VARTA

VARTA AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A0TGJ55
Gründung 27. Dezember 1887
Sitz Ellwangen, Deutschland[1]

Leitung

  • Michael Tojner (CEO), Vorstandsvorsitzender
  • Franz Guggenberger, Aufsichtsratsvorsitzender
Mitarbeiter 2 (2011)[2]
Umsatz 1,2 Mio. Euro (2011) [2]
Branche Batterien, Akkumulatoren, Taschenlampen
Website www.varta.com
Luftansicht der VARTA Microbattery GmbH in Ellwangen bei Aalen

Die VARTA AG (Akronym für: Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren) war ein traditionsreicher deutscher Batteriekonzern. Daneben ist VARTA auch Markenname für Waren, die von derzeit oder früher zum Konzern gehörenden Unternehmen hergestellt oder vertrieben werden. Dazu gehören beispielsweise Akkumulatoren, Batterien und Taschenlampen. Bekannt ist der Name auch durch den jährlich erscheinenden VARTA Hotel- und Restaurantführer.

Geschichte

Entstehung

Ursprung der VARTA AG war die „Accumulatoren-Fabrik Tudorschen Systems Büsche & Müller oHG“, die am 27. Dezember 1887 in Hagen (Westfalen) gegründet wurde. Unternehmensgründer war Adolph Müller. Er hatte das große Marktpotenzial für Akkumulatoren zu dieser Zeit erkannt. Neben Paul Büsche waren mehrere Unternehmer und Bankiers aus Hagen als stille Teilhaber beteiligt. 1888 begann das Unternehmen mit der industriellen Fertigung von ortsfesten Bleiakkumulatoren nach der Konstruktion von Henri Owen Tudor, einem Ingenieur aus Luxemburg. Der Kapitalanteil von Paul Büsche wurde durch den Ingenieur Paul Einbeck übernommen. Daher wurde die Firma am 1. Januar 1889 in „Accumulatoren-Fabrik Tudorschen Systems Müller & Einbeck oHG“ geändert. Um der Konkurrenz der beiden Elektrokonzerne Siemens und AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft), die ebenfalls die Produktion von Bleiakkumulatoren aufgenommen hatten zu entgehen, strebte Adolph Müller eine Kooperation mit diesen an. Nach Abschluss der Verhandlungen wurde unter Kapitalbeteiligung der oben genannten Konzerne und unter Mitwirkung der Deutschen Bank das Unternehmen am 1. Januar 1890 in die „Accumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft“ (Abkürzung AFA) mit Geschäftssitz Berlin und Hagen umgewandelt.

20. Jahrhundert

Früheres VARTA-Betriebsgelände, heute Johnson Controls, in Hannover am Mittellandkanal

Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs das Unternehmen schnell. 1912 erwirtschafteten etwa 4000 Beschäftigte im Deutschen Reich einen Umsatz von rund 31,4 Millionen Mark. Bis 1914 wurden im In- und Ausland zahlreiche Werke und Tochtergesellschaften gegründet oder übernommen. Im Jahr 1904 erfolgte die Gründung der VARTA GmbH (Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren) als Tochter- und Vertriebsgesellschaft der AFA, die 1905 in Berlin-Oberschöneweide die Fertigung kleiner transportabler Bleiakkumulatoren aufnahm. Diese wurden für Taschenlampen, Telegraphen und Signalapparate verwendet. Ab den 1920er Jahren wurden dort auch Starterbatterien für Autos gebaut. 1905 wurde zusammen mit Siemens und AEG die „Gesellschaft für elektrische Zugbeleuchtung mbH“ (Abkürzung GEZ) mit Sitz in Berlin gegründet. 1913 wurde die „Deutsche Edison-Akkumulatoren-Company GmbH“ (DEAC), die 1905 in Berlin zur Herstellung von Stahlakkumulatoren nach Edison-Bauart gegründet wurde, übernommen. Im Stammwerk in Hagen wurden zu dieser Zeit hauptsächlich große ortsfeste Blei-Akkumulatoren produziert. Bereits 1904 wurde die erste U-Boot-Batterie geliefert. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Produktion zunehmend auf die Bedürfnisse des Militärs umgestellt. Beispielsweise war das Werk in Hagen der einzige Produzent von U-Bootbatterien im Deutschen Reich. Daher plante die britische Admiralität bereits im Ersten Weltkrieg Luftangriffe auf das AFA-Werk in Hagen.

