Krankenhausapotheke


Krankenhausapotheke

Teilansicht einer einfachen Krankenhausapotheke in Thailand

Die Krankenhausapotheke ist eine Apotheke im Krankenhaus, die die Stationen, die Ambulanzen und die Mitarbeiter eines Krankenhauses mit Arzneimitteln beliefert. Es erfolgt nur in geringem Maße eine Abgabe von Arzneimitteln direkt an Patienten. Der Berufsverband der deutschen Krankenhausapotheker ist der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA).

Geschichte

Die medizinische Versorgung des Menschen hat ihre Wurzeln in der Antike. Was in den frühen Hochkulturen mit Heilkulten auf der Basis religiöser und philosophischer, aber auch mit der Behandlung von verwundeten Soldaten begann, erfuhr im Laufe der Jahrhunderte eine Weiterentwicklung in der Armen- und Krankenpflege frühchristlicher Orden (Johanniter, Malteser). Später im Mittelalter wurden im christlichen Geist geführte Hospitäler errichtet. In dieser Zeit, die von griechischen, byzantinischen und insbesondere arabischen Einflüssen geprägt war, gewann die Behandlung mit Arzneimitteln – und damit einhergehend der Berufsstand des Apothekers – zunehmend an Bedeutung.

1231 erließ der Staufen Kaiser Friedrich II. eine Medizinalordnung. Sie bildete die Rechtsgrundlage für den Betrieb von Apotheken und schreibt die Trennung der Berufe Arzt und Apotheker fest. Die in den Hospitälern tätigen Apotheker stellten neben oral zu gebenden Arzneimittelzubereitungen wie Säfte, Tinkturen und Pillen („Pillendreher“) auch Salben und Pflaster zur äußerlichen Anwendung her. Die Entwicklung vom Spital zum Krankenhaus vollzog sich schließlich zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert. Der zunehmende Einfluss der Stadtverwaltungen auf die gemeinnützigen Einrichtungen der Krankenpflege und das daraus langsam entwickelnde Gesundheitswesen führten zu einer Erweiterung des Leistungsangebotes der Hospitäler, in dessen Folge sich das Krankenhaus im heutigen Sinne herausbildete.

Die wachsende Begeisterung für die Naturwissenschaften, Erfolge in der Medizin, Pharmazie und Chemie förderten 18. und 19. Jahrhundert den Bau zahlreicher Krankenhäuser in Deutschland. Zugleich wurden vermehrt krankenhausinterne Apotheken gegründet, die eine schnelle, kostengünstige und unabhängige Arzneimittelversorgung sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker gewährleisten sollten. Einer der bekanntesten Krankenhausapotheker des 19. Jahrhunderts war Theodor Fontane, der die Apotheke des Diakonissen-Krankenhauses Bethanien in Berlin leitete.

Im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert wurde die Pharmazie per Gesetz den Naturwissenschaften zugeordnet und eine universitäre Ausbildung vorgeschrieben. Eine qualitätsorientierte Ausbildung sollte unter anderem der Arzneimittelfälschung im Rahmen des freien Warenverkehrs vorbeugen. In der Folgezeit erfuhr die Arzneimitteltherapie eine zunehmende Intensivierung. Dabei bildete sich die Krankenhausapotheke zu einer eigenständigen Organisationseinheit innerhalb des Krankenhauses heraus.

Die heutige Krankenhausapotheke

Das Spektrum der Krankenhausapotheke steht auf drei großen Säulen:

Arzneimittelherstellung

Viele Arzneimittel, die es heute auf dem Markt gibt, wurden erstmals in der Krankenhausapotheke hergestellt. Erst als der Arzneimittelbedarf in der Bevölkerung deutlich anstieg, entstand die industrielle Großproduktion. Heute hat die Arzneimittelherstellung in der Krankenhausapotheke ihren festen Platz, wo sie patientenorientiete, qualitative und ökonomische Vorteile gegenüber dem Angebot der Industrie bietet. Da die pharmazeutische Industrie primär gewinnorientiert ist, werden viele Arzneimittel für kleine Patientengruppen nicht (mehr) oder zu einem nicht akzeptablen Preis angeboten. Durch die individualisierte Herstellung und die Entwicklung neuer Arzneimittel und Arzneiformen in der eigenen Apotheke macht sich das Krankenhaus weitgehend unabhängig bei der Beschaffung.

