Krokoit
Crocoite-360746.jpg
Krokoit aus der Adelaide Mine, Dundas, Tasmanien, Australien
(Größe: 4,0 x 4,0 x 2,5 cm)
Andere Namen
  • Rotbleierz
  • Bleichromat
Chemische Formel

Pb[CrO4]

Mineralklasse Sulfate (und Verwandte, siehe Klassifikation)
7.FA.20 (8. Auflage: VI/F.01) nach Strunz
35.03.01.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P21/n (Raumgruppen-Nr. 14)
Farbe Gelb, Gelblichorange, Orange, Hyazinthrot
Strichfarbe Orangegelb
Mohshärte 2,5 bis 3
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,0 bis 6,1; berechnet: [6,10][1]
Glanz Diamantglanz bis Fettglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch kleinmuschelig bis uneben
Spaltbarkeit deutlich nach {110}, undeutlich nach {001} und {100}
Habitus lange, prismatische, nadelige Kristalle; krustige Aggregate
Häufige Kristallflächen {110}, {120}, {111}; untergeordnet auch {001}, {301}, {401}[2]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 2,290(2) nβ = 2,360(2) nγ = 2,660(2)[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,370[3] ; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = 57° (gemessen), 54° (berechnet)[3]
Pleochroismus schwach: X = Y = Rotorange; Z = Blutrot[1]
Weitere Eigenschaften
Schmelzpunkt 844 °C[2]
Ähnliche Minerale Cinnabarit, Realgar

Krokoit, veraltet auch als Rotbleierz oder chromsaures Blei bezeichnet, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb[CrO4], ist also chemisch gesehen ein Bleichromat.

Krokoit entwickelt teilweise sehr formenreiche, meist aber lange, prismatische bis nadelförmige Kristalle bis etwa 15 Zentimetern Länge, die parallel der c-Achse gestreckt und gestreift sind. Die Kristallenden sind oft unvollendet und oft hohl. Ebenso häufig finden sich radialestrahlige Büschel aus zufällig verwachsenen Kristallen und gelegentlich auch derbe Massen und krustige Überzüge.

Die Farbe der durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle variiert zwischen einem kräftigen Gelb über Gelborange bis zu einem leuchtendem Hyazinthrot mit einem fett- bis diamantähnlichen Glanz. Unter Lichteinfluss kann die Farbe allerdings mit der Zeit verblassen.[4]

Mit einer Mohshärte von 2,5 bis 3 liegt Krokoit zwischen den Referenzmineralen Gips (2) und Calcit (3), lässt sich also schon mit einer Kupfermünze ritzen.

Besondere Eigenschaften

Vor dem Lötrohr schmilzt Krokoit leicht und zerknistert dabei stark. Auf Kohle verpufft er und bildet eine bleihaltige Schlacke[5] und auf Phosphorsalz- oder Boraxperle erhitzt werden diese als Reaktion auf den enthaltenen Chrom smaragdgrün gefärbt[4].

Krokoit löst sich in heißer Salzsäure, wobei Chlor frei und PbCl2 abgeschieden wird. Auch in Kaliumhydroxid (KOH) löst er sich unter Braunfärbung.[4]

Unter UV-Licht zeigen manche Krokoite eine dunkelbraune Fluoreszenz.[6]

Etymologie und Geschichte

Getrocknete Safranfäden

Erstmals entdeckt wurde Krokoit im Ural, genauer im Bergwerk Tsvetnoi bei Berjosowski (Swerdlowsk) nahe Jekaterinburg in Russland und beschrieben 1763 durch Michail Wassiljewitsch Lomonossow, der das Mineral als „Rotes Bleierz von Beresowsk“ bezeichnete.[2] Diese Bezeichnung findet sich verkürzt auf Rotbleierz auch in den Aufzeichnungen von Abraham Gottlob Werner.[7]

Nach einigen Schwierigkeiten gelang schließlich Louis-Nicolas Vauquelin 1797 die Analyse des Materials und konnte das bisher unbekannte Element Chrom aus der Verbindung isolieren.[8]

Den bis heute gültigen Namen Krokoit (französisch: Crocoïse bzw. Crocoïte) erhielt das Mineral 1832 durch François Sulpice Beudant, der es aufgrund seiner auffälligen Farbe, die der Farbe von getrockneten Safranfäden ähnelt, nach dem altgriechischen Wort κρόκος Crocus für Safran benannte. Als Synonyme werden in seiner Beschreibung noch Plomb chromaté, Plomb rouge, Roth Bleierz, Chromblei und Chromsaures Blei aufgeführt.[9] Der Name Krokoit wurde 1841 auch von Breithaupt übernommen.[7]

Nicht mehr gebräuchlich ist dagegen die durch Hausmann 1813 überlieferte Bezeichnung Kallochrom aus dem griechischen κάλλος für Schönheit und χρώμα für Farbe.[7]

Henry James Brooke und William Hallowes Miller beschrieben 1852 ein neues Mineral und bezeichneten es nach seinem Entdecker Johann Gottlob Lehmann als Lehmannit. Bei späteren Untersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass dieses Mineral in der Zusammensetzung identisch mit dem bereits bekannten Krokoit war. Der Mineralname Lehmannit wurde daher diskreditiert und gilt seitdem als Synonym für den Krokoit.[10]

