Gottfried Wagener

Gottfried Wagener (* 5. Juli 1831 in Hannover; † 8. November 1892) war ein Naturwissenschaftler und Techniker, der in Japan einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des dortigen Ingenieurstudiums hatte.

Leben

Denkmal zu Ehren Gottfried Wageners im Okazaki-Park in Kyōto

Wagener studierte in Göttingen Mathematik, Physik, Chemie und Mechanik und machte 1851 das Oberlehrer-Examen. Das Thema dieser Arbeit „Darstellung der verschiedenen Methoden, die Beschleunigung der Schwere zu bestimmen“ führte ihn zu Problemen, die für die Seismologie bedeutsam sind.[1] Von 1852 bis 1860 hielt er sich in Paris auf und von 1860 bis 1864 arbeitete er als Lehrer an einer technischen Lehranstalt in der Schweiz. 1868 kam er im Dienste des amerikanischen Handelshauses Russel & Co. nach Nagasaki. Der Bruder der Firmeninhabers, John G. Walsh hatte Wagener veranlasst ihn nach Japan zu begleiten, um eine Seifenfabrik zu gründen.[1] Das Unternehmen war ein Misserfolg und so baute er im Auftrage des Gouverneurs von Hizen in Arita die ersten für Steinkohle eingerichteten Öfen für die dort ansaässige Porzellanmanufaktur.

Ende 1870 erhielt er eine Anstellung als Lehrer am Kaiseijo in Tokio, wo er neben Mathematik und Naturwissenschaften auch Deutschunterricht gab.[1] Nach wechselnden Lehrtätigkeiten wurde er 1882 als Dozent an die aus dem Kaiseijo hervorgegangene Kaiserliche Universität berufen. 1884 trat er in die Kunst- und Gewerbeschule Tokio als Hauptleiter der keramischen und glastechnischen Abteilung ein. Hier hat er bis zu seinem Tode seine Fähigkeiten am reichsten entfalten können.

Wageners Wirken ist für Japan von unschätzbaren Wert gewesen. Mit Rat und Tat arbeitete er an der Umstellung der traditionellen Industrie für den europäischen Markt. Hervorragende Dienste leistete er bei der Beteiligung Japans an der Weltausstellung 1873 in Wien. Der ungeahnte Erfolg dort ermunterte zur Teilnahme an der Weltausstellung 1876 in Philadelphia, zu der Wagener erneut als Beauftragter der japanischen Regierung entsandt wurde.

Zu seiner Zeit war Wagener die markanteste Gestalt in der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG), deren Vorsitzender er von 1883 bis 1886 war. Das dankbare Gastland ehrte sein Gedächtnis: 1924 wurde in Kyōto ein Denkmal errichtet, 1937 ein Denkmal auf dem Gelände seiner 1929 zur Universität aufgestiegenen Einrichtung, dem Tokyo Institute of Technology (TIT), deren Gründungsmitglied er war. Er starb in Tokio und liegt auf dem Aoyama-Friedhof begraben.

Seit 2009 verleiht die DIHK in Japan jährlich den „Gottfried-Wagener-Preis“ als Innovationspreis für japanische Wissenschaftler.

Literatur

  • Deutsches Wirken in Japan. In: M. Ramming (Hg): Japan-Handbuch. Steiniger-Verlag, Berlin 1941
  • o.A.: Nekrolog für Dr. Gottfried Wagener. In: Mitteilungen der OAG, Band VI (1893-1897) , Heft 57. Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, S. 357-364, abgerufen am 6. November 2012 (Zum Betrachten der Quelle ist die Installation eines DjVu Plugins nötig.).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Nekrolog für Dr. Gottfried Wagener. Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, S. 357-364, abgerufen am 6. November 2012.

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