Nach dem Erwerb der Aktienmehrheit wurde Günther Quandt im Juni 1923 Aufsichtsratsvorsitzender der AFA. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die AFA zu einem bedeutenden Teil Quandts wirtschaftlicher Aktivitäten und Industriebeteiligungen. 1926 wurde die 1917 in Hamburg gegründete Pertrix Chemische Fabrik AG übernommen. Im neuen Pertrix-Werk in Berlin-Niederschöneweide wurden Trockenbatterien und Taschenlampen hergestellt. 1927 wurde die 1921 gegründete Grubenlampenfabrik Dominit Werke AG (Dortmund) aufgekauft. In Hannover-Stöcken wurde von 1936 bis 1938 ein neues Werk errichtet, das ausschließlich für die Kriegsmarine (U-Boote/Torpedos) Akkumulatoren herstellte. [3] 1938 wurde Günther Quandt Vorstandsvorsitzender der AFA. 1939 änderte sich die Gesellschaftsform der Pertrix und Dominit Werke; die Aktiengesellschaften wurden zur GmbH. Beide Unternehmen blieben aber Tochter der AFA.

Beiträge im Zweiten Weltkrieg, Zwangsarbeit, Konzentrationslager Stöcken

Mahnmal für die Zwangsarbeiter der Akkumulatorenfabrik

Im Zweiten Weltkrieg wurden in den Betrieben der AFA in Hagen, Hannover-Stöcken, Posen und Wien neben ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen auch Häftlinge aus Konzentrationslagern eingesetzt. In Hannover gehörten die Häftlinge zum Außenlager KZ Stöcken (Akkumulatorenwerke) des KZ Neuengamme. Das Lager bestand zwischen Juli 1943 - April 1945 direkt neben dem Werksgelände der Akkumulatorenfabrik. Rund 400 der durchschnittlich 15.000 Häftlinge starben an den schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie einem Todesmarsch zum KZ Bergen-Belsen im April 1945. Etwa 600 marschunfähige Häftlinge wurden nach Gardelegen transportiert, wo sie in der Isenschnibber Feldscheune ermordet wurden. Zur Erinnerung wurde 1999 in Hannover-Stöcken nahe dem ehemaligen Lager ein Mahnmal mit Skulptur und Gedenktafeln aufgestellt. Es ist den west- und osteuropäischen Häftlingen gewidmet, die unter unmenschlichen Bedingungen zur Kriegsproduktion gezwungen wurden. Die Firma VARTA weigerte sich unter Einflussnahme des damaligen Hauptanteilseigners, der Familie Quandt, das Mahnmal auf deren Firmengrundstück aufstellen zu lassen.

Während des Krieges entwickelte und lieferte die AFA die Bordbatterien für U-Boote und für die Fernrakete V2. Das Stammwerk in Hagen wurde durch alliierte Bombenangriffe stark beschädigt.

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Werke in Berlin enteignet. Trotz Bombenschäden und Demontage wurden in Berlin-Oberschöneweide ab 1946 von der neugegründeten VEB Berliner Akkumulatoren- und Elementefabrik (BAE) wieder Batterien für Gabelstapler und Schienenfahrzeuge produziert. Das ehemalige Pertrix-Werk in Berlin-Niederschöneweide produzierte unter dem Namen Batropa bis 1999 Taschenlampen und Batterien. 1946 nahm die AFA unter der Firma BMF – Batterie- und Metallwarenfabrik die Herstellung von Trockenbatterien in Ellwangen auf. Dazu wurden in einer ehemaligen Propeller-Nabenfabrik die Fertigungen aus Hannover und Ullersricht (bei Weiden) zusammengelegt. 1949 entstand aus den Unternehmen BMF und der Pertrix-Werke GmbH die Pertrix-Union GmbH in Ellwangen. In der Folgezeit wurde die Produktion von Zink-Kohle-Batterien in Ellwangen nach und nach ausgebaut – mit Zellen in den Baugrößen Mono und Baby begann in den 1950er Jahren die Massenfertigung.

Da sich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg der Name VARTA als Marken- und Qualitätsbegriff immer weiter durchsetzte, beschloss die Hauptversammlung des Konzerns im Jahr 1962, die AFA in VARTA Aktiengesellschaft umzubenennen. Seit 1956 lieferte die VARTA wieder U-Boot-Batterien an die Bundesmarine und für den Export. Das Geschäft mit U-Boot-Batterien ist von den Umsätzen sehr gewinnbringend und wird - als einer der wenigen ursprünglichen Fertigungsbereiche - von der Hawker GmbH im Stammwerk Hagen fortgeführt.

1977 wurde die VARTA AG aufgeteilt. Es entstand die VARTA AG (Batterie und Plastik), die CEAG AG (Elektronik) und die Altana AG (Pharma).

Jahrzehntelang war das Unternehmen in verschiedenen Bereichen der Batterieherstellung tätig. Im In- und Ausland produzierte VARTA Industrie- und eckige Autobatterien, Rund- und Knopfzellen. 1993 machte die VARTA AG erstmals in ihrer Geschichte keinen Gewinn. Durch weltweiten Wettbewerb und Kostendruck, sowie infolge von verkrusteten Strukturen sei VARTA »in vielerlei Hinsicht ein typischer Fall für eine deutsche Firma in der Mitte der neunziger Jahre«, urteilte die Financial Times. In der Folge begann ein tiefgreifender Umbau des Konzerns. 1995 wurde der Unternehmensbereich Industriebatterien und damit das historische Kerngeschäft an den britischen Mischkonzern BTR (British Tire and Rubber) verkauft. 1998 wurden im Zuge einer Umstrukturierung die gesamten Gerätebatterieaktivitäten in der neuen VARTA Gerätebatterie GmbH zusammengefasst und die VARTA-Plastic verkauft. Damit wurde die Konzentration auf die Unternehmensbereiche Geräte- und Autobatterien abgeschlossen und die VARTA AG zur reinen Konzernholding. 1999 wurde die Fertigung von Zink-Kohle-Batterien in Ellwangen eingestellt.

Zerschlagung des Konzerns

Johnson Controls-Unternehmensgebäude in Hannover am früheren VARTA-Gelände

Ende 2000 wurde die Gopla, eine Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Bank, nach einem öffentlichen Übernahmeangebot Hauptaktionär der VARTA AG. In der Folgezeit wurde der Konzern umstrukturiert und letztendlich zerschlagen. 2001 wurde der Geschäftsbereich Microbatterien ausgegliedert, die entstandene VARTA Microbattery GmbH wurde eine Tochtergesellschaft der VARTA AG Hannover. 2002 wurde die Autobatteriesparte an das US-amerikanische Unternehmen Johnson Controls verkauft. Im gleichen Jahr wurde der Geschäftsbereich Handelsbatterien in ein Gemeinschaftsunternehmen unter Führung der US-amerikanischen Rayovac Corporation eingebracht. Daneben wurden Tochtergesellschaften und Beteiligungen im Ausland verkauft. 2004 wurde die Beteiligung an der Microlite S.A., einem brasilianischen Gerätebatteriehersteller, an die Rayovac Corporation verkauft. Im Juli 2005 kündigte Spectrum Brands (ehemals Rayovac Corporation) das Joint Venture mit der VARTA AG und übernahm den Geschäftsbereich Handelsbatterien komplett. Somit verblieb nur der Bereich Microbatterien bei der VARTA AG. Dieser wurde im Februar 2007 für einen vorläufigen Kaufpreis von etwa 30 Mio. € an die österreichische VEG Beteiligungs GmbH und Buy-Out Beteiligungs-Invest AG, die beide zur Global Equity Partners Gruppe gehören und schließlich Ende 2007 an die Montana Tech Components AG verkauft, die ebenfalls eine Beteiligung der Global Equity Partners Gruppe darstellt.

Mit dem Verkauf aller operativen Geschäftsbereiche verabschiedete sich die VARTA AG nach über 100 Jahren ganz aus dem Batteriegeschäft. Die VARTA AG mit Sitz in Hannover besteht weiter und beschäftigt sich mit der Verwaltung eigenen Vermögens sowie der Verwertung und Abwicklung von Vermögensgegenständen, Verträgen, Verbindlichkeiten und Beteiligungen der Gesellschaft und ihren Tochtergesellschaften. Unter dem Dach der VARTA AG befinden sich die VARTA Unterstützungskasse sowie die Immobiliengesellschaft Pertrix.

Die Volkswagen AG und die VARTA Microbattery GmbH haben im Jahre 2010 eine Forschungskooperation gegründet, um die Entwicklung von Lithium-Ionen-Akkumulatoren für Elektro-Autos voranzutreiben.[4]

Die VARTA AG wurde im August 2011 vom gleichen Unternehmenskonsortium aufgekauft, das auch die VARTA Microbattery GmbH übernommen hat. Im öffentlichen Übernahmeangebot an die Aktionäre wird der Zusammenschluss der VARTA AG mit der VARTA Microbattery GmbH als wünschenswert beschrieben. Somit könnte bereits nach 5 Jahren der Trennung eine Wiedervereinigung stattfinden.[5]

Produkte

Literatur

  • Burkhard Nadolny, Wilhelm Treue: VARTA – ein Unternehmen der Quandt-Gruppe. Verlag Mensch und Arbeit, München 1964 (Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum, die die Unternehmensgeschichte darstellt)
  • Ralf Blank: Hagen im Zweiten Weltkrieg. Bombenkrieg, Rüstung und Kriegsalltag in einer westfälischen Großstadt 1939-1945, Essen 2008 (ausführliche Darstellung der AFA/VARTA als Rüstungsunternehmen)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://company.varta.com/de/index.php?content=konzern/impressum.php
  2. 2,0 2,1 Geschäftsbericht 2011 der Varta AG
  3. [Burkhard Nadolny, Wilhelm Treue: VARTA - Ein Unternehmen der Quandt Gruppe 1888-1963, Verlag Mensch und Arbeit München 1964]
  4. Auto Motor und Sport - Volkswagen und VARTA schmieden Allianz
  5. Tojner Gruppe übernimmt Kontrolle über gesamte VARTA AG

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