  • Herstellung von sterilen Arzneimittelzubereitungen: z. B. Infusions- und Injektionslösungen, Augenarzneimittel, Mischinfusionen für die totale parenterale Ernährung und individuelle Zytostatikazubereitungen.
  • Herstellung von Arzneimitteln für klinische Studien: z. B. Randomisierung der Patienten, Verblindung der Studienmedikation, Erstellung von internen Prüf- und Informationsschemata, Herstellung applikationsfertiger Zubereitungen
  • Herstellung von nicht sterilen Arzneimittelzubereitungen: z. B. Kapseln, Säfte, Tinkturen, und Salben in individueller Dosierung
  • Entwicklung neuer Arzneimittel: z. B. Tropfen und Säfte für Kinder, konservierungsmittelfreie Arzneimittel für Allergiker
  • Analytik: z. B. Rohstoff-Kontrolle, In-Prozess-Kontrolle, Stabilitäts- und Kompatibilitätsuntersuchungen, Qualitätssicherung, Endkontrolle und Freigabe des hergestellten Arzneimittels

Arzneimittelinformation

Gestützt auf moderne EDV kommt der Arzneimittelberatung eine große Bedeutung zu. Hierzu zählen die Erteilung von Auskünften bei Arzneimittelfragen seitens Ärzteschaft, Pflegeteam und Patienten, umfangreiche Arzneimittelrecherchen in speziellen Fragestellungen, der Aufbau von Informationsdatenbanken und die Dokumentation von unerwünschten Arzneimittelwirkungen.

Neben der pharmakoökonomischen Beratung zählen die klinisch-pharmazeutische Betreuung onkologischer und pädiatrischer Patienten sowie die Arzneimittel-Anamnese zu den Aufgaben einer Krankenhausapotheke.

Weitere Aufgaben sind:

  • Teilnahme an der Patienten-Visite
  • Beratung und Schulung von Antikoagulantien-, Asthma- und Diabetes-Patienten
  • Arzneimittel-Controlling
  • Geschäftsführung der Arzneimittelkommission im Krankenhaus (Legt das Arzneimittelsortiment der Krankenhausapotheke fest. Das Arzneimittelsortiment wird in der Arzneimittelliste aufgeführt.)
  • Therapeutisches Drug-Monitoring (Plasmaspiegel-Bestimmung und Auswertung von Arzneimittel zur individuellen Dosisfindung)

Logistik

Automatische Behältertransportanlage Typ Telelift für Krankenhäuser, Versendestation Krankenhausapotheke
Baker APS Autoscript III, Kommissionierautomat für Krankenhäuser (1998)

Die pharmazeutische Logistik ist weit mehr als die bloße Belieferung von Arzneimitteln. Sie beinhaltet alle Dienstleistungen, die sicherstellen, dass die richtigen Arzneimittel rechtzeitig und in einwandfreier Qualität – unter Einhaltung aller fachlichen und gesetzlichen Auflagen – wirtschaftlich und rationell zur Verfügung stehen. Das wird zunehmend durch den Einsatz von Arzneimittelkommissioniersystemen (Kommissionier-Robotern, Unit Dose-Automaten) und prozesssicheren Transportsystemen erreicht. Die Krankenhausapotheke ist eng mit dem Einkauf von Arzneimitteln und Medizinprodukten verzahnt.

Andere Aufgaben sind:

  • Produktprüfung und Produktauswahl
  • Lieferantenbewertung
  • Preis- und Konditionsverhandlungen
  • Wareneinnahme und Eingangskontrolle
  • Arzneimittelkommissionierung
  • Mikrologistik
  • Rücknahme nicht mehr benötigter Arzneimittel
  • Unterhalt eines Notfalldepots
  • Rufbereitschaft zur Abgabe oder Herstellung von Medikamenten rund um die Uhr, z. B. bei Intoxikationen, akuten Leukämien oder Hämophilienotfällen

Weblinks

 Commons: Hospital pharmacies – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference