HLB-Wert

Erweiterte Suche

HLB-Wert (engl. Abk.: hydrophilic-lipophilic-balance) beschreibt in der Chemie den hydrophilen und lipophilen Anteil von hauptsächlich nichtionischen Tensiden und wurde 1954 von W. C. Griffin vorgeschlagen.

Methode nach Griffin

HLB-Werte und Verwendung
HLB-Wert Verwendung Mischbarkeit mit H2O
1.5 bis 3 Entschäumer unlöslich
3 - 8 für W/O-Emulsionen milchig beim Rühren
7 - 9 Netzmittel
8 bis 18 für O/W-Emulsionen stabile (milchige) Emulsion
13 bis 15 Waschaktive Substanzen klare Emulsion / klare Lösung
12 bis 18 Lösungsvermittler klare Emulsion / klare Lösung

HLB-Wert für nichtionische Tenside kann folgendermaßen berechnet werden:[1]

$ \mathrm{HLB = 20 \times \left(1 - \frac{M_l}{M}\right) } $

wobei Ml die Molmasse des lipophilen Anteils eines Moleküls ist und M die Molmasse des gesamten Moleküls. Der Faktor 20 ist ein von Griffin frei ausgewählter Skalierungsfaktor. Es ergibt sich damit in der Regel eine Skala von 1 bis 20. Ein HLB-Wert von 1 spricht für eine lipophile Verbindung, eine chemische Verbindung mit einem HLB-Wert von 20 hat einen hohen hydrophilen Anteil. Ein Wert zwischen 3 und 8 wird W/O-Emulgatoren zugeordnet, zwischen 8-18 O/W-Emulgatoren. Waschmittel haben HLB-Werte zwischen 13-15. Phospholipide haben einen Wert von 5 und Lysophosphatide zwischen 12-16.

Methode nach Davies

Neben der Methode nach Griffin gibt es noch weitere Methoden, den HLB-Wert zu berechnen. Diese sind jedoch weit weniger gebräuchlich. Genannt sei hier nur die Methode nach Davies, der 1957 vorschlug, den HLB-Wert aus Zahlenwerten für die einzelnen chemischen Gruppen eines Moleküls zu berechnen. Vorteil dieser Methode ist die höhere Gewichtung stark wechselwirkender Gruppen gegenüber weniger wechselwirkenden. Außerdem lässt sich so der HLB-Wert für ionische Tenside definieren. Nach Davies berechnet sich der HLB-Wert so:

$ \mathrm{HLB\ =\ 7\ +\ m\cdot\ H_h\ -\ n\cdot\ H_l} $

mit:

m: Anzahl hydrophiler Gruppen im Molekül
Hh: Wert der hydrophilen Gruppe
n: Anzahl lipophiler Gruppen im Molekül
Hl: Wert der lipophilen Gruppe

Einzelnachweise

  1. Hans-Dieter Dörfler, Grenzflächen- und Kolloidchemie, VCH, Weinheim, 1994, S. 198.

Literatur

Griffin, W. C.: Classification of surface active agents by HLB, J. Soc. Cosmet. Chem. 1, 1949

Brezesinski, G.; Mögel, H.-J.: Grenzflächen und Kolloide; Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg, Berlin, Oxford; 1993

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

18.06.2021
Quantenphysik
Fürs Rechenzentrum: bisher kompaktester Quantencomputer
Quantencomputer waren bislang Einzelanfertigungen, die ganze Forschungslabore füllten.
16.06.2021
Sterne
Helligkeitseinbruch von Beteigeuze
Als der helle, orangefarbene Stern Beteigeuze im Sternbild Orion Ende 2019 und Anfang 2020 merklich dunkler wurde, war die Astronomie-Gemeinschaft verblüfft.
15.06.2021
Festkörperphysik - Quantenphysik - Teilchenphysik
Das Elektronenkarussell
Die Photoemission ist eine Eigenschaft unter anderem von Metallen, die Elektronen aussenden, wenn sie mit Licht bestrahlt werden.
15.06.2021
Festkörperphysik - Quantenoptik
Ultrakurze Verzögerung
Trifft Licht auf Materie geht das an deren Elektronen nicht spurlos vorüber.
14.06.2021
Galaxien
Entdeckung der größten Rotationsbewegung im Universum
D
11.06.2021
Sonnensysteme - Planeten - Sterne
Die Taktgeber der Sonne
Nicht nur der prägnante 11-Jahres-Zyklus, auch alle weiteren periodischen Aktivitätsschwankungen der Sonne können durch Anziehungskräfte der Planeten getaktet sein.
09.06.2021
Galaxien - Sterne - Schwarze_Löcher
Wenn Schwarze Löcher den Weg für die Sternentstehung in Satellitengalaxien freimachen
Eine Kombination von systematischen Beobachtungen mit kosmologischen Simulationen hat gezeigt, dass Schwarze Löcher überraschenderweise bestimmten Galaxien helfen können, neue Sterne zu bilden.
09.06.2021
Monde - Astrobiologie
Flüssiges Wasser auf Monden sternenloser Planeten
Monde sternenloser Planeten können eine Atmosphäre haben und flüssiges Wasser speichern.
03.06.2021
Planeten - Astrophysik - Elektrodynamik
Solar Orbiter: Neues vom ungewöhnlichen Magnetfeld der Venus
Solar Orbiter ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der NASA, die bahnbrechende neue Erkenntnisse über die Sonne liefern wird.
03.06.2021
Festkörperphysik - Quantenphysik
Quantenbits aus Löchern
Wissenschafter haben ein neues und vielversprechendes Qubit gefunden – an einem Ort, an dem es nichts gibt.