markt empfohlen.[8]

Studien

  • Schnitzer TJ, Burmester GR, Mysler E, Hochberg MC, Doherty M, Ehrsam E, Gitton X, Krammer G, Mellein B, Matchaba P, Gimona A, Hawkey CJ; TARGET Study Group: Comparison of lumiracoxib with naproxen and ibuprofen in the Therapeutic Arthritis Research and Gastrointestinal Event Trial (TARGET), reduction in ulcer complications: randomised controlled trial. Lancet. 2004;364(9435):665–674. PMID 15325831

Einzelnachweise

  1. The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 971, ISBN 978-0-911910-00-1.
  2. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  3. Pressemitteilung: BfArM ordnet Ruhen der Zulassung für Prexige an, 19. November 2007
  4. Zulassung von Lumiracoxib widerrufen (Meldung vom 31. März 2008)
  5. Pressemitteilung des BfArM vom 14. August 2007.
  6. Medicines Regulator cancels registration of anti inflammatory drug, Lumiracoxib (Prexige).
  7. Media Releases Prexige 200mg and 400mg tablets to be withdrawn in New Zealand, 21. August 2007.
  8. Press release: European Medicines Agency recommends withdrawal of the marketing authorisations for lumiracoxib-containing medicines, 13. Dezember 2007.
  • Fachinformation Novartis Prexige

Weblinks

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