Plättchenaktivierender Faktor

Struktur von PAF (1-O-alkyl-2-azetyl-sn-glyzero-3-phosphocholin)

Plättchenaktivierender Faktor (engl. platelet activating factor), abgekürzt PAF, ist der Trivialname für das Phospholipid mit der chemischen Bezeichnung 1-O-alkyl-2-azetyl-sn-glyzero-3-phosphocholin. Den Trivialnamen erhielt diese Substanz, weil sie die Fähigkeit besitzt eine Thrombozytenaggregation auszulösen[1]. Er wurde vom französischen Immunitätsforscher Jacques Benveniste 1970 entdeckt und ist das erste in der Literatur beschriebene Phospholipid mit Mediatoreigenschaften[2]. Eine große Rolle spielt es im Zusammenwirken mit Blutbestandteilen und im Gefäßsystem[1]. Plättchenaktivierender Faktor wird durch PAF-Azetylhydrolase inaktiviert.

Synthese

Dieses Phospholipid-Analogon wird von verschiedenen Zellen (Endothelzellen, Fibroblasten, Leukozyten, Makrophagen, Thrombozyten) gebildet[1]. Grundsätzlich sind zwei enzymatische Synthesewege bekannt:

  • PAF-De-Novo-Synthese: Bei dieser Synthese wird durch das Enzym Phosphocholintransferase eine Phosphocholingruppe auf die dritte Position eines Alkyl-Azetyl-Glycerins von Membranlipiden übertragen[1].
  • PAF-Remodeling-Synthese: Hier kommt es über das Zwischenprodukt Lyso-PAF (2-Lysophospholipide) zur PAF-Synthese. Eine aktivierte Phospholipase der Gruppe A2 bewirkt zunächst, dass Phospholipide aus der Zellmembran hydrolysiert werden. Das entstehende Zwischenprodukt (Lyso-PAF) ist anschließend Substrat für eine Acetyltransferase, die eine Acetylgruppe an die freie zweite Position des Glycerins transferiert[1]. Das Zwischenprodukt Lyso-PAF kann auch aus PAF durch die PAF-Acetylhydrolase gebildet werden[2].

Medizinische Bedeutung

Bei Patienten mit Anaphylaxie ist plättchenaktivierender Faktor erhöht und korreliert mit der Schwere der Reaktion, PAF-Azetylhydrolase ist dagegen vermindert, insbesondere bei tödlich verlaufender Erdnuss-Allergie. Diese Befunde werden dahingehend interpretiert, dass eine verminderte Inaktivierung von plättchenaktivierender Faktor durch PAF-Azetylhydrolase zum Schweregrad einer anaphylaktischen Reaktion beiträgt.[3]

Referenzen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Karen Bücher: Dissertation: Nachweis des Platelet-activating factor (PAF) in der bovinen Plazenta anhand der Expression des PAF-Rezeptors und der zugehörigen PAF-Azetylhydrolasen . Justus-Liebig-Universität, Giessen 2005, URN: nbn:de:hebis:26-opus-24919, S. 13 ff.
  2. 2,0 2,1 Thomas Hunger:: Dissertation: Die Wirkung von plättchenaktivierendem Faktor (PAF) auf intrazelluläre Kalziumkonzentration und Kontraktilität isolierter adulter Kardiomyozyten der Ratte. Humboldt-Universität, Berlin 2001, URN: nbn:de:kobv:11-10013765, S. 4 ff.
  3.  Vadas, Peter et al.: Platelet-Activating Factor, PAF Acetylhydrolase, and Severe Anaphylaxis. In: N Engl J Med. Nr. 358, 2008, S. 28-35 (Abstract).

Weblinks

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