Klassifikation

Bereits in der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Krokoit zur Abteilung der „Chromate“, wo er zusammen mit Chromatit und Tarapacait die „Tarapacait-Krokoit-Gruppe“ mit der System-Nr. VI/F.01 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Krokoit ebenfalls in die Abteilung der „Chromate“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit zusätzlichen Anionen“ (ohne weitere Spezifizierung) zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 7.FA.20 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Krokoit in die Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“, in der allerdings auch die Selenate, Tellurate, Selenite, Tellurite und Sulfite vertreten sind. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 35.03.01 innerhalb der Abteilung der „Wasserfreien Chromate“ und der Unterabteilung der „Wasserfreien Chromate mit A+XO4“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten

Als Jossait bezeichnete August Breithaupt 1858 ein von General-Major von Jossa in Beresow erworbene Mineral, das in kleinen gelborangen bis orangefarbigen Kristallen auf Vauquelinit vorkommt und als zinkhaltiges Bleichromat angesehen wurde.[11][12] Inzwischen gilt Jossait als Gemenge aus Krokoit und Smithsonit.[13][14]

Bildung und Fundorte

Krokoit und Pyromorphit (grün) aus der Typlokalität Berjosowski, Jekaterinburg, Ural, Russland (Sichtfeld: 1,5 cm)
Dundasit (weiß) und Krokoit aus Dundas (Tasmanien)

Krokoit bildet sich als seltenes Sekundärmineral in der Oxidationszone von chromhaltigen Blei und Galenit-Lagerstätten. Als Begleitminerale treten verschiedene Blei- und Chrom-Minerale wie unter anderem Anglesit, Cerussit, Descloizit, Dundasit, Embreyit, Phönikochroit, Pyromorphit, Vanadinit, Vauquelinit, Wulfenit sowie Quarz und Limonit auf.

Als seltene Mineralbildung konnte Krokoit bisher (Stand: 2012) nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei rund 80 Fundorte als bekannt gelten.[15] Neben seiner Typlokalität im Bergwerk Tsvetnoi und anderen Bergwerken in der Umgebung der Gold-Lagerstätte von Berjosowski fand sich das Mineral in Russland noch in der Kupfer-Lagerstätte von Mednorudyanskoye bei Nižne Tagil (Nizhnii Tagil) in der Oblast Swerdlowsk.

Der einzige bisher bekannte Fundort in Deutschland ist Callenberg im sächsischen Landkreises Zwickau und in Österreich trat Krokoit bisher nur in der tiroler Gemeinde Nassereith am Alpleskopf und Dirstentritt auf.

Die bisher besten und größten Kristallstufen konnten im Bergwerksgebiet um Dundas auf Tasmanien in Australien geborgen werden. Vor allem aus der „Adelaide Mine“ traten Stufen von mehreren Zentimetern bis über 25 cm Größe[16] zutage.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Brasilien, Chile, China, Frankreich, Italien, Kanada, der Demokratischen Republik Kongo, Mexiko, Namibia, den Philippinen, Rumänien, Simbabwe, der Slowakei, Südafrika, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Kristallstruktur

Krokoit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/n (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 7,13 Å; b = 7,44 Å; c = 6,80 Å und β = 102,4° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[17]

Strukturell ähnelt Krokoit der Monazitstruktur, jedoch mit [CrO4]2+-Tetraedern und Pb2+-Ionen, die von je sieben O2- aus sieben verschiedenen Tetraedern als nächsten Nachbarn umgeben sind.[2]

Verwendung

Als Erz hat Krokoit trotz seines hohen Chromgehaltes von bis zu 16,1 %[18] keine Bedeutung, auch wenn das Mineral in Tasmanien einige Zeit abgebaut wurde[2]. Als synthetisch hergestelltes Bleichromat findet es allerdings als sogenanntes „Chromgelb“ häufige Verwendung in Lacken und Dispersionsfarben.

Auch als Schmuckstein ist Krokoit trotz seiner schönen Farbe und seines Glanzes für den Handel nicht zu gebrauchen, da er zu weich und damit zu empfindlich ist. In seltenen Fällen wird er jedoch für Sammler in Edelstein-Form, meist Treppenschliff, geschliffen.[6]

Siehe auch

Literatur

  •  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1979, ISBN 3-342-00288-3, S. 684.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 152 (Dörfler Natur).

Weblinks

 Commons: Crocoite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Crocoite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 65,8 kB)
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 598-599.
  3. 3,0 3,1 3,2 Mindat - Crocoite
  4. 4,0 4,1 4,2  A. G. Betechtin (А. Г. Бетехтин): Lehrbuch der speziellen Mineralogie. 2. Auflage. VEB Verlag Technik, Berlin 1957 (Originaltitel: Курс минералогии, übersetzt von Wolfgang Oestreich), S. 397-398.
  5.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 617-618.
  6. 6,0 6,1  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 56, 224.
  7. 7,0 7,1 7,2  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 303.
  8.  E. Schweda: Jander/Blasius: Anorganische Chemie I - Einführung & Qualitative Analyse. 17. Auflage. Hirzel, 2012, ISBN 9783777621340, S. 346.
  9. F. S. Beudant: Crocoïse, plomb chromaté, in: Traité Élémentaire de Minéralogie, 2. Auflage, Paris 1832, S. 669-670 (PDF 80,6 kB)
  10. Mindat - Lehmannite
  11. archive.org: A dictionary of the names of minerals inluding their history and etymology; S. 139 (Jossaite)
  12. archive.org: "Handbuch der Mineralchemie; S. 300 (Jossait)
  13. Mindat - Jossaite
  14. indra-g.at: Alte Mineralnamen und Synonyme (PDF 2,65 MB; S. 82)
  15. Mindat - Anzahl der Fundorte für Krokoit
  16. Mindat - Bild einer Krokoit-Stufe aus der Adelaide Mine, Dundas von über 25 cm Größe
  17.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 415.
  18. Webmineral - Crocoite

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